Velodiebstahl verhindern: So schützen Schloss, Abstellort und Registrierung das Velo

Ein gutes Veloschloss ist wichtig, reicht allein aber nicht aus. Wirksamer Diebstahlschutz entsteht durch mehrere aufeinander abgestimmte Massnahmen: Der Rahmen wird mit einem widerstandsfähigen Schloss an einer festen Halterung angeschlossen, der Abstellort sorgfältig gewählt und das Velo mit Rahmennummer, Fotos und Kaufbeleg dokumentiert. Bei hochwertigen Velos und E-Bikes kommen ein zweites Schloss, gesicherte Komponenten und allenfalls ein versteckter Tracker hinzu.

In der Schweiz werden jedes Jahr Zehntausende Velos und E-Bikes als gestohlen gemeldet. Betroffen sind teure Modelle ebenso wie einfache Alltagsvelos. Einen vollständigen Schutz gibt es nicht, doch jede zusätzliche Hürde kostet Zeit, verlangt anderes Werkzeug und erhöht das Entdeckungsrisiko. Entscheidend ist deshalb kein einzelnes Produkt, sondern eine konsequente Sicherungsroutine für Bahnhof, Arbeitsplatz, Schule, Wohnhaus und Ferien.

Warum Abschliessen und Anschliessen nicht dasselbe sind

Ein abgeschlossenes Velo kann trotzdem innerhalb weniger Sekunden weggetragen und an einem ruhigeren Ort aufgebrochen werden. Das gilt auch für ein Modell mit einem stabilen Rahmen- oder Bügelschloss. Die wichtigste Grundregel lautet deshalb: Das Velo wird nicht bloss abgeschlossen, sondern an einem fest verankerten Gegenstand angeschlossen.

Der Sicherungspunkt muss stabiler sein als das Schloss. Dünne Maschendrahtzäune, lose Metallbügel, kleine Verkehrsschilder oder abschraubbare Pfosten bieten wenig Schutz. Geeignet sind fest montierte Velobügel, massive Geländer oder zugelassene Boden- und Wandanker. Das Schloss darf sich nicht nach oben über den Pfosten oder Bügel abstreifen lassen.

Der Rahmen gehört immer in die Verbindung. Wird ausschliesslich das Vorderrad angeschlossen, kann es ausgebaut werden, während der restliche Teil des Velos verschwindet. Bei Schnellspannachsen dauert die Demontage kaum länger als das Öffnen eines Verschlusshebels.

Eine gute Sicherung verfolgt drei Ziele: Sie erschwert das Wegtragen, verlängert die benötigte Aufbruchzeit und macht das konkrete Velo nach einem Diebstahl identifizierbar. Schloss, Abstellort und Registrierung übernehmen jeweils einen Teil dieser Aufgabe.

Kein Schloss ist unknackbar

Hersteller verwenden unterschiedliche Sicherheitsstufen, Prüfzeichen und Bewertungsskalen. Diese Angaben sind innerhalb einer Produktreihe hilfreich, lassen sich aber nicht immer direkt mit den Stufen anderer Marken vergleichen. Ein geprüftes Sicherheitsmodell aus einer unabhängigen Untersuchung bietet eine bessere Orientierung als allein eine hohe Herstellerzahl.

Auch ein starkes Schloss kann mit ausreichend Zeit, schwerem Werkzeug oder einem Akku-Winkelschleifer geöffnet werden. Gute Modelle sollen einen Angriff deshalb möglichst lange verzögern, viel Lärm verursachen und mehrere Werkzeuge erfordern. Ein Schloss, das einen Gelegenheitsdiebstahl verhindert, kann gegen einen vorbereiteten Angriff trotzdem zu schwach sein.

Das passende Sicherheitsniveau richtet sich nach dem Wert des Velos, der Abstelldauer und dem Ort. Ein einfaches Alltagsvelo vor einem belebten Geschäft stellt andere Anforderungen als ein E-Bike, das über Nacht an einem Bahnhof steht. Gewicht und Handhabung bleiben wichtig: Ein schweres Schloss schützt nur, wenn es tatsächlich mitgeführt und bei jedem Halt verwendet wird.

