Rücken entlasten: Was bei Schmerzen durch Sitzen, Alltag und Bildschirmarbeit hilft

Der Rücken zieht nach einem langen Arbeitstag, beim Aufstehen vom Sofa sticht es ins Kreuz oder nach mehreren Stunden am Bildschirm fühlen sich Nacken und Lendenwirbelsäule steif an: Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Meist steckt keine gefährliche Erkrankung dahinter. Gerade bei unspezifischen Rückenschmerzen ist Bewegung häufig wichtiger als Schonung.

Wer viel am Computer arbeitet, braucht deshalb nicht die eine vermeintlich perfekte Sitzhaltung. Entscheidend sind ein passend eingerichteter Arbeitsplatz, häufige Positionswechsel und genügend Bewegung ausserhalb des Bürostuhls. Auch im privaten Alltag lässt sich viel tun: spazieren, Kraft aufbauen, langes Liegen vermeiden und Warnzeichen ernst nehmen. Dieser Ratgeber zeigt, was bei akuten und wiederkehrenden Rückenschmerzen sinnvoll ist und wann eine medizinische Abklärung nötig wird.

Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz

Unter dem Begriff Rückenschmerzen werden sehr unterschiedliche Beschwerden zusammengefasst.

Besonders häufig schmerzt der untere Rücken zwischen Rippenbogen und Gesäss. Schmerzen können dumpf, ziehend, stechend oder bewegungsabhängig auftreten. Manche Menschen fühlen vor allem eine ausgeprägte Steifigkeit, andere erleben einen plötzlich einschiessenden Schmerz, der umgangssprachlich als Hexenschuss bezeichnet wird.

Auch Nacken und Schultergürtel können betroffen sein. Gerade bei langer Bildschirmarbeit treten Beschwerden in diesen Bereichen häufig gemeinsam auf.

Medizinisch ist eine wichtige Unterscheidung entscheidend: spezifische und unspezifische Rückenschmerzen.

Bei spezifischen Beschwerden lässt sich eine konkrete Ursache feststellen, beispielsweise ein Knochenbruch, eine Infektion oder eine Nervenreizung durch einen Bandscheibenvorfall.

Weitaus häufiger sind unspezifische Rückenschmerzen. Dabei findet sich keine einzelne Struktur, die den Schmerz eindeutig erklärt.

Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Rücken, Muskulatur, Gelenke, Bänder und Nervensystem arbeiten eng zusammen. Belastung, Bewegungsverhalten, Schlaf, Stress und viele weitere Faktoren können beeinflussen, wie Schmerzen entstehen und wahrgenommen werden.

Die gute Nachricht: Akute Rückenschmerzen verschwinden häufig wieder

Ein plötzlich schmerzender Rücken kann beunruhigend sein. Die Intensität des Schmerzes sagt jedoch nicht automatisch etwas darüber aus, wie schwer eine Schädigung ist.

Unspezifische akute Rückenschmerzen bessern sich bei vielen Menschen innerhalb von Tagen oder einigen Wochen.

Früher wurde häufig empfohlen, bei einem Hexenschuss möglichst viel zu liegen. Heute gilt längere Bettruhe bei unkomplizierten Rückenschmerzen als wenig hilfreich.

Der Körper verliert bei Inaktivität rasch Kraft. Gleichzeitig kann die Angst vor bestimmten Bewegungen wachsen.

Sinnvoller ist es, den normalen Alltag so weit wie möglich fortzuführen.

Das bedeutet nicht, schwere Möbel trotz heftiger Schmerzen zu tragen oder ein intensives Krafttraining zu absolvieren. Es bedeutet vielmehr: aufstehen, gehen, leichte Tätigkeiten erledigen und jene Bewegungen nutzen, die aktuell gut möglich sind.

Bewegung ist eines der wirksamsten Mittel

Bei länger anhaltenden und wiederkehrenden Rückenschmerzen gehört Bewegung zu den am besten untersuchten Behandlungsansätzen.

Geeignet sind unterschiedliche Formen.

Kräftigungsübungen können Bauch-, Rücken-, Becken- und Hüftmuskulatur trainieren. Pilates und andere Bewegungsformen können ebenfalls hilfreich sein. Auch regelmässiges zügiges Gehen hat einen Platz in einem aktiven Rückenalltag.

Dabei existiert nicht die eine Übung, die für jeden Rücken unverzichtbar wäre.

