Mäusebussard: Der vielseitige Jäger über Feldern und Wäldern

Reglos sitzt er auf einem Zaunpfahl und beobachtet die Wiese. Dann stösst er sich ab, gleitet über den Boden und greift zu. Der Mäusebussard gehört zu den Greifvögeln, die sich besonders gut beobachten lassen.

Sie entdecken ihn an Waldrändern, über Feldern oder entlang von Strassen. Häufig verrät ihn bereits sein Ruf, der an das Miauen einer Katze erinnert.

In der Schweiz ist der Mäusebussard der häufigste Greifvogel. Rund 15’000 bis 20’000 Brutpaare leben hier. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick. Kaum eine andere heimische Greifvogelart zeigt eine vergleichbare Vielfalt an Gefiederfarben. Manche Tiere erscheinen beinahe weiss, andere dunkelbraun. Dazwischen liegen zahlreiche Abstufungen.

Mäusebussard im Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Buteo buteo
  • Ordnung: Greifvögel
  • Familie: Habichtartige
  • Körperlänge: etwa 46 bis 58 Zentimeter
  • Flügelspannweite: etwa 110 bis 135 Zentimeter
  • Gefieder: von fast weiss bis dunkelbraun
  • Nahrung: vor allem Mäuse und andere Kleinsäuger
  • Lebensraum: offene Landschaften mit Bäumen, Feldgehölzen und Waldrändern
  • Jagdweise: überwiegend Ansitzjagd
  • Brut: gewöhnlich zwei bis drei Eier
  • Zugverhalten: Standvogel oder Kurzstreckenzieher
  • Beobachtungszeit: ganzjährig

Woran erkennen Sie einen Mäusebussard?

Ein Mäusebussard wirkt kompakt und kräftig. Sein Hals ist kurz, die Flügel sind breit und der vergleichsweise kurze Schwanz wird im Flug meist fächerförmig ausgebreitet. Beim Kreisen hält der Vogel seine Flügel häufig leicht angehoben. Aufsteigende Warmluft trägt ihn dabei fast ohne Flügelschläge in die Höhe.

Die Färbung allein reicht zur Bestimmung kaum aus. Mäusebussarde kommen in hellen, mittleren und dunklen Farbvarianten vor. Diese werden als Morphen bezeichnet. Die Oberseite ist meist braun. Auf der Unterseite können helle Flecken, dunkle Bänder oder eine markante Zeichnung im Brustbereich auftreten. Der Schwanz ist grau bis graubraun und trägt mehrere schmale Querbinden.

Weibchen werden im Durchschnitt etwas grösser und schwerer als Männchen. Anhand des Gefieders lassen sich die Geschlechter jedoch kaum unterscheiden. Hilfreicher sind Körperbau, Flügelform, Schwanz und Flugweise.


Breite Flügel und ein kurzer, abgerundeter Schwanz prägen das Flugbild des Mäusebussards. Beim Kreisen hält er die Flügel häufig leicht V-förmig nach oben. Der Rotmilan ist dagegen an seinem deutlich gegabelten Schwanz zu erkennen.

Ein Ruf wie das Miauen einer Katze

Oft hören Sie den Mäusebussard, bevor Sie ihn sehen. Sein lang gezogener Ruf klingt ungefähr wie «hii-äääh» und erinnert überraschend deutlich an eine Katze. Besonders häufig ist er während der Balzzeit im Frühjahr zu hören.

Dann kreisen die Vögel über ihrem Revier und zeigen auffällige Flugmanöver. Mit ihren Rufen halten sie Kontakt und machen Artgenossen deutlich, dass das Gebiet bereits besetzt ist. Auch junge Bussarde rufen häufig, wenn sie den Horst verlassen haben und weiterhin von ihren Eltern versorgt werden.

Wo lebt der Mäusebussard?

Der Mäusebussard benötigt einen geschützten Platz zum Brüten und offene Flächen für die Jagd. Passende Bedingungen findet er in abwechslungsreichen Landschaften mit Wiesen, Äckern, Feldgehölzen und Waldrändern. Auch Baumgruppen, Alleen und einzelne hohe Bäume können als Brutplatz dienen.