Die wichtigsten Schlosstypen im Vergleich



Der Durchmesser allein bestimmt die Sicherheit nicht. Materialqualität, Härtung, Schliesszylinder, Verriegelung und Konstruktion sind ebenso wichtig. Bei Kettenschlössern müssen sowohl die Glieder als auch der Verschluss widerstandsfähig sein. Beim Bügelschloss zählt unter anderem, ob der Bügel an beiden Enden verriegelt.

Zahlenschlösser sind praktisch, weil kein Schlüssel verloren gehen kann. Bei einfachen Modellen können Mechanik und Zahlenwalzen jedoch Schwachstellen bilden. Hochwertige Zahlenschlösser sind erhältlich, sollten aber nach denselben Kriterien wie Schlüsselschlösser beurteilt werden.


Die Nahaufnahme zeigt ein massives Schloss mit Stahlbügel. Ein kleiner Innenraum lässt weniger Platz für Hebelwerkzeuge, sofern Rahmen und Verankerung gemeinsam umschlossen werden.

Das Velo richtig anschliessen

Selbst ein hochwertiges Schloss verliert einen Teil seiner Wirkung, wenn es ungünstig angebracht wird. Der Bügel oder die Kette sollte den Rahmen und den festen Sicherungspunkt möglichst eng verbinden. Je weniger freier Raum im Schloss bleibt, desto schwieriger lassen sich Wagenheber, Stangen oder andere Hebelwerkzeuge ansetzen.

Das Schloss sollte nicht auf dem Boden liegen. Ein harter Untergrund kann sonst als Auflage für Hammer- oder Meisselschläge dienen. Günstiger ist eine Position innerhalb des Rahmendreiecks oder in ausreichender Höhe am Velobügel. Der Schliesszylinder zeigt nach Möglichkeit nach unten oder in eine schwer zugängliche Richtung.

Eine sinnvolle Grundtechnik besteht darin, Rahmen und Hinterrad an einem festen Bügel anzuschliessen. Das Hinterrad ist häufig wertvoller als das Vorderrad und lässt sich je nach Rahmengeometrie zusammen mit dem Rahmen erfassen. Das Vorderrad wird bei Bedarf mit einem zweiten Schloss oder einem Sicherungskabel geschützt.

Dabei dürfen Bremsschläuche, Schaltzüge und empfindliche Leitungen eines E-Bikes nicht eingeklemmt werden. Das Schloss sollte auch nicht so geführt sein, dass es Speichen, Bremsscheiben oder den Akkuanschluss beschädigt.

Zwei Schlösser erhöhen den Aufwand

Bei hochwertigen Velos, längeren Abstellzeiten und exponierten Standorten ist eine Kombination aus zwei unterschiedlichen Schlosstypen sinnvoll. Ein massives Bügelschloss kann den Rahmen mit dem Ständer verbinden, während eine gehärtete Kette das zweite Laufrad sichert.

Unterschiedliche Konstruktionen können verschiedene Werkzeuge oder Angriffstechniken erfordern. Dadurch steigt der Zeitaufwand. Zugleich lassen sich beide Räder und der Rahmen erfassen, ohne ein übergrosses Hauptschloss verwenden zu müssen.

Die Kombination muss alltagstauglich bleiben. Ein schweres Kettenschloss kann am Zielort deponiert werden, wenn regelmässig derselbe Abstellplatz genutzt wird. Das leichtere Zweitschloss bleibt am Velo. Am Arbeitsplatz oder in einem privaten Veloraum kann ein fest installierter Wand- oder Bodenanker die Sicherung vereinfachen.

Ein dünnes Kabel macht aus einem schwachen Hauptschloss allerdings kein starkes System. Die wichtigste Verbindung zwischen Rahmen und festem Gegenstand benötigt immer das widerstandsfähigste Schloss.

Der Abstellort entscheidet mit

Diebe bevorzugen Bedingungen, unter denen sie ungestört arbeiten oder ein Velo unauffällig wegtragen können. Ein gut einsehbarer Standort mit regelmässigem Personenverkehr kann deshalb günstiger sein als eine abgelegene Ecke. Menschen in der Umgebung bieten jedoch keine Garantie: In geschäftigen Bereichen fallen manipulierte Schlösser nicht zwangsläufig auf.

Bei Dunkelheit sind Beleuchtung und Übersicht wichtig. Der gewählte Platz sollte von Gebäuden, Haltestellen oder Zugängen aus sichtbar sein. Verdeckte Nischen, schlecht beleuchtete Hinterhöfe und frei zugängliche Unterführungen erleichtern längere Aufbruchversuche.

