Frühe Förderung wirkt: So hilft St.Gallen Familien beim Start ins Schulleben
von belmedia Redaktion Allgemein Erziehung Familienleben Kindergarten & Schule Mütter News Väter
Im Auftrag des Kantonsrates hat die Regierung ein Massnahmenpaket für einen gelingenden Schulstart erarbeitet.
Dieses gibt den Gemeinden wirksame Instrumente, um Herausforderungen beim Eintritt in die Volksschule frühzeitig zu erkennen, anzugehen und zu entschärfen. Davon profitieren nicht nur die Kinder und ihre Eltern: Auch das System Schule kann spürbar entlastet und damit hohe Folgekosten vermindert werden.
Die Sammelvorlage «Erledigung parlamentarische Aufträge im Bereich der frühen Förderung (EPAFF)» prüft im Auftrag des Kantonsrates, wie sich Kompetenzen von Kindern in den ersten Lebensjahren möglichst wirkungsvoll fördern lassen und wie Kinder bestmöglich auf den Übertritt in die Volksschule vorbereitet werden können. Denn heute fehlen Kindern beim Schuleintritt häufig grundlegende sprachliche, soziale und weitere Kompetenzen.
Dies führt nicht nur zu Belastungen bei den betroffenen Kindern und ihren Familien, sondern stellt auch für die Schule eine Herausforderung dar. In der Phase vor Schulbeginn werden zentrale Weichen für die Entwicklung von Kindern gestellt. Werden fehlende Kompetenzen erst beim Schuleintritt bemerkt, ist oft bereits wichtige Zeit zur Förderung verstrichen, beispielsweise im Bereich der Sprache.
Instrumente für die Gemeinden
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, schlägt die Regierung ein umfassendes Massnahmenpaket vor. Dieses enthält mehrere Instrumente zur Stärkung der frühen Förderung, mit denen das Problem fehlender Kompetenzen beim Eintritt in die Volksschule wirksam angegangen werden kann:
- eine Angebotspflicht für Gemeinden für ein bedarfsgerechtes, ganzheitliches und qualitativ adäquates Angebot der frühen Förderung
- eine Konzeptpflicht für die Gemeinden zur Förderung der übergeordneten Betrachtung, der Vernetzung sowie der Abstimmung der Angebote innerhalb der Gemeinden
- die Einführung eines niederschwelligen Prozesses, um Kinder mit relevantem Förderbedarf im Hinblick auf den Schuleintritt frühzeitig zu erkennen (sogenannter vorschulischer Erstkontakt mit einer Fachperson im Bereich der frühen Kindheit)
Besuchsempfehlungen oder (falls eine Gemeinde das möchte) Besuchsobligatorien für Angebote der frühen Förderung auf Basis des Kontakts mit einer Fachperson
Eltern gezielt unterstützen
Die Verantwortung für die Erziehung der Kinder und für ein förderliches Entwicklungsumfeld liegt – gerade im Vorschulbereich – nach wie vor bei den Eltern. Diese sollen jedoch bedarfsgerecht unterstützt werden, damit sie ihre Verantwortung bestmöglich wahrnehmen können. Eine gemeinsame und positive Herangehensweise von Eltern, Fachpersonen und Behörden ist für die nachhaltige Wirkung entscheidend.
Klare Rollenverteilung zwischen Kanton und Gemeinden
Das Massnahmenpaket trägt den bestehenden staatlichen Zuständigkeiten im Bereich der frühen Förderung Rechnung. Die Gemeinden sind für die Angebote und deren Umsetzung verantwortlich, während der Kanton eine koordinierende und unterstützende Rolle übernimmt. Dabei wird den Gemeinden grösstmögliche Wahlfreiheit geboten, um bedarfsgerecht und praxisnah zu handeln.
Sammelvorlage erfüllt kantonsrätliche Aufträge
Mit der Sammelvorlage werden sieben parlamentarische Aufträge erfüllt, darunter das Postulat 43.21.06 «Abbau von Sprachbarrieren vor dem Schuleintritt». Weitere Aufträge betreffen etwa die Priorisierung von Angeboten im Kanton oder datenschutzrechtliche Fragen. Zudem werden zwei gesetzgeberische Aufträge umgesetzt.
Vernehmlassungen und Weiterentwicklung
Zwei Vernehmlassungen trugen zur Weiterentwicklung der Vorlage bei. Während in der ersten mehr Verbindlichkeit gegenüber Familien gefordert wurde, führte die zweite zur Einführung des niederschwelligen Erstkontakts mit einer Fachperson. Damit rückt die frühe Identifikation von Förderbedarf noch stärker in den Fokus.
Frühe Förderung im Kanton St.Gallen
Seit 2015 verfolgt der Kanton eine gemeinsame Strategie zur frühen Förderung von Kindern ab Geburt bis zum Kindergarten. Angebote wie Familienzentren, Mütter- und Väterberatung oder Kindertagesstätten tragen zur Chancengerechtigkeit bei, stärken die Kinderrechte und machen St.Gallen zu einem attraktiven Wohnkanton für Familien.
Quelle: Kanton St.Gallen
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