Demenz oder Alzheimer? Frühe Warnzeichen, Unterschiede und Hoffnung aus der Forschung

Ein Name fällt nicht sofort ein, der Schlüssel liegt plötzlich im Kühlschrank, dieselbe Frage kommt innerhalb weniger Minuten zum dritten Mal: Wann gehört Vergesslichkeit zum Älterwerden – und wann könnte eine Demenz beginnen? Viele Menschen verwenden die Begriffe Demenz und Alzheimer gleichbedeutend. Medizinisch bezeichnen sie jedoch nicht dasselbe.

Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die das Gedächtnis, das Denken und die selbstständige Bewältigung des Alltags beeinträchtigen. Alzheimer ist die häufigste Ursache. Eine frühe Abklärung schafft Klarheit, schliesst behandelbare Auslöser aus und eröffnet Betroffenen sowie Angehörigen Zeit für Behandlung, Unterstützung und gemeinsame Entscheidungen.

Demenz ist keine einzelne Krankheit

Der Begriff Demenz beschreibt ein Syndrom: Mehrere geistige Fähigkeiten lassen dauerhaft nach, weil das Gehirn erkrankt oder geschädigt ist. Betroffen sein können das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache, die Orientierung, das Urteilsvermögen oder die Fähigkeit, Handlungen zu planen.

Entscheidend ist die Auswirkung auf den Alltag. Eine Person vergisst beispielsweise nicht nur gelegentlich einen Termin. Sie kann ihre Termine zunehmend nicht mehr selbst organisieren. Rechnungen bleiben liegen, Medikamente werden verwechselt oder ein vertrauter Weg bereitet plötzlich Schwierigkeiten.

Demenz tritt häufiger im höheren Alter auf, ist jedoch keine zwangsläufige Folge des Alterns. Sie kann auch Menschen unter 65 Jahren betreffen. Die Weltgesundheitsorganisation spricht in diesem Fall von einer Demenz mit frühem Beginn. Diese macht weltweit bis zu neun Prozent der Fälle aus.

Was ist Alzheimer?

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns und die häufigste Ursache einer Demenz. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist sie an schätzungsweise 60 bis 70 Prozent aller Demenzfälle beteiligt.

Im Gehirn verändern sich Eiweisse. Beta-Amyloid lagert sich zwischen Nervenzellen ab. Tau-Proteine bilden krankhafte Strukturen innerhalb der Zellen. Gleichzeitig gehen Nervenzellen und ihre Verbindungen verloren. Besonders früh sind häufig Bereiche betroffen, die für das Speichern neuer Erinnerungen wichtig sind.

Diese biologischen Veränderungen können viele Jahre vor den ersten Beschwerden beginnen. Die betroffene Person bemerkt davon zunächst nichts. Erst wenn das Gehirn die Schäden nicht mehr ausreichend ausgleichen kann, treten erkennbare Einschränkungen auf.

Alzheimer bezeichnet somit die zugrunde liegende Krankheit. Von einer Alzheimer-Demenz spricht man, wenn die Beeinträchtigungen so weit fortgeschritten sind, dass sie die Selbstständigkeit im Alltag deutlich einschränken.


Einfach erklärt: Demenz ist der Oberbegriff. Alzheimer ist eine Krankheit, die eine Demenz verursachen kann.


Weitere Formen der Demenz

Nicht jede Demenz ist Alzheimer. Die Unterscheidung ist wichtig, weil Symptome, Verlauf und Behandlung voneinander abweichen können.

Vaskuläre Demenz

Bei einer vaskulären Demenz wird Hirngewebe durch Durchblutungsstörungen geschädigt. Ursachen können grössere Schlaganfälle oder viele kleine Gefässschäden sein. Zu Beginn stehen mitunter verlangsamtes Denken, Konzentrationsprobleme und Schwierigkeiten beim Planen stärker im Vordergrund als eine ausgeprägte Vergesslichkeit.

