Auto in der Sommerhitze: So kühlen Sie Innenraum, Lenkrad und Sitze schnell ab

Die Tür geht auf und eine Wand aus heisser Luft kommt Ihnen entgegen. Das Lenkrad lässt sich kaum anfassen, der Sitz brennt durch die Kleidung und das Gurtschloss fühlt sich an wie eine Herdplatte. An solchen Sommertagen sollten Sie nicht sofort losfahren. Mit wenigen Handgriffen entweicht der Hitzestau, bevor die Klimaanlage den Rest übernimmt.

Ein Auto in der Sonne heizt sich viel stärker auf als die Luft draussen. Das ist unangenehm und kann Konzentration, Kreislauf und Reaktionsvermögen belasten. Trotzdem braucht es weder zehn Minuten Wartezeit noch eine Klimaanlage auf Kühlschrankniveau. Entscheidend ist die richtige Reihenfolge: erst heisse Luft hinauslassen, dann kurz kräftig kühlen und anschliessend eine angenehme Temperatur halten.



Der schnelle Frische-Start in fünf Schritten

Sie möchten möglichst rasch los? Dann hilft diese kurze Routine:

  1. Türen und Fenster weit öffnen: Lassen Sie die stehende Heissluft vor dem Einsteigen entweichen. Öffnen Sie nach Möglichkeit auch die Heckklappe.
  2. Heisse Kontaktflächen prüfen: Berühren Sie Lenkrad, Schalthebel, Gurtschlösser und Kindersitz vorsichtig mit dem Handrücken.
  3. Losfahren und Fenster kurz offen lassen: Während der ersten Strecke wird die heisse Luft durch kühlere Aussenluft ersetzt. Lassen Sie den Motor nicht im Stand laufen, um den Innenraum zu klimatisieren.
  4. Klimaanlage kräftig einschalten: Schliessen Sie die Fenster und nutzen Sie für wenige Minuten die Umluftfunktion. So wird bereits gekühlte Innenraumluft erneut durch das System geführt.
  5. Auf Dauerbetrieb umstellen: Wechseln Sie wieder auf Frischluft beziehungsweise Automatik und regeln Sie die Temperatur auf einen angenehmen Bereich.

Bei einem Auto mit Klimaautomatik lohnt sich ein Blick in die Bedienungsanleitung. In vielen Fahrzeugen regelt der Auto-Modus Gebläse und Luftverteilung effizienter als ständiges manuelles Nachstellen. Die Luftdüsen richten Sie am besten nach oben beziehungsweise über die Schultern. Ein eisiger Luftstrahl direkt ins Gesicht sorgt zwar kurz für Erleichterung, wird aber schnell unangenehm.

Warum das Auto zum Backofen wird

Kurzwellige Sonnenstrahlung gelangt durch die Scheiben in den Innenraum. Armaturenbrett, Lenkrad und Sitze nehmen Energie auf und geben sie als Wärme wieder ab. Diese Wärme kann durch die geschlossenen Scheiben nur langsam entweichen. Das Ergebnis ist ein Hitzestau, bei dem die Oberflächen noch deutlich heisser werden als die Luft.

Der TCS weist für seine aktuellen Schweizer Hitzehinweise darauf hin, dass ein Auto in praller Sonne bereits nach wenigen Minuten bis zu 50 Grad erreichen kann. Nach einer Stunde sind unter ungünstigen Bedingungen bis zu 80 Grad möglich. In einem Test wurden am ungeschützten Armaturenbrett 77 Grad gemessen. Solche Werte erklären, weshalb Lenkrad und Gurtschloss beim Einsteigen tatsächlich Verbrennungen verursachen können.


Die Anzeige im Cockpit misst die Aussenluft, nicht die Temperatur im geschlossenen Innenraum. Lenkrad, Armaturen und Sitze können deshalb bereits wesentlich heisser sein.

Heisses Lenkrad, Sitze und Gurtschlösser: So vermeiden Sie Schmerzen

Greifen Sie nicht beherzt zu, wenn das Auto lange in der Sonne stand. Testen Sie dunkle Flächen zuerst kurz mit dem Handrücken. Drehen Sie das Lenkrad vor dem Parkieren um 180 Grad. Beim Einsteigen lässt es sich zurückdrehen, sodass der zuvor beschattete Bereich in der üblichen Griffposition liegt. Eine helle Stoffabdeckung oder ein sauberes Handtuch schützt Lenkrad und Sitz zusätzlich.