Eine Videoüberwachung kann bei der Aufklärung helfen und abschreckend wirken. Sie ersetzt das Anschliessen nicht. Kameras können einen ungünstigen Winkel besitzen, Gesichter nicht erkennbar abbilden oder Aufzeichnungen nur begrenzte Zeit speichern.

Am Bahnhof bieten bediente oder zugangskontrollierte Velostationen meist bessere Bedingungen als frei zugängliche Aussenflächen. Trotzdem bleibt das Schloss erforderlich. Auch innerhalb eines geschlossenen Bereichs können unberechtigte Personen Zugang erhalten oder andere Velos entwendet werden.

Der Stellplatz darf keine Fluchtwege, Trottoirs, Hauseingänge oder taktilen Leitsysteme blockieren. Ein unerlaubt abgestelltes Velo kann von der zuständigen Stelle entfernt werden. Fehlt das Velo, sollte deshalb zuerst geprüft werden, ob eine behördliche oder betriebliche Räumung stattgefunden hat.


Die überdachte Anlage an einem niederländischen Bahnhof bündelt zahlreiche Velos an einem gut sichtbaren Standort. Auch in einer solchen Parkierung bleibt das Anschliessen des Rahmens notwendig.

Keller, Garage und gemeinsamer Veloraum

Ein geschlossener Raum schützt nur dann wirksam, wenn Türen, Fenster und Zugangssysteme zuverlässig gesichert sind. Gemeinschaftliche Veloräume können ein attraktives Ziel darstellen, weil darin mehrere Velos konzentriert und Arbeiten von aussen kaum sichtbar sind.

Auch im Keller oder in der Garage sollte ein wertvolles Velo an einem massiven Anker befestigt werden. Der Anker muss fachgerecht in einem tragfähigen Bauteil montiert sein. Eine Verschraubung in einer dünnen Holzplatte oder einem schwachen Mauerteil lässt sich zusammen mit dem Schloss entfernen.

Zugangstüren bleiben geschlossen und werden nicht mit Keilen offengehalten. Schlüssel, Codes und elektronische Zutrittsmedien gehören nur in berechtigte Hände. Defekte Schlösser, beschädigte Türschliesser und Spuren eines Einbruchs sollten der Verwaltung oder dem Eigentümer zeitnah gemeldet werden.

Bei Mietobjekten darf ein Boden- oder Wandanker nicht ohne Zustimmung montiert werden. Alternativ kann ein schwerer, dafür vorgesehener Sicherungssockel infrage kommen. Er erschwert das Wegtragen, bietet aber meist weniger Schutz als eine feste Verankerung im Baukörper.

Besonderheiten bei E-Bikes und Lastenvelos

E-Bikes sind wegen ihres Werts und ihrer einzeln verkäuflichen Komponenten besonders interessant. Das Entfernen des Displays oder die elektronische Deaktivierung der Motorunterstützung verhindert keinen Abtransport. Mechanischer Diebstahlschutz bleibt deshalb die Grundlage.

Ein entnehmbarer Akku wird bei längeren Aufenthalten nach Möglichkeit mitgenommen. Das werkseitige Akkuschloss erschwert eine spontane Entnahme, ist aber nicht mit einem massiven Veloschloss gleichzusetzen. Bleibt der Akku am Velo, sollten Rahmen und Akkuaufnahme keine sichtbaren Beschädigungen besitzen.

Lastenvelos lassen sich wegen ihres Gewichts weniger leicht tragen, können aber auf Anhänger oder Lieferwagen verladen werden. Eine lange, gehärtete Kette erleichtert die Verbindung des grossen Rahmens mit einer festen Verankerung. Ein zusätzliches Rahmenschloss blockiert das Hinterrad.

Elektronische Motorsperren, Bewegungsalarme und herstellerspezifische Ortungsdienste ergänzen das mechanische System. Der belmedia-Beitrag „Das E-Bike sorgenfreier abstellen: Digitaler Diebstahlschutz für das Elektrovelo“ beschreibt solche Funktionen und ihre Rolle als zusätzliche Sicherung.