Geschlossene Wälder bieten zu wenig freie Jagdfläche. Vollständig ausgeräumte Agrarlandschaften ohne Bäume und Hecken besitzen dagegen kaum geeignete Nistmöglichkeiten. Der Greifvogel profitiert daher von einem Wechsel zwischen Gehölzen und offenem Gelände.

Inzwischen kommt er ebenfalls am Rand von Städten und in grösseren Grünanlagen vor. Entscheidend sind ein ausreichendes Nahrungsangebot, geeignete Horstbäume und möglichst ungestörte Rückzugsorte.

Geduldiger Jäger mit scharfem Blick

Bei der Jagd setzt der Mäusebussard häufig auf Geduld. Von einem Pfahl, einem Ast oder einem Mast aus überblickt er die Umgebung. Entdeckt er eine Beute, fliegt er auf und greift sie am Boden. Diese Methode wird als Ansitzjagd bezeichnet.

Daneben sucht der Greifvogel im niedrigen Suchflug nach Nahrung oder kreist in der Thermik über offenen Flächen. Den für Turmfalken typischen Rüttelflug nutzt er seltener. Bei starkem Wind lässt sich ein ähnliches Verhalten gelegentlich dennoch beobachten.

Seine Augen erfassen Bewegungen über grosse Entfernungen. Die kräftigen Fänge dienen dazu, Beutetiere zu greifen und zu töten. Mit dem gebogenen Schnabel zerteilt der Bussard seine Nahrung anschliessend.


Pfähle, Äste und Masten dienen dem Mäusebussard als Jagdwarten. Von dort beobachtet er den Boden und startet einen kurzen Angriffsflug, sobald er eine Maus oder ein anderes Beutetier entdeckt.

Was frisst ein Mäusebussard?

Der Name weist bereits auf seine bevorzugte Nahrung hin. Wühlmäuse und andere kleine Säugetiere stehen weit oben auf dem Speiseplan. Wie viel Nahrung ein Bussard findet, hängt stark vom jeweiligen Mäusebestand und vom Zustand der Landschaft ab.

Mäusebussarde sind anpassungsfähig. Zu ihrer Nahrung gehören:

  • Wühlmäuse und andere Kleinsäuger
  • Maulwürfe
  • Amphibien
  • kleine Reptilien
  • Regenwürmer
  • grössere Insekten
  • gelegentlich kleine Vögel
  • Aas

Vor allem im Winter gewinnt Aas an Bedeutung. Deshalb sitzen Mäusebussarde häufig auf Bäumen oder Pfosten entlang von Strassen. Dort finden sie überfahrene Tiere, geraten dabei jedoch selbst in Gefahr. Fliegt ein Bussard direkt vor einem herannahenden Fahrzeug auf, kann es zu einer Kollision kommen.

Seine Mäusejagd kann auch der Landwirtschaft zugutekommen. Sitzstangen auf offenen Feldern erleichtern ihm den Überblick und unterstützen die natürliche Regulierung von Wühlmäusen.


Wiesen und Felder bieten dem Mäusebussard gute Jagdmöglichkeiten. Neben Mäusen erbeutet er unter anderem Amphibien, Reptilien und grössere Insekten. Im Winter nimmt er häufiger Aas auf.

Mäusebussard erkennen: Gefieder, Flugbild und Ruf im Video

Das Gefieder des Mäusebussards kann von fast weiss bis dunkelbraun reichen. Für eine sichere Bestimmung sind deshalb Körperbau, Flügelform, Schwanz und Stimme entscheidender als die Farbe. Das Video von BirdLife Österreich stellt den Greifvogel anhand von Bildern und Tonaufnahmen vor. Achten Sie besonders auf den gedrungenen Körper, die breiten Flügel, den kurzen Schwanz und den lang gezogenen Ruf, der an das Miauen einer Katze erinnert.



