Welpen erziehen: Was in den ersten 8 Wochen zuhause wirklich wichtig ist
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag elterntipps.ch Familie Familienleben Haustiere Hunde hundenews.ch Inspiration Lifestyle Magazine nachrichtenticker.ch Natur & Naturereignisse News Prävention Sicherheit Themen Tiere Tierwelt tierwelt.news Tipps Trends Zubehör Ⳇ Verbreitung
Ein Welpe zieht ein – und mit ihm eine Mischung aus unbändiger Freude, schlaflosen Nächten und tausend offenen Fragen. Was darf er? Was nicht? Wo soll er schlafen? Wann beginnt die Erziehung? Die Antwort auf die letzte Frage ist einfach: sofort. Denn die ersten acht Wochen zuhause sind die prägendsten im Leben eines Hundes.
Welpen befinden sich bis zur etwa 20. Lebenswoche in der sogenannten Prägephase – einer Zeit, in der das Gehirn besonders offen für neue Eindrücke, Bindungen und Regeln ist. Was in diesen Wochen gelernt wird, bleibt. Was verpasst wird, lässt sich nur mit grossem Aufwand nachholen. Das ist keine Drohung, sondern eine Einladung: Wer ruhig, konsequent und liebevoll von Anfang an führt, legt den Grundstein für einen ausgeglichenen Hund.
Der erste Tag: Ankommen lassen, nicht überfordern
Der erste Tag ist für den Welpen kein freudiges Ereignis – er ist ein Schock. Er verlässt seine Mutter, seine Geschwister, die vertrauten Gerüche und die einzige Welt, die er bisher kannte. Das sollten alle im Haushalt wissen und respektieren.
Die wichtigsten Regeln für den ersten Tag:
- Besuch verschieben: Grosseltern, Freunde, neugierige Nachbarn – alle können warten. Der erste Tag gehört dem Welpen und seiner neuen Familie
- Ruhig erkunden lassen: Den Welpen die Wohnung in seinem eigenen Tempo entdecken lassen – zunächst auf zwei bis drei Räume beschränken
- Nicht bedrängen: Kinder erklären, dass der Hund nicht ständig gerufen, getragen oder gestreichelt werden soll
- Gleich nach draussen: Direkt nach der Ankunft zum Löseplatz – das ist der Beginn der Stubenreinheit
Ein vertrauter Geruch hilft enorm: Wer den Züchter vor dem Einzug besucht und dem Welpen ein getragenes T-Shirt dalässt, gibt ihm beim Umzug etwas Vertrautes mit in die neue Welt.
Die erste Nacht: Konsequenz von Anfang an
Die erste Nacht ist für viele Hundehalter die härteste Probe. Ein Welpe, der jault, winselt und nicht aufhört – das geht ans Herz. Aber genau hier entscheidet sich, welche Gewohnheiten sich festigen.
Wo soll der Welpe schlafen? Das ist eine persönliche Entscheidung – aber sie muss von Anfang an konsequent durchgehalten werden. Ob Körbchen im Schlafzimmer, Hundebox neben dem Bett oder eigener Platz im Gang: Was in der ersten Nacht erlaubt ist, wird der Hund sein Leben lang einfordern. Eine Hundebox (Crate) hat sich als Schlafplatz bewährt, weil sie dem Welpen ein sicheres, höhlenartiges Gefühl gibt. Sie wird zunächst im Schlafzimmer aufgestellt, damit der Welpe die Nähe seines Menschen spürt.
Profi-Tipp: Eine Wärmflasche (gut eingewickelt) und ein Tuch mit dem Geruch der Mutterhündin im Körbchen reduzieren das Jammern in den ersten Nächten erheblich.
Wochen 1–2: Bindung aufbauen, Regeln setzen
In den ersten zwei Wochen geht es nicht darum, Kommandos zu üben. Es geht darum, Vertrauen aufzubauen und die wichtigsten Grundregeln des Zusammenlebens einzuführen. Der Welpe soll lernen: Hier bin ich sicher. Hier gibt es klare Abläufe. Hier weiss ich, was von mir erwartet wird.