Komponenten und Zubehör nicht vergessen

Manche Diebstähle betreffen lediglich einzelne Teile. Laufräder, Sattelstützen, Beleuchtung, Taschen, Navigationsgeräte und Akkus lassen sich je nach Bauart rasch entfernen. Klassische Schnellspanner erhöhen den Komfort bei einer Reparatur, erleichtern aber auch die Demontage.

Sicherheitsachsen und Spezialverschlüsse können Schnellspanner ersetzen. Sie benötigen einen codierten Schlüssel oder ein besonderes Werkzeug. Solche Systeme verzögern den Ausbau, müssen aber zum Velo und zu den vorhandenen Achsen passen.

Abnehmbare Lampen, Velocomputer und Taschen werden beim Verlassen des Velos mitgenommen. Ein Helm kann für einen kurzen Halt mit einem Zusatzkabel gesichert werden. Das dünne Kabel dient dabei dem Zubehörschutz und nicht als Hauptsicherung des Velos.

Bei Kindersitzen ist zu prüfen, ob die Halterung abschliessbar ist. Abnehmbare Sitzpolster und Zubehörteile können separat verschwinden. Familienvelos enthalten zudem häufig Regenverdecke, Anhängerkupplungen oder Transportboxen, deren Wiederbeschaffung teuer ist.

Rahmennummer, Fotos und Kaufbeleg sichern

Die Rahmennummer ist das wichtigste individuelle Identifikationsmerkmal eines Velos. Sie befindet sich je nach Hersteller unter dem Tretlager, am Sitzrohr, am Steuerrohr oder in der Nähe der Hinterradaufnahme. Bei manchen Carbonrahmen steht sie auf einem Aufkleber oder einer eingearbeiteten Plakette.

Direkt nach dem Kauf sollte die vollständige Nummer gut lesbar fotografiert und zusätzlich als Text erfasst werden. Verwechslungen zwischen Buchstaben und Ziffern fallen leichter auf, wenn Foto und Abschrift miteinander verglichen werden.

Zu einer brauchbaren Dokumentation gehören:

  • Rahmennummer sowie Marke, Modell, Rahmengrösse und Farbe
  • Fotos des gesamten Velos von beiden Seiten
  • Detailaufnahmen von Umbauten, Kratzern und besonderen Merkmalen
  • Kaufbeleg oder schriftlicher Kaufvertrag
  • Seriennummern von Akku, Motor und weiteren teuren Komponenten
  • Hersteller, Modell und Schlüsselnummer des Schlosses
  • gültige Angaben zur Versicherung und zur vereinbarten Deckung

Die Unterlagen dürfen nicht ausschliesslich in einer Tasche am Velo aufbewahrt werden. Eine digitale Kopie in einem geschützten Speicher und eine zweite Ablage zu Hause erleichtern den Zugriff nach einem Diebstahl.

Registrierung erleichtert die Zuordnung

Eine Registrierung verhindert den Diebstahl nicht. Sie kann aber die Zuordnung erleichtern, wenn ein Velo gefunden, bei einer Kontrolle sichergestellt oder zum Verkauf angeboten wird. Die Schweizerische Kriminalprävention nennt dafür private Angebote wie Velofinder und Velo-Vignette.

Vor der Anmeldung sind Geschäftsbedingungen, Datenschutz, Kosten und Gültigkeitsdauer des gewählten Dienstes zu prüfen. Eine Registrierung bei einem privaten Anbieter ersetzt weder den Kaufbeleg noch eine Anzeige bei der Polizei. Sie ist ein zusätzlicher Datensatz, der Rahmennummer und Kontaktangaben miteinander verbindet.

QR-Aufkleber oder sichtbare Registrierungsmarken können signalisieren, dass das Velo dokumentiert ist. Sie stellen jedoch kein amtliches Eigentumsdokument dar und können entfernt werden. Die eingestanzte oder dauerhaft angebrachte Rahmennummer bleibt deshalb zentral.

Beim Verkauf des Velos sollte der Datensatz ordnungsgemäss auf den neuen Eigentümer übertragen oder gelöscht werden. Veraltete Angaben können die spätere Zuordnung erschweren. Gleichzeitig erhält der Käufer einen schriftlichen Vertrag mit Rahmennummer und Kontaktdaten des Verkäufers.