Viel wichtiger ist eine Bewegungsform, die regelmässig ausgeführt werden kann.

Ein perfekter Trainingsplan, der nach zehn Tagen abgebrochen wird, hilft langfristig weniger als ein einfaches Programm, das über Monate Teil des Alltags bleibt.

Auch kleine Bewegungseinheiten können sinnvoll sein. Der belmedia-Ratgeber über alltagstaugliche Bewegung und kurze „Bewegungs-Snacks“ zeigt, wie sich zusätzliche Aktivität auch ohne Fitnessstudio in einen vollen Tagesablauf einbauen lässt.

Der Rücken am PC: Sitzen ist nicht das einzige Problem

Wer morgens den Bürostuhl einnimmt und ihn acht Stunden später wieder verlässt, belastet den Körper sehr einseitig.

Daraus folgt allerdings nicht, dass Sitzen grundsätzlich schädlich wäre.

Das eigentliche Problem ist häufig die fehlende Abwechslung.

Der menschliche Körper ist auf Bewegung ausgelegt. Eine Position, die für zehn Minuten bequem ist, kann nach zwei Stunden unangenehm werden.

Deshalb ist die Vorstellung von einer einzigen „richtigen“ Körperhaltung wenig hilfreich.

Auch eine aufrechte Sitzposition wird anstrengend, wenn sie starr gehalten wird.

Rückengerechtes Arbeiten bedeutet vielmehr, Bewegung zuzulassen:

  • zurückgelehnt sitzen;
  • zwischendurch aufrechter sitzen;
  • regelmässig aufstehen;
  • einige Aufgaben im Stehen erledigen;
  • beim Telefonieren gehen;
  • kurze Wege bewusst nutzen.

Die Rheumaliga Schweiz empfiehlt beim Bildschirmarbeitsplatz ausdrücklich regelmässige Haltungswechsel und Bewegung. Auch die Suva betont, dass kurze Bewegungspausen Verspannungen lösen und einseitige Belastungen ausgleichen können.


Kurze Unterbrechungen müssen kein vollständiges Training sein. Aufstehen, einige Schritte gehen und den Oberkörper bewegen unterbrechen bereits die statische Bildschirmhaltung.

Der beste Bürostuhl hilft wenig, wenn er falsch eingestellt ist

Ergonomische Büromöbel können die Arbeit angenehmer machen. Sie funktionieren aber nur, wenn sie zur jeweiligen Person passen.

Der Stuhl sollte so eingestellt sein, dass die Füsse stabil auf dem Boden stehen. Die Oberschenkel liegen ungefähr waagrecht oder fallen leicht nach vorne ab.

Die Rückenlehne darf genutzt werden.

Stundenlang frei und vermeintlich mustergültig gerade zu sitzen, kann die Muskulatur unnötig ermüden.

Eine bewegliche Rückenlehne unterstützt verschiedene Sitzpositionen besser als eine starre Haltung.

Auch die Sitztiefe zählt. Zwischen Kniekehle und Sitzvorderkante sollte genügend Platz bleiben.

Armlehnen sind hilfreich, wenn sie die Schultern entspannen, ohne die Arme nach oben zu drücken.

Wer tiefer in die ergonomische Einrichtung einsteigen möchte, findet im Ratgeber über Ergonomie am Arbeitsplatz nach Empfehlungen der Suva weitere Hinweise zu Stuhl, Tisch, Bildschirm und Arbeitsorganisation.

Auch der Bildschirm beeinflusst die Haltung

Ein überraschend häufiger Auslöser ungünstiger Arbeitspositionen steht direkt auf dem Schreibtisch.

Ist die Schrift zu klein, rutscht der Oberkörper nach vorne.

Steht der Monitor deutlich zu tief, wird der Kopf über längere Zeit abgesenkt. Das passiert besonders häufig beim Arbeiten mit einem Laptop.

Ein Notebook kombiniert Bildschirm und Tastatur miteinander. Eine ergonomisch günstige Position für die Hände führt deshalb meist dazu, dass das Display zu tief steht.

Für längere Arbeitstage ist eine einfache Kombination praktischer:

  • Laptop erhöht aufstellen;
  • separate Tastatur verwenden;
  • externe Maus einsetzen.

Noch komfortabler ist ein separater Bildschirm.

Der Monitor sollte frontal stehen. Wer ständig schräg auf einen zweiten Bildschirm schaut, dreht Kopf und Oberkörper möglicherweise stundenlang in dieselbe Richtung.