Die drei wichtigsten Themen in dieser Phase:
- Stubenreinheit: Junge Hunde müssen sich etwa alle zwei Stunden lösen – nach dem Aufwachen, nach dem Fressen, nach dem Spielen. Wer konsequent nach draussen geht und jedes Mal draussen lobt, legt den Grundstein. Unfälle im Haus niemals bestrafen – einfach sauber machen und nächstes Mal schneller sein
- Schlafplatz akzeptieren: Der Welpe soll lernen, an seinem Platz zu ruhen – auch wenn rundherum etwas passiert. Das ist die Basis für alle spätere Entspannungsfähigkeit
- Name lernen: Den Namen immer fröhlich und positiv einsetzen. Nie für Schimpfen verwenden – der Name soll immer etwas Gutes bedeuten
Wochen 3–4: Sozialisation beginnt
Ab der dritten Woche im neuen Zuhause beginnt die aktive Sozialisation – und sie ist zeitkritisch. Bis zur 16. Lebenswoche ist das Gehirn des Welpen maximal offen für neue Eindrücke. Was er jetzt kennenlernt – Menschen, Kinder, andere Hunde, Fahrräder, Lärm, Treppen – wird er sein Leben lang als normal einordnen. Was er nicht kennenlernt, kann später zu Angst oder Aggression führen.
Wichtig: Sozialisation bedeutet nicht, den Welpen in jede Situation zu werfen. Es bedeutet, ihn dosiert und positiv an neue Eindrücke heranzuführen. Immer beobachten: Zeigt der Welpe Neugier oder Angst? Im Zweifel langsamer und mit mehr Abstand.
Wochen 5–8: Erste Übungen, Grenzen festigen
Jetzt kann mit einfachen Kommandos begonnen werden – in kurzen Einheiten von fünf bis zehn Minuten, immer mit positiver Verstärkung. Strafen und lautes Schelten sind kontraproduktiv: Sie schaden der Bindung und fördern Angst, nicht Lernbereitschaft.
- „Sitz»: Das erste Kommando, das fast jeder Welpe schnell begreift – mit einem Leckerli über den Kopf geführt, setzt er sich fast von selbst
- „Hier» / „Komm»: Der Rückruf ist das wichtigste Kommando überhaupt – immer feiern, wenn der Welpe kommt, nie schimpfen beim Ankommen
- Alleine bleiben lernen: Langsam und schrittweise aufbauen – erst wenige Minuten, dann länger. Wer diesen Schritt überspringt, riskiert Trennungsangst
- Leinenführigkeit: Erste Gehversuche an der Leine – locker, ohne Zerren, mit viel Lob
Wichtig für die Schweiz: Welpen müssen bis zur 12. Lebenswoche bei der Gemeinde angemeldet werden. Viele Kantone schreiben zudem den Besuch eines Hundekurses vor – informiere dich frühzeitig bei der Gemeindeverwaltung.
Was viele unterschätzen: Ruhephasen
Welpen brauchen bis zu 20 Stunden Schlaf pro Tag. Wer seinen Welpen ständig bespielen, streicheln und beschäftigen möchte, tut ihm keinen Gefallen. Zu wenig Schlaf macht Welpen überdreht, reizbar und schwer erziehbar. Erzwungene Ruhephasen – also Zeiten, in denen der Welpe an seinem Platz liegt und nicht gespielt wird – sind kein Herzlosigkeit, sondern eine wichtige Erziehungsmassnahme.
Video-Tipp: Welpenerziehung vom ersten Tag an
Wer die wichtigsten Schritte der Welpenerziehung einmal kompakt und praxisnah erklärt bekommen möchte, dem empfehlen wir dieses aktuelle Video aus dem Jahr 2024 mit hilfreichen Tipps für die ersten Wochen mit dem neuen Vierbeiner:
Fazit
Die ersten acht Wochen mit einem Welpen sind intensiv, manchmal anstrengend – und unglaublich prägend. Wer in dieser Phase ruhig bleibt, konsequent Regeln einführt und gleichzeitig eine liebevolle Bindung aufbaut, investiert in einen Hund, der sein Leben lang ausgeglichen, sicher und verlässlich ist. Der grösste Fehler wäre, die Erziehung auf später zu verschieben. Denn später ist bei Hunden eine deutlich härtere Schule.
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