WG: Was Studenten, Berufseinsteiger und Eltern in der Schweiz wissen müssen
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Das Studium beginnt, die Lehrstelle ist unterschrieben, der erste Job wartet – und mit ihm der erste grosse Schritt: der Auszug aus dem Elternhaus in eine WG. Für die Betroffenen ist es Aufbruch und Freiheit. Für die Eltern ist es oft ein Wechselbad aus Stolz und Sorge. Dieser Ratgeber begleitet beide Seiten – mit allem, was es für den grossen Schritt wissen muss.
In der Schweiz ziehen junge Menschen beim Studiums- oder Berufseinstieg häufig in eine andere Stadt. Zürich, Bern, Basel, Lausanne, St. Gallen – die grossen Hochschul- und Wirtschaftszentren ziehen jedes Jahr Tausende junger Menschen an. Die günstigste und sozial bereicherndste Wohnform für den Einstieg ist fast immer die Wohngemeinschaft. Ein WG-Zimmer in Zürich kostet aktuell im Schnitt rund 700 Franken, in Bern oder Basel liegt der Durchschnitt bei 500 bis 800 Franken – deutlich weniger als eine eigene Wohnung in denselben Städten.
WG, Wohnheim oder eigene Wohnung?
Die erste Frage ist die der Wohnform. Drei Optionen stehen im Raum – mit sehr unterschiedlichen Vor- und Nachteilen:
- Wohngemeinschaft (WG): Die günstigste Option mit dem grössten sozialen Netz. Man teilt Küche, Bad und Gemeinschaftsräume, lebt aber im eigenen Zimmer. Ideal für den Einstieg: Man ist nicht allein, lernt schnell neue Menschen kennen und teilt sich Kosten für Haushalt und Einrichtung.
- Studentenwohnheim: Oft noch günstiger als eine WG, aber mit langen Wartelisten. Wichtig: Sofort nach der Zusage der Hochschule bewerben – wer wartet, wartet zu lange.
- Eigene Wohnung: Maximale Freiheit, aber deutlich höhere Kosten und oft schwieriger zu finden. Für den Berufseinstieg eher geeignet als fürs Studium.
Für die meisten ist die WG der richtige Einstieg – nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern weil das Zusammenleben mit anderen Menschen eine Lebenskompetenz ist, die man nirgendwo anders so schnell lernt.
Die WG-Suche: Wo und wie?
WG-Zimmer in Schweizer Städten sind heisspbegehrt – insbesondere zu Semesterbeginn (Februar und September) wird der Markt extrem eng. Wer zu spät sucht, hat kaum noch Chancen. Mindestens zwei bis drei Monate vor dem Einzugstermin mit der Suche beginnen.
Die wichtigsten Suchplattformen für WG-Zimmer in der Schweiz:
- Homegate.ch, Flatfox.ch, Comparis.ch: Die grossen Immobilienportale mit WG-Bereich
- WG-Zimmer.ch: Speziell auf WGs ausgerichtet
- Facebook-Gruppen: In jeder grösseren Schweizer Stadt gibt es studentische Facebook-Gruppen für WG-Suche – oft schneller als Portale
- Hochschul-Pinnwände und Intranet: Viele Hochschulen bieten eigene Wohnbörsen an – ein unterschätzter, sehr direkter Kanal
- Netzwerk aktivieren: Wer jemanden kennt, der jemanden kennt – persönliche Empfehlungen sind auf dem engen Schweizer Wohnungsmarkt Gold wert
Der Mietvertrag: Was Eltern und junge Mieter wissen müssen
Wer ein WG-Zimmer mietet, schliesst in der Schweiz fast immer einen eigenen Mietvertrag ab. Das ist gut – es schafft Klarheit. Aber es bedeutet auch: volle rechtliche Verantwortung. Eltern, die jüngere Kinder finanziell unterstützen, werden manchmal als Bürgen eingetragen. Das sollte man sich gut überlegen – eine Bürgschaft ist eine echte finanzielle Verpflichtung.
Beim Einzug wird eine Mietkaution fällig, in der Schweiz maximal drei Monatsmieten. Diese muss auf einem separaten Sperrkonto deponiert werden – nie direkt an den Vermieter zahlen. Die Kaution wird am Ende des Mietverhältnisses zurückerstattet, wenn keine Schäden vorhanden sind.
Wichtig: Bei Einzug in ein bestehendes Übergabeprotokoll des Vorzieters bestehen oder eines erstellen lassen – jeder Kratzer und jede Macke sollte dokumentiert sein. Was beim Einzug bereits beschädigt war, darf beim Auszug nicht als Schaden verrechnet werden.