Die Schriftgrösse sollte so eingestellt sein, dass Texte aus einer entspannten Position lesbar bleiben.

Ein höhenverstellbarer Tisch ist hilfreich, aber kein Heilmittel

Stehpulte haben sich in vielen Büros etabliert. Sie lösen jedoch nicht automatisch Rückenprobleme.

Acht Stunden zu stehen wäre ebenso einseitig wie acht Stunden zu sitzen.

Der eigentliche Nutzen eines höhenverstellbaren Tisches liegt im Wechsel.

Eine Videokonferenz kann beispielsweise im Sitzen beginnen. Die nächste E-Mail wird im Stehen beantwortet. Beim Telefongespräch kommen einige Schritte hinzu.

So entstehen über den Tag viele kleine Positionswechsel.

Auch ohne elektrisch höhenverstellbaren Tisch lässt sich Bewegung integrieren. Telefonate können im Gehen stattfinden. Dokumente können an einem höheren Möbelstück gelesen werden. Der Gang zur Küche oder zum Drucker wird nicht als störende Unterbrechung betrachtet, sondern als kurze Bewegungsmöglichkeit.

Die wichtigste Büropause dauert oft nur wenige Minuten

Wer konzentriert arbeitet, merkt häufig erst nach Stunden, wie lange der Körper unbewegt geblieben ist.

Deshalb können kleine feste Auslöser helfen.

Nach einem längeren Meeting folgt beispielsweise ein kurzer Gang. Beim Telefonieren wird aufgestanden. Nach Abschluss einer grösseren Aufgabe werden Schultern und Rücken kurz bewegt.

Ein Timer kann ebenfalls funktionieren.

Es geht nicht darum, den Arbeitsfluss ständig zu unterbrechen. Ziel ist vielmehr, lange statische Phasen zu vermeiden.

Eine kleine Bewegungspause kann aus wenigen einfachen Aktionen bestehen:

  • aufstehen und einige Schritte gehen;
  • Schultern langsam vor- und zurückrollen;
  • Arme nach oben strecken;
  • Hüfte und Oberkörper vorsichtig bewegen;
  • kurz ans Fenster oder nach draussen gehen.

Besonders wertvoll ist der letzte Punkt: Der kurze Gang entlastet gleichzeitig Augen, Kopf und Rücken.

Homeoffice am Küchentisch: auf Dauer häufig unbequem

Ein Laptop auf dem Esstisch funktioniert für eine Stunde erstaunlich gut.

Wer dort jeden Tag arbeitet, merkt jedoch schnell die Grenzen.

Tischhöhe und Stuhl wurden nicht für Bildschirmarbeit gewählt. Häufig steht das Notebook tief, die Schultern werden nach vorne gezogen und die Füsse finden keine stabile Position.

Bereits kleine Veränderungen können helfen.

Ein externer Monitor ist ideal. Alternativ kann der Laptop erhöht werden, sofern eine externe Tastatur und Maus vorhanden sind.

Fehlt ein Bürostuhl, kann ein relativ stabiler Stuhl besser funktionieren als ein weicher Esszimmer- oder Loungesessel.

Ein kleines Kissen im Bereich des unteren Rückens kann von manchen Menschen als angenehm empfunden werden.

Vor allem sollte das Homeoffice nicht bedeuten, dass jeder Weg entfällt.

Im Büro gibt es den Gang zum Sitzungszimmer, zur Kaffeemaschine oder zu einem Kollegen. Zu Hause liegen Laptop, Küche und Badezimmer oft wenige Meter auseinander.

Deshalb muss Bewegung dort teilweise bewusster eingeplant werden.

Nach Feierabend zählt der Rest des Tages

Ein ergonomischer Arbeitsplatz kann acht Stunden Sitzen nicht vollständig kompensieren.

Der Rücken profitiert deshalb von einem aktiven Alltag.

Schon regelmässiges Gehen ist wertvoll. Ein Spaziergang nach dem Mittagessen oder am Abend lässt sich meist leichter dauerhaft umsetzen als ein komplizierter Trainingsplan.

Treppen, Einkäufe zu Fuss oder mit dem Velo und kurze Wege ohne Auto summieren sich über die Woche.

Wer gerne trainiert, kann zusätzlich Kraft aufbauen.

Eine belastbare Rückenregion besteht nicht allein aus den Muskeln direkt neben der Wirbelsäule. Bauch, Gesäss, Beine und Hüften tragen ebenfalls dazu bei, Bewegungen und Belastungen zu kontrollieren.