Eine Radfahrerin kontrolliert ihr Smartphone neben dem Velo. Registrierungsdaten, Fotos und Ortungsinformationen sind mobil verfügbar, ersetzen aber kein festes Schloss.

Tracker und Alarmanlagen als zweite Schutzebene

Tracker können in einem Rücklicht, am Flaschenhalter, unter dem Sattel oder innerhalb eines E-Bike-Systems verborgen sein. Je nach Technik senden sie ihre Position über ein Mobilfunknetz oder nutzen Smartphones in der Umgebung. Reichweite, Aktualität und Ortungsgenauigkeit unterscheiden sich.

Ein Tracker hält den Diebstahl nicht auf. Er kann eine Spur liefern, wenn das Velo bereits bewegt wurde. Professionell handelnde Täter können Sender entdecken, abschirmen oder entfernen. Bei Systemen mit austauschbarer Batterie ist ausserdem der Ladezustand regelmässig zu kontrollieren.

Bewegungsalarme reagieren auf Erschütterungen und können Aufmerksamkeit erzeugen. In dicht belegten Veloparkierungen führen empfindliche Systeme allerdings rasch zu Fehlalarmen. Lautstärke und Empfindlichkeit sollten deshalb zum Abstellort passen.

Zeigt eine Ortung den mutmasslichen Standort eines gestohlenen Velos, gehören Positionsverlauf, Zeitangaben und Bildschirmaufnahmen zur Polizeimeldung. Eine eigenmächtige Konfrontation ist riskant. Das Betreten fremder Räume oder das Zurückholen unter Gewaltandrohung ist keine sichere Vorgehensweise.

Versicherungsschutz vor dem Diebstahl prüfen

Die Hausratversicherung deckt einen Diebstahl zu Hause je nach Police und Ereignis. Für einen einfachen Diebstahl ausserhalb des Wohnorts ist gewöhnlich eine entsprechende Zusatzdeckung erforderlich. Versicherungssumme, Selbstbehalt, Zeitwert- oder Neuwertregelung und Ausschlüsse unterscheiden sich nach Anbieter und Vertrag.

Bei einem teuren E-Bike, Rennvelo oder Mountainbike kann die allgemeine Versicherungssumme zu niedrig sein. Spezielle Velo- oder Wertsachendeckungen können höhere Werte, Beschädigung, Vandalismus oder Assistance-Leistungen einschliessen. Eine doppelte Deckung bringt jedoch keine doppelte Entschädigung.

Einige Versicherungsbedingungen verlangen ein bestimmtes Sicherheitsniveau oder den Nachweis, dass das Velo abgeschlossen war. Deshalb sind die Police und die aktuellen Versicherungsbedingungen massgeblich. Allgemeine Ratschläge ersetzen diese Prüfung nicht.

Der Beitrag „Ferientrend auf zwei Rädern hält weiter an: Versicherungsschutz bei Velos oft dürftig“ zeigt, weshalb die Deckung auch vor Ferien und längeren Veloreisen kontrolliert werden sollte.

Wenn das Velo verschwunden ist

Zuerst sollte geklärt werden, ob das Velo tatsächlich gestohlen wurde. Familienmitglieder, Verwaltung, Hauswart oder Betreiber einer Velostation können wissen, ob es umgestellt wurde. In Städten werden falsch oder langfristig abgestellte Velos teilweise durch zuständige Stellen entfernt.

Bei einem Diebstahl ist eine rasche Anzeige wichtig. In vielen Kantonen kann ein einfacher Velodiebstahl über Suisse ePolice gemeldet werden. Alternativ nimmt jeder Polizeiposten die Anzeige entgegen. Benötigt werden insbesondere Rahmennummer, Marke, Modell, Farbe, Tatort und der mutmassliche Tatzeitraum.

Zusätzlich helfen aktuelle Fotos, Kaufbeleg, besondere Merkmale und Angaben zum Schloss. Zurückgelassene Schlossteile sollten nicht unnötig angefasst oder entsorgt werden. Fotos des Abstellorts, des beschädigten Ständers und möglicher Werkzeugspuren dokumentieren die Situation.

Anschliessend wird der Schaden gemäss den Fristen und Bedingungen der Versicherung gemeldet. Die polizeiliche Geschäfts- oder Anzeigenummer, der Kaufbeleg und die Dokumentation des Velos werden häufig verlangt. Eine rasche Meldung ist besonders wichtig, wenn ein Tracker aktuelle Positionsdaten liefert.