Demenz mit Lewy-Körpern

Typisch sind starke Schwankungen der Aufmerksamkeit und geistigen Leistungsfähigkeit. Hinzukommen können optische Halluzinationen, Bewegungsstörungen ähnlich wie bei Parkinson sowie auffällige Bewegungen während des Traumschlafs. Menschen mit einer Lewy-Körper-Demenz reagieren teilweise empfindlich auf bestimmte Medikamente.

Frontotemporale Demenz

Diese Erkrankungsgruppe betrifft vor allem Stirn- und Schläfenlappen. Frühe Veränderungen zeigen sich häufig im Verhalten, in der Persönlichkeit oder in der Sprache. Betroffene wirken beispielsweise enthemmt, gleichgültig oder ungewöhnlich unflexibel. Gedächtnisprobleme müssen anfangs nicht im Vordergrund stehen.

Gemischte Demenz

Gerade im höheren Alter bestehen häufig mehrere Veränderungen gleichzeitig. Alzheimer-typische Ablagerungen können beispielsweise zusammen mit Schäden an den Blutgefässen auftreten. Die Grenzen zwischen den Demenzformen sind daher nicht immer eindeutig.



Vergesslichkeit oder frühe Demenz?

Jeder Mensch verlegt etwas, sucht nach einem Namen oder betritt einen Raum und weiss kurz nicht mehr, was er dort wollte. Müdigkeit, Stress, Schmerzen, Sorgen und Ablenkung beeinträchtigen die Konzentration. Solche einzelnen Situationen bedeuten nicht automatisch, dass eine Demenz beginnt.

Aufmerksam sollten Sie werden, wenn Veränderungen wiederholt auftreten, über Monate zunehmen und sich auf den Alltag auswirken.



Frühe Anzeichen ernst nehmen

Eine beginnende Demenz zeigt sich nicht bei jedem Menschen gleich. Bei Alzheimer fällt häufig zuerst auf, dass neue Erlebnisse und Informationen nicht zuverlässig gespeichert werden. Andere Erkrankungen beginnen eher mit sprachlichen, räumlichen oder persönlichen Veränderungen.

Mögliche Warnzeichen sind:

  • kürzlich geführte Gespräche oder Vereinbarungen werden wiederholt vergessen
  • Fragen und Geschichten wiederholen sich in kurzen Abständen
  • vertraute Wege werden verwechselt
  • das Kochen nach einem bekannten Rezept fällt schwer
  • Rechnungen, Bankgeschäfte oder Medikamente geraten durcheinander
  • Wörter fehlen häufiger und Gesprächen kann schlechter gefolgt werden
  • Entfernungen, Stufen oder Gegenstände werden räumlich falsch eingeschätzt
  • Entscheidungen wirken zunehmend unüberlegt oder untypisch
  • eine Person zieht sich aus Unsicherheit von Hobbys und sozialen Kontakten zurück
  • Stimmung, Antrieb oder Persönlichkeit verändern sich auffällig

Ein einzelnes Zeichen reicht für eine Diagnose nicht aus. Entscheidend ist das Muster. Angehörige bemerken Veränderungen häufig früher, weil sie den Menschen und seine bisherigen Fähigkeiten gut kennen. Der Belmedia-Beitrag über das Leben mit früher Demenz zeigt, wie unterschiedlich erste Auffälligkeiten sein können und weshalb jüngere Betroffene besondere Unterstützung benötigen.

Die leichte kognitive Störung als mögliches Vorstadium

Zwischen altersüblicher Vergesslichkeit und Demenz liegt die leichte kognitive Störung, international Mild Cognitive Impairment oder MCI genannt. Tests zeigen dabei messbare Einschränkungen. Die Selbstständigkeit im Alltag ist jedoch weitgehend erhalten.

Eine MCI kann ein frühes Stadium der Alzheimer-Krankheit oder einer anderen Demenzerkrankung sein. Sie muss aber nicht zwangsläufig in eine Demenz übergehen. Die Beschwerden können stabil bleiben. In manchen Fällen bessern sie sich, wenn Schlafprobleme, Depressionen, Medikamente oder andere Auslöser behandelt werden.

Deshalb lässt sich aus einem auffälligen Gedächtnistest allein keine Alzheimer-Diagnose ableiten.