Spazierengehen gehört zu den einfachsten Möglichkeiten, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Für einen aktiven Rücken muss nicht jede Bewegungseinheit im Fitnessstudio stattfinden.

Welche Übungen sind bei Rückenschmerzen sinnvoll?

Pauschale Übungsprogramme haben Grenzen.

Ein Mensch mit etwas steifem Rücken nach einem langen Bürotag braucht etwas anderes als jemand mit Schmerzen, die bis in den Fuss ausstrahlen.

Bei unkomplizierten, wiederkehrenden Rückenschmerzen haben sich besonders Kräftigungs- und Stabilisierungsprogramme bewährt.

Sie können beispielsweise Übungen für Bauch, Rücken, Hüfte und Gesäss enthalten.

Entscheidend ist, dass Bewegungen individuell verträglich bleiben.

Leichter Muskelkater oder eine vorübergehende leichte Zunahme von Beschwerden bedeutet nicht automatisch, dass eine Übung schädlich ist. Stark zunehmende Schmerzen, neu auftretende Taubheitsgefühle oder Muskelschwäche gehören dagegen abgeklärt.

Bei Unsicherheit kann eine Physiotherapie helfen, einen passenden Einstieg zu finden.


Bei wiederkehrenden oder länger anhaltenden Beschwerden kann gezieltes Training sinnvoll sein. Physiotherapeutische Fachpersonen können Übungen an Beweglichkeit, Kraft und individuelle Beschwerden anpassen.

Video: Was bei starken Rückenschmerzen wirklich sinnvoll ist



Das deutschsprachige Video von SRF Wissen beschäftigt sich ausführlich mit Hexenschuss, Bandscheibenvorfällen und möglichen Behandlungen bei Rückenschmerzen. Fachpersonen erklären unter anderem, wann Beschwerden medizinisch abgeklärt werden sollten und warum Bewegung eine wichtige Rolle spielt. Zudem werden praktische Übungsansätze gezeigt. Das Video stammt vom offiziellen Schweizer SRF-Kanal auf YouTube und ist für ein Publikum in der Schweiz vorgesehen.

Wärme kann angenehm sein

Bei einem verspannten Rücken empfinden viele Menschen Wärme als wohltuend.

Eine Wärmflasche, ein Wärmekissen oder eine warme Dusche können ausprobiert werden, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen.

Die Wirkung ist vor allem symptomatisch.

Wärme „repariert“ keine Bandscheibe und richtet auch keine Wirbel neu aus. Sie kann aber dazu beitragen, dass sich ein verspannter Bereich angenehmer anfühlt und Bewegung leichter fällt.

Bei akuten Rückenschmerzen ist eine solche einfache Massnahme oft sinnvoller als der Versuch, möglichst viele passive Therapien gleichzeitig einzusetzen.

Schmerzmittel sind Unterstützung, keine Dauerlösung

Starke Schmerzen können Bewegung erschweren.

Kurzzeitig können bestimmte Schmerzmittel helfen, den Alltag wieder besser zu bewältigen. Welches Mittel geeignet ist, hängt jedoch von Vorerkrankungen, anderen Medikamenten und individuellen Risiken ab.

Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen sind beispielsweise nicht für jeden Menschen geeignet. Magen-Darm-Erkrankungen, Nierenprobleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangerschaft oder bestimmte Medikamente können gegen eine Einnahme sprechen.

Deshalb gilt besonders bei wiederholter oder längerer Anwendung: mit Arzt oder Apotheke abklären.

Bei chronischen Rückenschmerzen sollten Medikamente nicht die einzige Strategie sein.

Bewegung und aktives Selbstmanagement bleiben wesentlich.

Massage kann entspannen, ersetzt aber Bewegung nicht

Massage wird bei verspannten Muskeln häufig als angenehm empfunden.

Sie kann kurzfristig entspannen und Beschwerden lindern.

Eine dauerhafte Lösung ist sie allein jedoch selten.

Wenn der Alltag danach wieder aus langen unbewegten Sitzphasen besteht, wird die Ursache der Belastung nicht verändert.

Massage kann deshalb eine Ergänzung sein. Der Schwerpunkt sollte bei wiederkehrenden unspezifischen Beschwerden langfristig auf Bewegung, Kraft und einem abwechslungsreichen Alltag liegen.

