Studie warnt vor starkem Anstieg von Demenz und wachsendem Versorgungsdruck

Die Zahl der Demenzfälle wird bei steigender Lebenserwartung in Deutschland von heute etwa 1,3 Mio. auf bis zu 2,1 Mio. im Jahr 2060 ansteigen und das Gesundheitssystem vor massive Herausforderungen stellen.

Das zeigen aktuelle Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln.

Prävention entscheidend

„Durch Prävention und eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, den Verzicht auf das Rauchen, mehr Bildung, die Behandlung von Hörstörungen und die Vermeidung sozialer Isolation kann einer Demenzentwicklung vorgebeugt werden“, kommentiert WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder die aktuellen Zahlen.

2020 reichte die Spanne der Demenz-Prävalenz von einem Prozent in Tübingen bis 2,6 Prozent in der Prignitz. Für 2060 wird eine Spanne von 1,7 Prozent in München bis zu 6,2 Prozent im Landkreis Elbe-Elster prognostiziert. Der Unterschied zwischen der Region mit der höchsten und der niedrigsten Demenz-Prävalenz beträgt damit mehr als das 3,5-Fache.



Challenge für Kommunen

Den Experten nach wird der steigenden Demenz-Fallzahl eine geringere Zahl an Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren gegenüberstehen, die die Versorgung gewährleisten können. 2020 lag die Kennzahl zum Verhältnis von Personen mit Demenz bei 2,6 je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter.

Rechnerisch stand also einem Demenzfall eine Zahl von rund 38 Personen im erwerbsfähigen Alter für die Versorgung gegenüber. Die Kennzahl wird bis 2060 laut den Experten jedoch auf einen Wert von 4,7 ansteigen, sodass auf einen Demenzfall nur noch 21 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen werden.

„Unsere Ergebnisse zeigen klar: Demenz ist eine ganz konkrete Herausforderung auf kommunaler Ebene. Die regionalen Unterschiede werden grösser. Darauf müssen sich Versorgungsstrukturen, Pflegeangebote und Kommunalpolitik einstellen“, verdeutlicht Schröder abschliessend.


In der Schweiz leben schätzungsweise rund 161’100 Menschen mit Demenz, und jährlich kommen etwa 34’800 Neuerkrankungen hinzu. Die häufigste Form ist mit rund 60 Prozent die Alzheimer-Demenz. Betroffen sind überwiegend hochaltrige Personen, zu zwei Dritteln Frauen, und der grösste Teil lebt zu Hause. Bis 2050 könnte sich die Zahl der Betroffenen auf über 315’000 verdoppeln – eine Entwicklung, die mit den deutschen Prognosen nahezu deckungsgleich ist. Deutschland zählt heute rund 1,3 Millionen Betroffene, die Schweiz knapp 161’000 – bei etwa einem Achtel der Bevölkerung ein fast identisches Verhältnis. Auch die Herausforderung ist dieselbe: Einer wachsenden Zahl Demenzkranker steht eine schrumpfende Zahl an Menschen im erwerbsfähigen Alter gegenüber, die Pflege und Versorgung sicherstellen können. Da ein nationales Demenzregister fehlt und die Dunkelziffer hoch ist, handelt es sich bei allen Schweizer Angaben um Schätzungen, die von Alzheimer Schweiz jährlich aktualisiert werden.


 

Quelle: pressetext.redaktion/Florian Fügemann; Infobox: belmedia-Redaktion
Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © Alexander Raths/Shutterstock.com; Bild 2: WIdO 2026

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