Plötzliche Verwirrtheit ist ein Warnsignal

Eine Demenz entwickelt sich normalerweise schleichend. Wird eine Person innerhalb weniger Stunden oder Tage stark verwirrt, muss rasch nach einer akuten Ursache gesucht werden. Ein solches Delir kann unter anderem durch eine Infektion, Flüssigkeitsmangel, Schmerzen, eine Operation, Medikamente oder eine Stoffwechselstörung ausgelöst werden.

Auch ein Schlaganfall kann plötzlich Sprache, Orientierung und Denken beeinträchtigen. Treten gleichzeitig eine Lähmung, ein hängender Mundwinkel, eine Sprachstörung, starke Kopfschmerzen oder eine auffällige Gangunsicherheit auf, ist der Sanitätsnotruf 144 zu wählen.


Eine rasche geistige Verschlechterung innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen ist nicht typisch für eine beginnende Alzheimer-Demenz und gehört umgehend medizinisch abgeklärt.


Warum eine frühe Abklärung sinnvoll ist

Gedächtnisprobleme können zahlreiche Ursachen haben. Depressionen, Schlafstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Vitaminmangel, Hör- und Sehprobleme oder Nebenwirkungen von Medikamenten können ähnliche Beschwerden auslösen. Auch Alkohol, bestimmte Beruhigungsmittel und eine ungünstige Kombination mehrerer Arzneimittel beeinflussen die geistige Leistungsfähigkeit.

Eine frühe Abklärung bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Demenz festgestellt wird. Sie kann eine behandelbare Ursache aufdecken. Bestätigt sich der Verdacht, gewinnen Betroffene Zeit. Sie können Therapien beginnen, ihre Wohnsituation prüfen sowie Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung und finanzielle Fragen regeln, solange sie ihre Wünsche selbst formulieren können.


Eine sorgfältige Abklärung umfasst das Gespräch über Veränderungen im Alltag, medizinische Untersuchungen und standardisierte Tests.

So wird eine Demenz diagnostiziert

Am Anfang steht meist ein Termin in der Hausarztpraxis. Hilfreich ist eine Begleitperson, die konkrete Veränderungen schildern kann. Dabei sollte die betroffene Person einverstanden sein und weiterhin im Mittelpunkt des Gesprächs stehen.

Zur Abklärung gehören je nach Situation:

  • ein ausführliches Gespräch über Beschwerden, Alltag und zeitlichen Verlauf
  • Angaben einer nahestehenden Person
  • Überprüfung der Medikamente und möglicher Wechselwirkungen
  • körperliche und neurologische Untersuchungen
  • standardisierte Tests für Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit und Planung
  • Laboruntersuchungen zum Ausschluss behandelbarer Ursachen
  • Beurteilung von Depression, Schlaf, Hörvermögen und Sehfähigkeit
  • eine Magnetresonanztomografie oder Computertomografie des Gehirns

Kurze Tests wie der Mini-Mental-Status-Test, das Montreal Cognitive Assessment oder der Uhrentest liefern Hinweise. Sie stellen allein keine Diagnose. Bildungsstand, Muttersprache, Seh- und Hörvermögen, Nervosität und Tagesform beeinflussen das Ergebnis.

Bei unklaren oder frühen Veränderungen kann eine Memory Clinic die Untersuchung vertiefen. Dort arbeiten häufig Fachpersonen aus Neurologie, Geriatrie, Psychiatrie, Neuropsychologie und Pflege zusammen.

Biomarker zeigen Veränderungen im Gehirn

Besteht der Verdacht auf Alzheimer, können spezialisierte Untersuchungen nach charakteristischen biologischen Veränderungen suchen. Im Nervenwasser lassen sich Amyloid- und Tau-Werte bestimmen. Eine Amyloid-PET kann Ablagerungen im Gehirn sichtbar machen.

Bluttests auf Alzheimer-Marker entwickeln sich rasch weiter. Besonders phosphoryliertes Tau, kurz p-Tau, gilt als vielversprechend. Die aktuelle S3-Leitlinie von 2026 warnt jedoch davor, die Diagnostik der Amyloidveränderungen im Gehirn bereits allein durch einen Bluttest zu ersetzen. Testverfahren, Grenzwerte und ihre Anwendung im Versorgungsalltag müssen weiter vereinheitlicht werden.