Balz, Horstbau und Aufzucht

Im Frühjahr beginnt die Fortpflanzungszeit. Während der Balz kreisen die Bussarde über ihrem Revier, steigen auf und lassen sich wieder fallen. Begleitet werden diese Flugmanöver von ihren charakteristischen Rufen.

Den Horst errichtet das Paar meist hoch in einem Baum am Waldrand, in einem Feldgehölz oder in einer ruhigen Baumgruppe. Als Baumaterial dienen Äste und Zweige. Das Innere wird unter anderem mit Gras, Laub oder Moos ausgelegt. Vorhandene Horste können in späteren Jahren erneut genutzt und ausgebessert werden.

Das Weibchen legt gewöhnlich zwei bis drei Eier. Nach ungefähr einem Monat schlüpfen die Jungen. Die Eltern versorgen sie mit Beutestücken und schützen sie vor Kälte, Nässe und möglichen Feinden.

Nach mindestens sechs Wochen verlassen die jungen Bussarde den Horst. Sicher fliegen können sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht immer. Manche landen zunächst unbeholfen auf einem benachbarten Ast oder in einem anderen Baum. Diese Jungvögel sind normalerweise nicht verlassen. Die Eltern halten sich weiterhin in der Nähe auf und bringen Nahrung.

Standvogel und Wintergast zugleich

Viele in Mitteleuropa brütende Mäusebussarde bleiben das ganze Jahr in ihrem Gebiet. Sie zählen damit zu den Standvögeln. Andere ziehen über kürzere Distanzen. Vor allem Vögel aus Nord- und Nordosteuropa weichen im Herbst in Regionen mit milderen Wintern aus.

In der kalten Jahreszeit kommen deshalb zusätzliche Mäusebussarde in die Schweiz. Bei starkem Frost und einer geschlossenen Schneedecke wird die Nahrungssuche schwieriger. Mäuse bleiben unter dem Schnee verborgen und gefrorene Böden erschweren die Suche nach Regenwürmern. Unter solchen Bedingungen ziehen einzelne Bussarde weiter nach Südwesten.

Mäusebussard oder Rotmilan?

Mäusebussard und Rotmilan lassen sich aus grosser Entfernung leicht verwechseln. Beide kreisen über offenen Landschaften und suchen dort nach Nahrung. Einige Merkmale helfen bei der Unterscheidung. Weitere heimische Arten und ihre typischen Flugmerkmale zeigt der Beitrag «Greifvögel erkennen und unterscheiden» auf tierwelt.news.

Der Rotmilan besitzt längere und schmalere Flügel sowie einen deutlich gegabelten Schwanz. Im Flug wirkt er leichter und wendiger. Seine rostrote Färbung fällt bei guten Lichtverhältnissen ebenfalls auf.

Der Mäusebussard erscheint gedrungener. Seine Flügel sind breiter, der Schwanz ist kürzer und abgerundet. Er jagt häufig von einer festen Warte aus, während der Rotmilan längere Zeit über der Landschaft segelt.

Auch der Wespenbussard kann ähnlich aussehen. Er besitzt jedoch einen schmaleren Kopf, einen längeren Schwanz und eine andere Bänderung. Als Zugvogel hält er sich hauptsächlich während der warmen Monate in Mitteleuropa auf. Seine Nahrung besteht zu einem grossen Teil aus Wespen und deren Larven.

Weshalb Krähen Bussarde verfolgen

Wer den Himmel aufmerksam beobachtet, sieht gelegentlich, wie Krähen einen Mäusebussard bedrängen. Sie fliegen dicht an ihn heran, rufen laut und versuchen, ihn aus ihrem Revier zu vertreiben. Dieses Verhalten wird als Hassen oder Mobbing bezeichnet.

Krähen betrachten grössere Greifvögel als mögliche Gefahr für ihren Nachwuchs. Häufig schliessen sich mehrere Vögel zusammen. Der Bussard weicht den Angriffen aus oder verlässt das Gebiet. Dass kleinere Vögel gemeinsam gegen einen grösseren Greifvogel vorgehen, lässt sich bei verschiedenen Arten beobachten.

Sind Mäusebussarde für Menschen gefährlich?

