Alternative zu Alzheimer-Medikamenten: Moderne Hirnstimulation zeigt Wirkung

Es herrscht nach wie vor ein deutliches Ungleichgewicht in der Bekanntheit der verschiedenen modernen Therapiewege bei Alzheimer, Parkinson, aber auch für Depressionen: Während die Hoffnungen auf die neuen Alzheimer-Antikörper wie Lecanemab oder Donanemab zunehmend Ernüchterung auslösen, entwickelt sich seit Jahren parallel ein völlig anderes, längst grosses medizinisches Feld in Neurologie und Psychiatrie – die verschiedenen Methoden der sogenannten nicht-invasiven Hirnstimulation.

Doch obwohl längst tausende Studien, internationale Forschungsprogramme und etliche spezialisierte Zentren existieren, die diese Methoden erfolgreich anwenden, wissen Millionen Betroffene bis heute kaum etwas darüber.

Genau dies kritisiert nun ein umfangreicher Übersichtsartikel des Informationsportals „Alzheimer Deutschland“ von der „Ärztlichen Interessensgemeinschaft TPS“. Denn während Begriffe wie „Lecanemab“ mittlerweile selbst vielen Laien bekannt sind, bleiben Verfahren wie die Transkranielle Magnetstimulation, die transkranielle Gleichstromstimulation oder die Transkranielle Pulsstimulation für die Öffentlichkeit nach wie vor ein regelrechter blinder Fleck – obwohl sie zu den spannendsten und wirksamsten Entwicklungen der modernen Neuromedizin zählen.

Einige dieser Verfahren sind daher auch längst in den medizinischen Leitlinien angekommen, also wissenschaftlich anerkannt und evidenzbasiert. So empfiehlt die Nationale Versorgungsleitlinie „Unipolare Depression“ etwa die repetitive transkranielle Magnetstimulation ausdrücklich bei therapieresistenter Depression. Dennoch führe die Magnetstimulation in Deutschland „noch immer ein Schattendasein“.

Tausende Studien, grosse Behandlungserfolge – und dennoch kaum öffentliche Bekanntheit

Die moderne nicht-invasive Hirnstimulation basiert auf einem Grundgedanken, der in den Neurowissenschaften längst angekommen ist: Das Gehirn ist kein statisches Organ. Es ist plastisch, regulierbar und sogar regenerationsfähig. Genau deshalb beschäftigen sich weltweit mittlerweile tausende wissenschaftliche Studien mit den verschiedenen Verfahren der nicht-invasiven Neurostimulation – etwa bei Alzheimer, Parkinson, Depressionen, Schlaganfällen, chronischen Schmerzen oder Long Covid.

Besonders stark in den Fokus gerückt ist dabei in den vergangenen Jahren die Transkranielle Pulsstimulation. Die 2018 CE-zugelassene Stosswellen-Methode mit dem System Neurolith arbeitet nicht mit Strom oder Magnetfeldern, sondern mit ultrakurzen fokussierten Stosswellen-Impulsen, die tief und präzise in das Gehirn eindringen können. Über den biologischen Mechanismus der sogenannten Mechanotransduktion sollen dabei neuronale Netzwerke aktiviert sowie regenerative und neuroplastische Prozesse angeregt werden. Die Behandlung wird rein ambulant durchgeführt, dauert rund 30 Minuten und hat laut klinischen Studien keine relevanten Nebenwirkungen.

Mittlerweile wird die TPS-Therapie vor allem in Deutschland, aber auch weltweit in spezialisierten Zentren mit steigender Tendenz eingesetzt und hat sich durch Fernsehberichte, wissenschaftliche Veröffentlichungen und internationale Kongresse weiter verbreitet. Dennoch wissen viele Betroffene bis heute kaum, dass solche Therapieoptionen überhaupt existieren.

Zentrale Frage von Patienten und Angehörigen

Nach Angaben von „Alzheimer Deutschland“ zählt die Frage „Warum haben wir nicht früher davon erfahren?“ zu den häufigsten Reaktionen von Betroffenen und Angehörigen. Denn obwohl die Transkranielle Pulsstimulation mittlerweile deutlich bekannter geworden ist, erfahren viele Patienten oft erst spät und häufig per Zufall von Behandlungsmöglichkeiten dieser Art.

Allein im deutschsprachigen Raum arbeiten an die 100 Kliniken und Praxen mit der TPS und bescheinigen dieser ambulanten Methode hohe, teils dauerhafte Erfolgsquoten, die sich mit der zunehmenden Studienlage decken.

Gesundheitssysteme unter Druck

Der Artikel kritisiert auch die gesundheitspolitische Zurückhaltung gegenüber vielen NIBS-Verfahren. Obwohl manche Methoden in Leitlinien verankert sind, werden deren Kosten von gesetzlichen Krankenkassen häufig nicht oder nur eingeschränkt übernommen. Private Krankenversicherungen zeigen sich offener und sehen im möglichst langen Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität auch eine wirtschaftliche Perspektive.

Angesichts steigender Pflegekosten, überlasteter Gesundheitssysteme und wachsender Erkrankungszahlen erscheint diese Situation zunehmend kurzsichtig. Neurostimulations-Verfahren könnten nicht nur Symptome reduzieren und Krankheitsverläufe verlangsamen, sondern auch Pflegebedürftigkeit hinauszögern.

NIBS: Ein Bruchteil der Kosten von Lecanemab

Während Antikörper-Therapien wie Lecanemab Kosten von rund 30’000 Euro pro Jahr und Patient verursachen können, bewegt sich etwa die TPS-Therapie meist im Bereich von rund 2’000 bis 3’000 Euro. Gleichzeitig kostet ein Pflegeheimplatz in Deutschland Betroffene durchschnittlich rund 4’000 Euro Eigenanteil pro Monat.

Vor diesem Hintergrund stellt „Alzheimer Deutschland“ die Frage, wie lange es sich die Gesellschaft leisten kann, moderne Neurostimulationsverfahren weiterhin zu übersehen.

 

Quelle: Alzheimer Deutschland/Katja C. Schmidt
Bildquelle: Symbolbild © Peakstock/Shutterstock.com

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