Ein Biomarker ist zudem nicht mit einer Demenz gleichzusetzen. Alzheimer-typische Veränderungen können nachweisbar sein, bevor der Alltag beeinträchtigt ist. Diagnose und Behandlungsentscheidung müssen deshalb Beschwerden, Testresultate, Alltagsfähigkeiten und biologische Befunde gemeinsam berücksichtigen.

Kann Demenz geheilt werden?

Für die meisten fortschreitenden Demenzerkrankungen gibt es bislang keine Heilung. Trotzdem ist eine Behandlung sinnvoll. Sie kann Beschwerden lindern, Fähigkeiten länger erhalten, Risiken reduzieren und Angehörige entlasten.

Bei Alzheimer können Cholinesterasehemmer wie Donepezil, Galantamin oder Rivastigmin eingesetzt werden. Memantin kommt vor allem in späteren Stadien infrage. Diese Medikamente beeinflussen bestimmte Symptome. Sie beseitigen die zugrunde liegende Erkrankung nicht.

Ebenso wichtig sind nichtmedikamentöse Massnahmen:

  • regelmässige Bewegung
  • Ergo- und Physiotherapie
  • kognitive Stimulation
  • Logopädie bei sprachlichen Einschränkungen
  • eine klare Tagesstruktur
  • Anpassungen der Wohnumgebung
  • soziale Kontakte und vertraute Aktivitäten
  • Beratung und Entlastung der Angehörigen

Bei Unruhe, Angst, Aggressivität oder Halluzinationen sollten zunächst mögliche Auslöser geprüft werden. Schmerzen, Überforderung, Hunger, Schlafmangel, eine Infektion oder eine ungewohnte Umgebung können Verhalten verändern. Beruhigende und antipsychotische Medikamente erfordern bei Demenz besondere Vorsicht.

Neue Alzheimer-Antikörper: Fortschritt mit Grenzen

Die Forschung versucht zunehmend, direkt in den Krankheitsprozess einzugreifen. Antikörper gegen Beta-Amyloid sollen Ablagerungen aus dem Gehirn entfernen und dadurch die Verschlechterung verlangsamen.

Swissmedic liess Donanemab unter dem Handelsnamen Kisunla am 22. Januar 2026 für eine eng begrenzte Patientengruppe zu. Die Behandlung richtet sich an Erwachsene mit nachgewiesener Alzheimer-Amyloidpathologie und einer leichten kognitiven Störung oder leichten Demenz. Zugelassen ist sie für Personen ohne ApoE-ε4-Allel oder mit einer einzelnen Kopie. Vor der Behandlung sind daher spezialisierte Untersuchungen notwendig.

Donanemab wird als Infusion verabreicht. In der Zulassungsstudie verlangsamte es die durchschnittliche Verschlechterung gegenüber Placebo. Verlorene Erinnerungen oder Fähigkeiten bringt das Medikament jedoch nicht zurück. Es stoppt Alzheimer nicht und ist keine Heilung.

Zu den bedeutsamen Risiken gehören Amyloid-Related Imaging Abnormalities, kurz ARIA. Dabei können Schwellungen oder kleine Blutungen im Gehirn auftreten. Regelmässige MRT-Kontrollen und eine sorgfältige Auswahl der Patienten sind deshalb unverzichtbar. Für Menschen mit mittelschwerer oder schwerer Demenz sowie für andere Demenzformen ist die Therapie nicht vorgesehen.

Was die Forschung über Vorbeugung sagt

Alter und genetische Veranlagung lassen sich nicht verändern. Trotzdem ist Demenz nicht in jedem Fall unvermeidbar. Die Lancet-Kommission identifizierte 2024 insgesamt 14 beeinflussbare Faktoren, die gemeinsam statistisch mit bis zu 45 Prozent der Demenzfälle verbunden sind. Die Weltgesundheitsorganisation griff diese Grössenordnung in ihren aktualisierten Leitlinien vom Juli 2026 auf.

