Jugendgewalt: Digitale Kontakte zu kriminellen Peers verstärken Gewalt und Bandenaktivität

Teenager, die intensive digitale Kontakte vor allem über soziale Medien zu anderen Jugendlichen pflegen, die es mit Recht und Gesetz nicht sonderlich genau nehmen, tragen fast fünfmal häufiger Messer bei sich als durchschnittliche jugendliche Verdächtige.

Sie begehen fast dreimal häufiger Gewaltverbrechen, siebenmal häufiger Raubüberfälle und sind neunmal häufiger in organisierte Kriminalität verwickelt. Das zeigt eine Analyse der University of Cambridge, finanziert von der Nuffield Foundation.

Frühwarnsystem für Kriminelle

Den Forschern nach werden supervernetzte Jugendliche weitaus öfter selbst Opfer von Gewalt. Die Studie basiert auf der Analyse von 200’000 britischen Polizei-Akten aus der Region um Cambridge.

Dieser Ansatz könnte zu einem Frühwarnsystem führen, so die Autoren. Das wiederum ermögliche es der Polizei und den Sozialdiensten gezielte Interventionen für Teens, bei denen die Wahrscheinlichkeit von Gewalttaten am grössten ist und die ihrerseits vor Gewalt geschützt werden müssten.

„Traditionelle Ansätze behandeln jugendliche Straftäter isoliert und konzentrieren sich auf individuelle Risikofaktoren wie Alter, Hintergrund und früheres Verhalten. Dabei übersehen wir eine entscheidende Ebene, da Jugendgewalt zutiefst sozial geprägt ist und von Beziehungen und Banden bestimmt wird“, unterstreicht Paolo Campana, Wissenschaftler der University of Cambridge.

Netzwerkanalyse schützt Leben

Die Analyse der Netzwerke von Tätern anhand von Polizei-Aufzeichnungen könnte den Behörden helfen, junge Menschen zu identifizieren und anzusprechen, bei denen das Risiko am grössten ist, Gewalt auszuüben oder Opfer zu werden, meint Campana, und fährt fort: „Ein Eingreifen, sobald junge Menschen erstmals in kriminelle Netzwerke eingebunden werden, unabhängig von der Schwere der ersten Straftat, könnte später den Verlust von Menschenleben verhindern.“

Die meisten Jugendlichen, die einer Straftat verdächtigt werden, haben bis zu drei digitale Verbindungen zu anderen Tatverdächtigen jeden Alters, hat die Untersuchung der Gewaltforscher ergeben. Besonders kriminelle Jugendliche hätten demnach in der Regel mehr als sieben Verbindungen, wobei 21 Kontakte das Maximum seien.

 

Quelle: pressetext.redaktion/Wolfgang Kempkens
Bildquelle: Symbolbild © New Africa/Shutterstock.com

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