Neues Hobby finden: Wie Eltern unterstützen können – Angebote von Sport bis Kreativität

Ein neues Hobby zu finden, klingt für Erwachsene oft simpel – für Jugendliche ist es das selten. Zwischen Schule, ersten eigenen Interessen und dem Wunsch, dazuzugehören, fällt die Suche nach der passenden Freizeitbeschäftigung vielen Teenagern gar nicht so leicht. Eltern können dabei unterstützen, ohne die Entscheidung selbst zu treffen.

Gemäss der Studie «Sport Schweiz 2020» sind 10- bis 14-Jährige in der Schweiz in ihrer Freizeit im Schnitt 7,5 Stunden pro Woche sportlich aktiv – die Bandbreite zwischen einzelnen Jugendlichen ist dabei aber gross. Auch bei den mediennahen Aktivitäten zeigen sich klare Unterschiede: Laut einer ZHAW-Erhebung spielen 65 Prozent der befragten Jungen täglich oder mehrmals wöchentlich Videogames, bei den Mädchen sind es 19 Prozent; Mädchen hören dafür häufiger Musik, schauen oder drehen Videos oder lesen. Ein Hobby muss also nicht ins gängige Klischee passen, um sinnvoll zu sein.

Warum ein Hobby für Jugendliche wichtig ist

Ein Hobby bietet Jugendlichen weit mehr als reinen Zeitvertreib. Es schafft einen Ausgleich zum Schulalltag, ermöglicht Erfolgserlebnisse ausserhalb von Noten und hilft dabei, eigene Stärken und Interessen jenseits der Familie zu entdecken. Gerade in der Pubertät, wenn sich die eigene Identität neu formt, können Hobbys zu einem wichtigen Anker werden – sei es durch die Gemeinschaft in einem Verein, durch kreativen Ausdruck oder durch das Gefühl, in etwas wirklich gut zu werden.


Schnupperkurse und Vereinstrainings helfen, neue Sportarten unverbindlich auszuprobieren.

Wie Eltern die Suche unterstützen können, ohne zu drängen

Der Wunsch, dem eigenen Kind zu einem erfüllenden Hobby zu verhelfen, ist verständlich – trotzdem lohnt sich Zurückhaltung. Ein von aussen aufgedrücktes Hobby wird selten zu echter Begeisterung. Hilfreicher ist es, offene Fragen zu stellen: Was hat dem Kind als Kleinkind Spass gemacht? Wofür interessiert es sich gerade, auch wenn es noch kein konkretes Hobby ist? Wichtig ist zudem, mehrere Anläufe und auch Enttäuschungen zuzulassen: Nicht jedes ausprobierte Hobby wird zum Dauerbrenner, und das ist normal. Wer als Elternteil selbst mit Begeisterung eigenen Interessen nachgeht, wirkt zudem oft inspirierender als jede direkte Aufforderung.

Sport- und Bewegungsangebote entdecken

Für sportlich interessierte Jugendliche lohnt sich der Blick auf Jugend+Sport (J+S), das grösste Sportförderprogramm der Schweiz für 5- bis 20-Jährige. Über J+S werden Kurse und Lager in zahlreichen Sportarten subventioniert und von speziell ausgebildeten Leiterinnen und Leitern durchgeführt – aktuell gibt es in der Schweiz über 100’000 Personen mit J+S-Leiteranerkennung. Viele Gemeinden und Kantone bieten darüber hinaus eigene Programme an, etwa kostenlose Feriensportwochen oder Schnupperkurse in Sportarten wie Fechten, Boxen oder Klettern, mit denen sich neue Interessen unverbindlich ausprobieren lassen. Einige Städte betreiben zudem spezielle Anlaufstellen, die gezielt bei der Suche nach einem passenden Verein und den anfallenden Kosten beraten.

Kreative und musische Hobbys

Nicht jedes Kind findet seinen Ausgleich im Sport. Musikschulen, Theatergruppen, Zeichen- und Fotografiekurse oder das Erlernen eines Instruments bieten einen ebenso wertvollen kreativen Rahmen. Gerade introvertiertere Jugendliche blühen häufig in solchen Umgebungen auf, in denen individueller Ausdruck statt Wettbewerb im Vordergrund steht. Auch das Schreiben, sei es in Form von Geschichten, Songtexten oder einem eigenen Blog, zählt zu den unterschätzten kreativen Hobbys, die sich fast ohne Kosten ausprobieren lassen.


Ein neues Hobby zu finden, ist für Jugendliche oft ein Prozess aus Ausprobieren und Vertiefen.

Digitale und technische Interessen sinnvoll einbinden

Gaming, Programmieren oder das Erstellen eigener Videos gelten manchen Eltern zunächst als reine Bildschirmzeit – dabei lassen sich viele dieser Interessen in ein echtes Hobby mit Tiefgang verwandeln. Wer gerne spielt, findet in Jugendtreffs oder lokalen Gaming-Communities häufig auch ein soziales Umfeld dazu. Wer sich für Technik begeistert, kann über Jugendkurse in Robotik, Programmieren oder Elektronik ein Hobby mit klarem Lernwert entdecken. Entscheidend ist weniger, ob ein Hobby am Bildschirm stattfindet, sondern ob es aktiv gestaltet statt nur konsumiert wird.

Soziales Engagement als Hobby

Für manche Jugendliche liegt die grösste Erfüllung nicht im eigenen Tun, sondern im Engagement für andere. Jugendverbände wie Pfadi, Jubla oder Cevi bieten Gemeinschaft, Verantwortung und Aussenaktivitäten in einem Paket, oft verbunden mit der Möglichkeit, selbst irgendwann eine Leitungsrolle zu übernehmen. Auch die freiwillige Mitarbeit in J+S-Lagern als angehende Leiterin oder Leiter ab einem gewissen Alter kann ein sinnstiftendes Hobby werden, das gleichzeitig wertvolle Führungserfahrung vermittelt.

Wenn das erste Hobby nicht passt

Nicht jeder erste Versuch führt zum passenden Hobby, und das ist kein Grund zur Sorge. Jugendliche entwickeln sich rasch weiter, und Interessen verändern sich entsprechend. Statt ein einmal begonnenes Hobby um jeden Preis durchzuziehen, hilft es, gemeinsam offen zu besprechen, was gefallen hat und was nicht – und daraus die nächste Richtung abzuleiten. Schnupperkurse und zeitlich begrenzte Kurzlager eignen sich besonders gut, um verschiedene Optionen mit wenig Verbindlichkeit auszuprobieren, bevor eine langfristige Entscheidung ansteht.

Video-Tipp: So funktioniert Jugend+Sport

Wie das grösste Sportförderprogramm der Schweiz funktioniert und welche Möglichkeiten es für Jugendliche bietet, zeigt dieses offizielle Video von Jugend+Sport.



Fazit

Das passende Hobby für einen Jugendlichen zu finden, ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess aus Ausprobieren, Verwerfen und Weitersuchen. Eltern können diesen Prozess am besten unterstützen, indem sie Angebote aufzeigen, echtes Interesse zeigen und Rückschläge aushalten, statt eine schnelle Lösung zu erzwingen. Ob Sport, Musik, Technik oder soziales Engagement: Am Ende zählt weniger, welches Hobby es wird, sondern dass die Jugendlichen dabei wirklich sich selbst entdecken können.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © New Africa/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © VH-studio/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © Media_Photos/Shutterstock.com

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