Dasselbe gilt für viele andere passive Angebote.

Ein Rücken muss nicht regelmässig „gerichtet“ werden, um gesund zu bleiben.

Ein MRT ist bei gewöhnlichem Rückenschmerz meist nicht der erste Schritt

Bei starken Schmerzen liegt die Vermutung nahe, dass eine Aufnahme der Wirbelsäule endlich Klarheit bringen könnte.

Das funktioniert bei unspezifischen Rückenschmerzen jedoch oft nicht.

MRT-Bilder zeigen auch bei völlig beschwerdefreien Menschen Veränderungen an Bandscheiben und Wirbeln.

Mit zunehmendem Alter werden solche Befunde häufiger.

Ein sichtbarer Befund ist deshalb nicht automatisch die Schmerzursache.

Bildgebung ist vor allem sinnvoll, wenn Symptome oder Untersuchungsergebnisse einen konkreten Verdacht ergeben oder Beschwerden trotz angemessener Behandlung nicht besser werden.

Bei unkomplizierten akuten Kreuzschmerzen ist ein sofortiges MRT normalerweise nicht nötig.

Bandscheibenvorfall bedeutet nicht automatisch Operation

Auch die Diagnose Bandscheibenvorfall führt häufig zu unnötiger Angst.

Bandscheibenveränderungen können völlig beschwerdefrei vorhanden sein.

Drückt Bandscheibengewebe auf einen Nerv, können allerdings typische Ischiasschmerzen entstehen. Schmerzen ziehen dann häufig über Gesäss und Bein nach unten. Kribbeln oder Taubheitsgefühle können hinzukommen.

Auch in solchen Fällen ist nicht automatisch eine Operation nötig.

Bei vielen Betroffenen bessern sich die Beschwerden innerhalb einiger Wochen unter konservativer Behandlung.

Entscheidend wird die Situation, wenn deutliche neurologische Ausfälle auftreten.

Diese Warnzeichen gehören rasch abgeklärt

Die meisten Rückenschmerzen sind harmlos. Einige Symptome dürfen jedoch nicht als gewöhnliche Verspannung abgetan werden.

Rasche medizinische Abklärung ist besonders wichtig bei:

  • neu auftretenden Lähmungserscheinungen oder deutlicher Muskelschwäche im Bein;
  • Problemen mit der Kontrolle von Blase oder Darm;
  • Taubheitsgefühl im Bereich von Genitalien oder Gesäss;
  • starken Rückenschmerzen nach einem schweren Unfall;
  • Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit Rückenschmerzen;
  • unerklärlichem Gewichtsverlust;
  • starken Schmerzen, die sich unabhängig von Bewegung und Haltung nicht verändern;
  • deutlich zunehmenden neurologischen Beschwerden.

Auch bekannte Osteoporose, schwere Grunderkrankungen oder eine längerfristige Einnahme bestimmter Medikamente können die medizinische Einschätzung verändern.

Wann ein normaler Arzttermin sinnvoll ist

Nicht jeder Rückenschmerz verlangt einen Notfalltermin.

Eine reguläre ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Beschwerden ungewöhnlich stark sind, immer wiederkehren, über Wochen kaum besser werden oder den Alltag zunehmend einschränken.

Auch deutliche Ausstrahlung ins Bein, wiederkehrendes Kribbeln oder Taubheit sollten besprochen werden.

Dabei beginnt eine gute Untersuchung nicht zwingend mit einem MRT.

Gespräch und körperliche Untersuchung liefern bereits viele wichtige Hinweise.

Wo genau liegt der Schmerz? Welche Bewegung verstärkt ihn? Gibt es neurologische Beschwerden? Bestehen Vorerkrankungen? Gab es einen Unfall?

Auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, ob weitere Diagnostik erforderlich ist.

Stress kann den Rücken tatsächlich beeinflussen

Rückenschmerzen sind kein rein mechanisches Problem.

Stress, Schlafmangel, Sorgen und psychische Belastung können beeinflussen, wie stark Schmerzen wahrgenommen werden und wie lange Beschwerden bestehen bleiben.

Das bedeutet keineswegs, dass Schmerzen „nur psychisch“ wären.

Das Nervensystem verarbeitet körperliche Signale immer im Kontext der gesamten Situation.

Wer schlecht schläft, unter hoher Anspannung steht und gleichzeitig körperlich kaum aktiv ist, hat andere Voraussetzungen als jemand mit guter Erholung und regelmässiger Bewegung.