Zu den beeinflussbaren Faktoren gehören:

  • geringe Bildung und wenig geistige Anregung
  • unbehandelter Hörverlust
  • unbehandelte Sehprobleme
  • erhöhtes LDL-Cholesterin im mittleren Lebensalter
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Übergewicht
  • körperliche Inaktivität
  • Rauchen
  • riskanter Alkoholkonsum
  • Depressionen
  • soziale Isolation
  • Kopfverletzungen
  • Luftverschmutzung

Die Zahl von 45 Prozent ist eine Schätzung auf Bevölkerungsebene. Sie bedeutet nicht, dass eine einzelne Person ihr persönliches Risiko garantiert um 45 Prozent senken kann. Sie bedeutet ebenso wenig, dass Betroffene ihre Erkrankung durch einen bestimmten Lebensstil selbst verursacht haben. Manche Faktoren lassen sich nur durch bessere medizinische Versorgung, Bildung, Umweltpolitik und gesellschaftliche Teilhabe beeinflussen.


Bewegung und soziale Kontakte unterstützen die Gesundheit von Herz, Gefässen und Gehirn. Einen sicheren Schutz vor Demenz gibt es jedoch nicht.

Was Sie für die Gehirngesundheit tun können

Viele Massnahmen schützen gleichzeitig Herz, Gefässe und Gehirn. Beginnen Sie dort, wo eine Veränderung realistisch ist:

  • Bewegen Sie sich regelmässig und vermeiden Sie langes Sitzen.
  • Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin kontrollieren.
  • Rauchen Sie nicht.
  • Trinken Sie Alkohol zurückhaltend.
  • Essen Sie abwechslungsreich mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Fisch.
  • Lassen Sie Hör- und Sehprobleme behandeln.
  • Pflegen Sie Freundschaften und nehmen Sie am gesellschaftlichen Leben teil.
  • Fordern Sie das Gehirn mit neuen und persönlich interessanten Aufgaben.
  • Schützen Sie den Kopf beim Sport und beugen Sie Stürzen vor.
  • Lassen Sie Depressionen und anhaltende Schlafprobleme behandeln.

Nahrungsergänzungsmittel bieten ohne nachgewiesenen Mangel keinen belegten Schutz vor Demenz. Die WHO empfiehlt Vitamin-B- und Vitamin-E-Präparate, Omega-3-Produkte sowie Multivitamin- und Mineralstoffpräparate nicht allein zur Demenzprävention.

Kognitive Reserve: Warum manche Gehirne länger ausgleichen

Menschen mit ähnlichen Alzheimer-Veränderungen können im Alltag unterschiedlich stark beeinträchtigt sein. Die Forschung spricht von kognitiver Reserve. Gemeint ist die Fähigkeit des Gehirns, Schäden über alternative Netzwerke oder erlernte Strategien eine Zeit lang auszugleichen.

Bildung, geistig anregende Tätigkeiten, Bewegung, soziale Einbindung und die allgemeine Gesundheit des Gehirns könnten dazu beitragen. Der belmedia-Artikel über eine Alzheimer-Studie zu Schutzfaktoren der Denk- und Gedächtnisleistung beleuchtet, weshalb manche Menschen trotz früher biologischer Veränderungen länger leistungsfähig bleiben.

Solche Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge. Sie beweisen nicht automatisch, dass eine einzelne Massnahme Alzheimer verhindert. Für die Forschung bleibt entscheidend, welche Kombinationen aus Bewegung, Gefässgesundheit, sozialer Aktivität und geistigem Training tatsächlich langfristig wirken.

Woran aktuell geforscht wird

Die Alzheimer-Forschung konzentriert sich längst nicht mehr allein auf Amyloid. Wissenschaftler untersuchen auch Tau-Proteine, Entzündungsreaktionen, Immunzellen des Gehirns, Gefässschäden, Stoffwechselveränderungen und die Widerstandsfähigkeit neuronaler Netzwerke.