Besondere Vorsicht gilt bei Gurtschlössern und metallischen Teilen am Kindersitz. Prüfen Sie diese vor dem Anschnallen. Eine helle Decke kann den leeren Sitz beim Parkieren vor direkter Sonne schützen. Nehmen Sie die Decke vor der Fahrt vollständig weg. Sie gehört weder zwischen Kind und Gurt noch unter den Kindersitz, weil zusätzliche Lagen die Rückhaltewirkung beeinträchtigen können.

Bei Ledersitzen hilft ein helles Tuch während des Parkierens. Ist die Fläche bereits aufgeheizt, lassen Sie zuerst Luft durch das Auto strömen und warten Sie einen Moment. Wasser über Lenkrad, Display oder Sitze zu giessen ist keine gute Idee: Feuchtigkeit kann Material, Elektronik und Nähte schädigen, ohne den gesamten Innenraum sinnvoll zu kühlen.

Die Klimaanlage richtig einstellen

Mehr Kälte ist nicht automatisch mehr Komfort. Der ADAC nennt für den Sommer 22 bis 25 Grad als angenehmen Bereich. Bei grosser Hitze darf die Anlage anfangs mit hoher Kühlleistung arbeiten. Sobald der Hitzestau verschwunden ist, stellen Sie moderater ein. So bleibt der Wechsel zwischen Auto und Aussenluft erträglich.

Die Umlufttaste ist beim schnellen Herunterkühlen hilfreich. Sie sollte jedoch nicht für die gesamte Fahrt eingeschaltet bleiben. Im Dauerbetrieb gelangt wenig Frischluft in den Innenraum, die Scheiben können je nach Wetter beschlagen und die Luft wirkt zunehmend verbraucht. Nach wenigen Minuten wechseln Sie deshalb wieder auf Frischluft oder überlassen die Regelung der Klimaautomatik.

Richten Sie die Düsen nicht direkt auf Augen, Gesicht oder verschwitzte Haut. Verteilen Sie die Luft im Raum. Bei Fahrzeugen mit separater Temperaturregelung dürfen die Einstellungen leicht variieren, extreme Unterschiede zwischen den Sitzplätzen bringen jedoch wenig. Weitere typische Bedienfehler fasst der redaktionelle Beitrag «Die fünf grössten Fehler beim Bedienen der Klimaanlage» zusammen.


Richten Sie die kühle Luft über die Schultern und in den Fahrzeuginnenraum. Ein dauerhafter Luftstrom direkt ins Gesicht oder auf verschwitzte Haut ist unnötig und oft unangenehm.

Kurz vor dem Ziel die Kühlung ausschalten

Ein kleiner Handgriff hilft gegen den muffigen Geruch, der manche Fahrer beim nächsten Start begrüsst: Schalten Sie die eigentliche Kühlfunktion wenige Minuten vor dem Ziel aus, lassen Sie das Gebläse aber weiterlaufen. Dadurch kann Restfeuchtigkeit am Verdampfer besser abtrocknen. Feuchte begünstigt Gerüche und mikrobielles Wachstum.

Kühlt die Anlage trotz richtiger Bedienung kaum noch, riecht sie auffällig oder macht ungewöhnliche Geräusche, gehört sie in die Fachwerkstatt. Kältemittel darf nicht auf Verdacht nachgefüllt werden. Zuerst muss geklärt werden, ob das System dicht ist. Auch ein zugesetzter Innenraumfilter kann den Luftstrom schwächen.

Was hilft ohne Klimaanlage?

Auch ohne Klimaanlage lässt sich die Fahrt erträglicher machen. Lüften Sie vor dem Start gründlich. Während der Fahrt erzeugen weit geöffnete Fenster bei tiefem Tempo einen starken Luftaustausch. Auf der Autobahn werden offene Fenster laut und erhöhen den Luftwiderstand. Dort ist eine moderate Öffnung meist angenehmer. Zugluft direkt am Kopf vermeiden Sie, indem Sie gegenüberliegende Fenster leicht versetzt öffnen.

Planen Sie längere Strecken möglichst am frühen Morgen oder am Abend. Tragen Sie leichte, luftige Kleidung und feste Schuhe, in denen Sie Pedale sicher bedienen können. Ein kleines helles Handtuch schützt im Stand das Lenkrad und kann bei einer Pause mit kühlem Wasser angefeuchtet in den Nacken gelegt werden. Während der Fahrt gehören solche Improvisationen nicht ins Gesichtsfeld und nicht auf die Hände.

Ventilatoren für den Zwölf-Volt- oder USB-Anschluss bewegen Luft, senken aber nicht deren Temperatur. Sie können ohne Klimaanlage dennoch für etwas Komfort sorgen. Achten Sie darauf, dass Kabel weder Schalthebel noch Pedale behindern und das Gerät bei einer Vollbremsung nicht zum Geschoss wird.