Normalerweise halten Mäusebussarde Abstand zu Menschen. In seltenen Fällen verteidigen Elternvögel jedoch den Bereich um ihren Horst oder einen frisch ausgeflogenen Jungvogel. Solche Zwischenfälle ereignen sich vorwiegend zwischen Mai und Juli.

Betroffen sind häufig Jogger, die sich schnell durch ein Brutrevier bewegen. Meist bleibt es bei Rufen, tiefen Überflügen oder Scheinangriffen. Ernsthafte Verletzungen sind selten.

Fliegt ein Bussard wiederholt tief über Sie hinweg, bleiben Sie ruhig und verlassen Sie den Bereich. Wählen Sie vorübergehend eine andere Strecke. In einem bekannten Brutgebiet sollten Sie gehen, anstatt zu joggen. Horste und Jungvögel dürfen nicht gestört oder aus der Nähe fotografiert werden.

Welche Gefahren bedrohen den Mäusebussard?

Der Mäusebussard ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Trotzdem ist jeder einzelne Vogel verschiedenen Risiken ausgesetzt. Dazu gehören vor allem Kollisionen mit Fahrzeugen. Besonders gefährlich wird es, wenn Bussarde an Strassenrändern nach Aas suchen.

Weitere Probleme entstehen durch Störungen am Brutplatz, den Verlust alter Horstbäume und den Rückgang strukturreicher Landschaften. Fehlen Hecken, Feldgehölze, Brachen und extensiv bewirtschaftete Wiesen, verringert sich die Vielfalt möglicher Beutetiere.

Auch ungesicherte Strommasten können zur tödlichen Falle werden. Hinzu kommen illegale Verfolgung und Vergiftungen. Greifvögel stehen unter Schutz und dürfen weder gefangen noch getötet werden. Dass auch eine mögliche private Haltung behördlich abgeklärt wird, zeigt der Fall eines geschwächten Mäusebussards mit einem auffälligen Plastikring in Mönchaltorf.

So können Sie den Mäusebussard beobachten

Gute Beobachtungsmöglichkeiten bieten Feldwege, Waldränder und offene Landschaften mit einzelnen Bäumen oder Pfosten. Im Frühjahr lohnt sich der Blick nach oben. Dann kreisen die Bussarde während der Balz über ihren Revieren. Im Winter sitzen sie häufiger gut sichtbar auf erhöhten Warten.

Mit einem Fernglas können Sie den Vogel aus ausreichender Entfernung betrachten. Nähern Sie sich einem sitzenden Bussard langsam und bleiben Sie auf dem Weg. Fliegt er auf oder wirkt unruhig, vergrössern Sie den Abstand. Einen entdeckten Horst sollten Sie während der Brutzeit weiträumig umgehen.

Vermeintlich hilflose Jungvögel benötigen meist keine Unterstützung. Sitzt ein vollständig befiederter Jungbussard auf einem Ast oder am Boden, können sich seine Eltern weiterhin in der Nähe befinden. Hilfe ist erforderlich, wenn der Vogel erkennbar verletzt ist oder sich unmittelbar an einer stark befahrenen Strasse befindet. Wenden Sie sich in diesem Fall an eine regionale Vogelpflegestation oder die Schweizerische Vogelwarte.

Ein vertrauter Greifvogel mit vielen Gesichtern

Der Mäusebussard gehört zum Bild der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Seine unterschiedlichen Gefiederzeichnungen, seine Flugweise und sein unverwechselbarer Ruf machen jede Beobachtung interessant. Als Mäusejäger und Aasfresser übernimmt er zugleich eine wichtige Funktion im Ökosystem.

Wenn Sie beim nächsten Spaziergang einen kräftigen Greifvogel auf einem Pfahl entdecken, lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben. Vielleicht hebt er gleich ab, nutzt die nächste warme Luftströmung und zieht mit breiten Flügeln seine Kreise über der Landschaft.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © Branislav Cerven/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © Dynamoland/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © Marco Rolleman/Shutterstock.com; Bild 4: Symbolbild © Marcin Perkowski/Shutterstock.com

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