Bei chronischen Rückenschmerzen gehört deshalb ein breiter Blick zur Behandlung.

Bewegung, Schlaf, Stressmanagement, Arbeitsplatz und psychische Faktoren können zusammen relevanter sein als die Suche nach einer einzigen vermeintlich kaputten Struktur.

Der Alltag ist wichtiger als die perfekte Rückenübung

Wer jeden Dienstag eine Stunde Rückentraining absolviert, aber den Rest der Woche nahezu vollständig sitzt, verschenkt Potenzial.

Gesunde Bewegung verteilt sich besser über die Woche.

Eine realistische Routine für Menschen mit Bildschirmarbeit könnte beispielsweise so aussehen:



Das muss nicht exakt so aussehen.

Entscheidend ist, dass aus Bewegung keine seltene Sonderveranstaltung wird.

Fünf häufige Irrtümer über Rückenschmerzen

„Bei Schmerzen sollte möglichst wenig bewegt werden.“
Bei unkomplizierten unspezifischen Rückenschmerzen gilt meist das Gegenteil. Aktivität im verträglichen Rahmen ist sinnvoll.

„Es gibt eine perfekte Sitzhaltung.“
Keine Position ist für stundenlanges starres Verharren ideal. Abwechslung ist wichtiger.

„Starke Schmerzen bedeuten einen schweren Schaden.“
Die Schmerzintensität und das Ausmass einer strukturellen Veränderung stimmen nicht zuverlässig überein.

„Ein Bandscheibenvorfall muss operiert werden.“
Viele Bandscheibenbeschwerden bessern sich ohne Operation. Bei bestimmten neurologischen Warnzeichen kann eine Operation allerdings dringend nötig werden.

„Mit Sport lässt sich acht Stunden Sitzen erledigen.“
Training ist wertvoll, trotzdem sollten lange Sitzphasen über den gesamten Arbeitstag immer wieder unterbrochen werden.

Ein einfacher Plan für den nächsten Bürotag

Für einen rückenfreundlicheren Arbeitstag braucht es keine komplette Neueinrichtung.

Schon am nächsten Morgen lassen sich einige Punkte kontrollieren:

  • stehen beide Füsse stabil?
  • kann die Rückenlehne tatsächlich genutzt werden?
  • liegt die Tastatur nah genug, damit die Schultern locker bleiben?
  • steht die Maus direkt neben der Tastatur?
  • ist der Bildschirm ohne Vorbeugen gut lesbar?
  • steht der Hauptmonitor frontal?
  • kann mindestens ein Teil des Tages im Stehen gearbeitet werden?
  • gibt es feste Auslöser für kurze Bewegungspausen?

Der letzte Punkt ist häufig wichtiger als der teuerste Bürostuhl.

Ein belastbarer Rücken braucht Bewegung statt Perfektion

Rückenschmerzen können sehr unangenehm sein, sind aber in den meisten Fällen kein Zeichen dafür, dass der Rücken grundsätzlich beschädigt ist.

Gerade unspezifische Beschwerden profitieren häufig von einem aktiven Umgang.

Im Büro bedeutet das: nicht stundenlang dieselbe Position halten, Arbeitsplatz passend einstellen, Bildschirm und Eingabegeräte sinnvoll platzieren und Bewegung über den ganzen Tag verteilen.

Im privaten Alltag gilt dasselbe Prinzip. Gehen, Krafttraining, Sport und normale Alltagsaktivitäten helfen dabei, den Körper belastbar zu halten.

Wärme, Massage oder vorübergehend Schmerzmittel können Beschwerden lindern. Sie ersetzen jedoch keine langfristig aktive Strategie.

Ebenso wichtig ist die andere Seite: Warnzeichen nicht ignorieren. Neue Lähmungserscheinungen, Störungen von Blase oder Darm, Taubheit im Intimbereich, Fieber oder andere auffällige Begleitsymptome gehören rasch medizinisch abgeklärt.

Für den gewöhnlichen schmerzenden Büro- oder Alltagsrücken bleibt dagegen eine erstaunlich einfache Botschaft: Bewegung muss nicht perfekt sein. Sie muss vor allem regelmässig stattfinden.

 

Bildquellen: Titelbild: Adobe Stock/New Africa; Bild 1: Adobe Stock/DimaBerlin; Bild 2: Adobe Stock/Drobot Dean; Bild 3: Adobe Stock/andreaobzerova

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