Trinken, Pausen machen und den Kreislauf ernst nehmen

Packen Sie für jede Person ausreichend Wasser ein, besonders bei längeren Fahrten und möglichen Staus. Trinken Sie regelmässig in kleinen Mengen. Sehr zuckerhaltige Getränke und Alkohol sind keine gute Wahl. Bei einer ärztlich festgelegten Trinkmengenbegrenzung, etwa wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung, gilt die individuelle Empfehlung.

Hitze macht müde und kann die Konzentration senken. Warten Sie nicht auf ein dramatisches Warnzeichen. Fühlen Sie sich benommen, ungewöhnlich erschöpft oder unkonzentriert, fahren Sie an einen sicheren, schattigen Ort und machen Sie Pause. Der ausführliche Beitrag «Sicher unterwegs bei Sommerhitze» ergänzt die Vorbereitung auf längere Fahrten in heissen Regionen.


Nehmen Sie ausreichend Wasser mit und trinken Sie regelmässig. Eine Flasche gehört in eine Halterung oder Tasche, damit sie nicht unter die Pedale rollen kann.

Diese Warnzeichen verlangen eine Pause

Das Bundesamt für Gesundheit nennt unter anderem Schwäche, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Muskelkrämpfe, Übelkeit, starkes Schwitzen, erhöhte Körpertemperatur und einen schnellen Puls als mögliche Zeichen von Hitzestress. Am Steuer ist bereits ein leichteres Symptom ein guter Grund anzuhalten.

Bringen Sie die betroffene Person an einen kühlen oder schattigen Ort. Lassen Sie sie hinlegen, kühlen Sie den Körper mit feuchten Tüchern und bieten Sie Wasser an, sofern sie wach ist und sicher schlucken kann. Bessert sich der Zustand nach kurzer Zeit nicht, soll gemäss BAG unverzüglich ärztliche Hilfe oder die Sanität unter 144 gerufen werden. Bei Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung oder einem anderen akuten Notfall wählen Sie sofort 144.

Kinder und Tiere bleiben niemals im parkierten Auto

«Nur schnell in die Bäckerei» ist bei Sommerhitze keine sichere Zeitspanne. Kinder und Tiere dürfen auch bei leicht geöffneten Fenstern nicht im parkierten Wagen warten. Der TCS mass bei einem Fensterspalt innerhalb von 30 Minuten lediglich rund zwei Grad Unterschied gegenüber dem geschlossenen Fahrzeug. Gleichzeitig kann der Sonnenstand wechseln und aus einem Schattenplatz innerhalb kurzer Zeit einen Platz in voller Sonne machen.

Auch eine Standklimatisierung ist kein Freipass, ein Kind oder Tier unbeaufsichtigt zurückzulassen. Systeme können falsch eingestellt sein, sich abschalten oder eine Störung melden, die ausserhalb des Fahrzeugs unbemerkt bleibt. Nehmen Sie alle Lebewesen mit. Prüfen Sie vor dem Abschliessen routinemässig Rückbank und Fussraum.

Vorbeugen: Schatten ist gut, Abdecken ist besser

Ein Schattenplatz hilft, solange er tatsächlich im Schatten bleibt. Verlässlicher sind bauliche Schattenplätze, Parkhäuser und Tiefgaragen. Unter Bäumen können sich Sonnenstand und Schatten rasch verändern. Zudem hinterlassen Harz, Pollen oder Vogelkot Spuren auf dem Lack. Planen Sie den erwarteten Sonnenverlauf mit ein, wenn das Auto mehrere Stunden steht.

Besonders wirksam ist eine Abdeckung ausserhalb der Scheibe, weil sie Sonnenstrahlung reflektiert, bevor diese in den Innenraum gelangt. Der TCS stellte bei seinem Versuch am Armaturenbrett mit Sonnenschutzfolie eine bis zu 40 Grad tiefere Oberflächentemperatur fest. Der ADAC ermittelte bei seinem eigenen Vergleich ebenfalls deutliche Vorteile für eine Halbgarage und eine aussen angebrachte reflektierende Folie. Eine Blende hinter der Windschutzscheibe hilft ebenfalls, erreicht aber gewöhnlich weniger.


Eine aussen liegende Abdeckung fängt die Sonnenstrahlung vor der Scheibe ab. Sie hält besonders Armaturenbrett und Lenkrad spürbar kühler.

Decken Sie zusätzlich das Lenkrad und dunkle Kindersitze mit einem hellen Tuch ab. Entfernen Sie lose Abdeckungen vor dem Start. Spraydosen, Feuerzeuge, elektronische Geräte, Powerbanks und Medikamente gehören bei grosser Hitze ebenfalls nicht dauerhaft ins parkierte Auto. Beachten Sie die Lagerhinweise des Herstellers.