Mehrere Entwicklungen sind besonders relevant:

  • Blutbasierte Biomarker: Sie könnten die frühe Abklärung künftig vereinfachen und dabei helfen, Personen für weiterführende Untersuchungen auszuwählen.
  • Neue Wirkstoffkombinationen: Künftige Therapien könnten verschiedene Krankheitsmechanismen gleichzeitig angreifen.
  • Präzisionsmedizin: Genetik, Biomarker, Begleiterkrankungen und Krankheitsstadium sollen bei der Wahl einer Therapie stärker berücksichtigt werden.
  • Digitale Messverfahren: Sprachmuster, Bewegungsdaten oder computerbasierte Tests könnten subtile Veränderungen erkennen. Für einen Einsatz im Alltag müssen Nutzen, Datenschutz und Fehleranfälligkeit sorgfältig geprüft werden.
  • Mehrkomponenten-Prävention: Studien untersuchen, ob Bewegung, Ernährung, geistige Aktivierung und die Behandlung vaskulärer Risiken gemeinsam wirksamer sind.

Viele vielversprechende Ansätze befinden sich noch in der Forschung. Ergebnisse aus kleinen oder frühen Studien sind kein Beleg für eine verfügbare Behandlung. Besondere Vorsicht ist bei kostenpflichtigen Angeboten geboten, die mit einer «Aktivierung des Gehirns», angeblicher Entgiftung oder Heilung werben.


Biomarker und bildgebende Verfahren spielen in der Alzheimer-Forschung eine wachsende Rolle. Ihre Ergebnisse müssen stets im medizinischen Gesamtbild beurteilt werden.

Wie Angehörige Veränderungen ansprechen können

Vorwürfe führen selten weiter. Sagen Sie nicht: «Du vergisst ständig alles.» Beschreiben Sie stattdessen eine konkrete Beobachtung: «Mir ist aufgefallen, dass du deine Medikamente in letzter Zeit mehrmals verwechselt hast. Ich mache mir Sorgen und würde das gern mit dir abklären lassen.»

Wählen Sie einen ruhigen Moment. Sprechen Sie unter vier Augen und bieten Sie an, den Arzttermin zu begleiten. Notieren Sie vorab, welche Veränderungen seit wann auftreten. Beispiele aus dem Alltag helfen der Ärztin oder dem Arzt mehr als die allgemeine Aussage, jemand sei «vergesslich».

Manche Betroffene lehnen eine Abklärung aus Angst ab. Andere nehmen die eigenen Einschränkungen krankheitsbedingt nicht wahr. Bleiben Sie respektvoll und versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut. Bei unmittelbaren Gefahren durch Autofahren, Herdplatten, Medikamente oder finanzielle Fehlentscheidungen ist rascher fachlicher Rat erforderlich.

Nach der Diagnose bleibt viel möglich

Eine Demenzdiagnose verändert das Leben. Sie nimmt einem Menschen jedoch nicht auf einen Schlag seine Persönlichkeit, seine Wünsche oder seine Entscheidungsfähigkeit. Viele Betroffene leben über längere Zeit selbstständig und gestalten ihren Alltag aktiv.

Frühzeitige Unterstützung kann helfen, Fähigkeiten zu erhalten. Dazu gehören eine übersichtliche Umgebung, feste Abläufe, Bewegung, soziale Kontakte, Erinnerungsstützen und Tätigkeiten, die Freude bereiten. Angehörige sollten Entlastungsangebote annehmen, bevor die Belastung ihre eigenen gesundheitlichen Grenzen überschreitet.

Das Bundesamt für Gesundheit rechnet damit, dass die Zahl der Menschen mit Demenz in der Schweiz von rund 161’000 auf etwa 285’700 innerhalb der kommenden 25 Jahre steigen könnte. Hinter jeder Zahl stehen ein Mensch, eine Familie und eine Lebensgeschichte. Umso wichtiger sind eine frühe Abklärung, eine erreichbare Versorgung und ein Umgang, der die Würde der Betroffenen wahrt.


Demenz ist der Oberbegriff, Alzheimer die häufigste Ursache. Wiederholte und zunehmende Veränderungen im Alltag sollten ärztlich abgeklärt werden. Je früher Klarheit besteht, desto mehr Möglichkeiten bleiben für Behandlung, Unterstützung und selbstbestimmte Entscheidungen.


 

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