Beim Occasionskauf genau hinsehen

Ein auffällig günstiger Preis, fehlende Schlüssel, eine entfernte Rahmennummer oder widersprüchliche Angaben zur Herkunft sind Warnzeichen. Seriöse Verkäufer können erklären, wann und wo das Velo gekauft wurde. Idealerweise liegen Kaufbeleg, Bedienungsunterlagen und sämtliche Schlüssel vor.

Der schriftliche Kaufvertrag enthält Namen und Kontaktdaten beider Parteien, Datum, Preis, Marke, Modell und Rahmennummer. Bei E-Bikes werden auch die Seriennummern von Akku und Motor dokumentiert. Vorhandene Registrierungen müssen übertragen werden.

Eine beschädigte oder unlesbar gemachte Rahmennummer ist kein gewöhnlicher Schönheitsfehler. Bei begründetem Verdacht sollte der Kauf abgebrochen und die Polizei informiert werden. Ein gutgläubiger Kauf beseitigt die Eigentumsrechte des ursprünglichen Besitzers nicht automatisch und kann erhebliche rechtliche Schwierigkeiten verursachen.

Eine alltagstaugliche Sicherungsroutine

Die wirksamste Strategie ist eine kurze Abfolge, die bei jedem Halt gleich bleibt. Sie verhindert, dass das Velo aus Zeitdruck nur am Vorderrad oder überhaupt nicht angeschlossen wird.

  1. Einen erlaubten, gut einsehbaren und beleuchteten Abstellort wählen.
  2. Stabilität und Verankerung des Velobügels kontrollieren.
  3. Rahmen und möglichst Hinterrad mit dem Hauptschloss anschliessen.
  4. Vorderrad oder Rahmen mit einem zweiten Schloss sichern.
  5. Akku, Display, Taschen, Lampen und Velocomputer mitnehmen oder separat sichern.
  6. Kontrollieren, ob das Schloss vollständig verriegelt ist und nicht auf dem Boden liegt.
  7. Bei einem E-Bike elektronische Sperre, Alarm oder Tracker aktivieren.

Für kurze Stopps gilt derselbe Grundsatz wie für lange Abstellzeiten. Viele Diebstähle benötigen nur einen kurzen unbeobachteten Moment. Ein angebautes Rahmenschloss erleichtert die schnelle Basissicherung, sollte aber durch die Verbindung mit einem festen Gegenstand ergänzt werden.



Das Video „Velojagd durch Europa – Wer stiehlt unsere Bikes?“ von SRF Impact Investigativ verfolgt die Spuren gestohlener Velos über Landesgrenzen hinweg und zeigt, wie Weiterverkauf, organisierte Strukturen und digitale Ortung zusammenspielen.


Mehrere Hürden bieten den besten Schutz

Velodiebstahl lässt sich nicht mit einer einzelnen Massnahme verhindern. Ein stabiles Schloss benötigt eine feste Verankerung, eine sorgfältige Anbringung und einen geeigneten Abstellort. Bei wertvollen Velos erhöhen zwei unterschiedliche Schlösser den Aufwand erheblich.

Im Keller, in der Garage und im gemeinschaftlichen Veloraum bleibt das Anschliessen sinnvoll. E-Bikes, Lastenvelos und Familienvelos verlangen zusätzlichen Schutz für Akku, Display, Laufräder, Kindersitz und weiteres Zubehör. Elektronische Sperren, Alarmanlagen und Tracker ergänzen die mechanische Sicherung, ersetzen sie aber nicht.

Rahmennummer, Fotos, Kaufbeleg und Registrierung werden erst nach einem Diebstahl wichtig, sollten jedoch bereits beim Kauf erfasst werden. Sie ermöglichen eine präzise Polizeianzeige, unterstützen die Versicherungsmeldung und erleichtern die Zuordnung eines wiedergefundenen Velos. Der wirksamste Schutz verbindet deshalb Verzögerung, Aufmerksamkeit und eindeutige Identifikation.

 

Bildquellen: Titelbild: Shutterstock/JJorge Elizaquibel; Bild 1: Adobe Stock/dennizn; Bild 2: Shutterstock/hans engbers; Bild 3: Shutterstock/PeopleImages

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