Vorklimatisieren bei Elektroauto und Plug-in-Hybrid

Viele elektrifizierte Fahrzeuge lassen sich per App oder Zeitschaltung vorklimatisieren. Ideal ist das während des Ladens: Dann stammt die Energie für die Kühlung aus dem Stromnetz, und die gewünschte Temperatur ist schon vor der Abfahrt erreicht. Der TCS nennt diese Funktion ausdrücklich als sommerlichen Vorteil von Elektroautos.

Trotzdem lohnt sich vorheriges Lüften, wenn der Innenraum extrem aufgeheizt ist. Die Klimaanlage muss dann weniger Wärme abführen. Prüfen Sie ausserdem, ob die Funktion tatsächlich gestartet wurde. Eine App-Anzeige ersetzt bei Kindern oder Tieren niemals die persönliche Aufsicht.

Aufgeheizter Innenraum oder überhitzter Motor?

Ein heisser Innenraum ist ein Komfort- und Gesundheitsproblem. Ein überhitzter Motor ist eine technische Störung. Steigt die Kühlmittelanzeige in den roten Bereich, erscheint eine rote Temperaturwarnung oder tritt Dampf aus dem Motorraum aus, fahren Sie nicht einfach weiter. Schalten Sie die Klimaanlage aus, halten Sie so bald wie möglich an einer sicheren Stelle und stellen Sie den Motor ab. Befolgen Sie die Betriebsanleitung und rufen Sie bei Unsicherheit den Pannendienst.

Öffnen Sie den Deckel des Kühlsystems niemals bei heissem Motor. Das System kann unter Druck stehen; austretendes Kühlmittel und Dampf verursachen schwere Verbrühungen. Warten Sie auf fachkundige Hilfe. Die Innenraumheizung als provisorische Massnahme kann dem Motorkreislauf zwar Wärme entziehen, belastet die Insassen bei Sommerhitze aber zusätzlich und ist kein Ersatz für sicheres Anhalten.

Die häufigsten Hitze-Irrtümer

  • «Ein Fensterspalt reicht beim Parkieren.» Nein. Er senkt die Aufheizung nur geringfügig und schützt weder Kinder noch Tiere.
  • «Die Klimaanlage muss auf die tiefste Stufe.» Nur für die kurze Abkühlphase ist hohe Leistung sinnvoll. Danach sind etwa 22 bis 25 Grad angenehmer.
  • «Im Schatten kann nichts passieren.» Schatten wandert. Ein Fahrzeug kann später in voller Sonne stehen.
  • «Ein dunkles Auto ist allein das Problem.» Die Farbe beeinflusst die Erwärmung, doch Scheibenflächen, Sonneneinstrahlung und dunkle Innenraumoberflächen spielen ebenfalls eine grosse Rolle.
  • «Der Motor darf im Stand zum Kühlen laufen.» Der TCS weist darauf hin, dass dies ineffizient und in der Schweiz nicht zulässig ist. Lüften Sie und fahren Sie anschliessend los.

So bleibt der Sommerstart entspannt

Die wirksamste Abkühlung kostet kaum Zeit: Türen auf, Heissluft raus, Kontaktflächen prüfen und erst dann einsteigen. Nach dem Losfahren arbeiten offene Fenster und Klimaanlage kurz gemeinsam. Wenige Minuten später genügt eine moderate Temperatur mit gut verteilter Luft.

Mit einer Frontscheibenabdeckung, einem hellen Tuch über dem Lenkrad, Wasser in der Getränkehalterung und etwas Zeitreserve wird selbst der aufgeheizte Parkplatz deutlich weniger mühsam. Falls Schwindel, Verwirrtheit oder Kreislaufprobleme auftreten, endet die Fahrt an der nächsten sicheren Stelle. Ein kühler Kopf ist im Sommer kein Luxus, sondern Teil der Verkehrssicherheit.



Wie lässt sich verhindern, dass sich das Auto in der Sonne stark aufheizt? Der ADAC prüft verschiedene Schutzmöglichkeiten und zeigt anhand von Messwerten, welche Lösungen tatsächlich helfen. Neben Abdeckungen für die Scheiben wird auch erklärt, wie Sie ein Fahrzeug ohne Klimaanlage erträglicher temperieren.

 

Bildquellen: Titelbild: iStock/Dima Berlin; Bild 1: iStock/Nikola Pesic; Bild 2: iStock/ArtKoArtKo; Bild 3: iStock/inhauscreative; Bild 4: iStock/Srdjanns74

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