Was mit dem Umzug alles neu geregelt werden muss
Der Auszug aus dem Elternhaus ist nicht nur ein logistisches Ereignis – er löst eine ganze Reihe administrativer Pflichten aus, die oft unterschätzt werden:
- Adressänderung beim Einwohneramt: In der Schweiz ist man verpflichtet, sich innerhalb von 14 Tagen nach dem Umzug am neuen Wohnort anzumelden. Das gilt auch beim Umzug innerhalb der Schweiz.
- Krankenkasse: Jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz braucht eine eigene Grundversicherung. Wer bisher über die Eltern mitversichert war, muss nun eine eigene Police abschliessen – und kann den Kanton wechseln, was oft günstigere Prämien bedeutet.
- Serafe (früher Billag): Ab dem Moment des Auszugs gilt ein eigener Serafe-Haushalt. In einer WG bezahlt nur ein Haushalt die Serafe-Gebühren – alle Mitbewohnenden zusammen. Die Gebühr beträgt aktuell 335 Franken pro Jahr.
- Privathaftpflichtversicherung: Dringend empfohlen, von manchen Vermietern sogar verlangt. Eine Privathaftpflicht schützt vor Schäden, die man Dritten gegenüber verursacht – unerlässlich im WG-Alltag.
- Hausratsversicherung: Schützt den eigenen Besitz bei Einbruch, Feuer oder Wasserschaden. In einer WG kann man sich oft eine gemeinsame Police teilen.
- AHV-Beiträge: Wer nicht erwerbstätig ist und das 20. Lebensjahr vollendet hat, muss als Nichterwerbstätiger AHV-Beiträge bezahlen – das vergessen viele Studierende.
Erstausstattung: Was wirklich gebraucht wird
Wer in eine bestehende WG einzieht, findet Küche und Bad bereits ausgestattet vor. Für das eigene Zimmer braucht es die Basics – und nicht mehr:
- Schlafen: Bett, Matratze, Bettwäsche, Kissen – das Wichtigste überhaupt
- Arbeiten: Schreibtisch, Stuhl, gute Beleuchtung – für Studium oder Homeoffice unverzichtbar
- Aufbewahren: Kleiderschrank oder Regal, Stauraum unter dem Bett nutzen
- Digitales: Laptop, stabiles WLAN – in der modernen WG Grundbedürfnis
Der Rest kommt mit der Zeit. Secondhand-Plattformen wie Ricardo.ch oder lokale Facebook-Gruppen sind eine ausgezeichnete Quelle für günstige, gute Möbel. Wer nachhaltig denken möchte, findet bei Brockhäusern oft wahre Schätze zu einem Bruchteil des Neupreises.
Für Eltern: Loslassen und trotzdem begleiten
Der Auszug des Kindes ist für viele Eltern ein emotionaler Moment. Das Haus wird stiller, der Alltag verändert sich. Gleichzeitig ist es ein Zeichen, dass die Erziehung funktioniert hat: Das Kind ist bereit, selbstständig zu leben.
Was Eltern konkret tun können:
- Beim Umzug helfen – nicht übernehmen: Präsenz zeigen, aber das Kind entscheiden lassen
- Administratives gemeinsam durchgehen: Krankenkasse, Versicherungen, Anmeldung – einmalig zusammen erledigen, dann loslassen
- Finanzieller Rahmen klären: Wer zahlt was? WG-Miete, Lebenshaltungskosten, Krankenkasse – klare Absprachen vermeiden spätere Konflikte
- Erreichbar bleiben, aber nicht drängen: Wöchentlicher Anruf ist schön. Täglich nachfragen ist Kontrolle.
Video-Tipp: Erste eigene Wohnung – Checkliste für den grossen Schritt
Wer den Auszug strukturiert angehen möchte, dem empfehlen wir dieses aktuelle Video aus dem Jahr 2025, das alle wichtigen Punkte rund um Mietvertrag, Kosten und Erstausstattung kompakt zusammenfasst:
Fazit
Der Einzug in eine WG ist einer der prägendsten Schritte im Leben junger Menschen – und er gelingt umso besser, je früher man sich vorbereitet. Wer rechtzeitig sucht, die administrativen Pflichten kennt und die Erstausstattung realistisch plant, startet entspannt in den neuen Lebensabschnitt. Für Eltern gilt: Der beste Beitrag ist nicht die perfekt ausgestattete Wohnung – sondern das Vertrauen, dass das Kind es kann.
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