Der Alpensalamander: Ein aussergewöhnliches Leben hoch in den Bergen

Ein glänzend schwarzer Körper, kräftige Beine und ein Leben zwischen feuchten Bergwiesen, Wurzeln und Felsspalten: Der Alpensalamander gehört zu den ungewöhnlichsten Wildtieren der Schweiz. Besonders erstaunlich ist seine Fortpflanzung. Das Weibchen legt weder Eier noch Larven in einem Gewässer ab. Nach einer mehrjährigen Tragzeit bringt es vollständig entwickelte Jungtiere an Land zur Welt.

Der Alpensalamander ist damit hervorragend an das Gebirge angepasst. Trotzdem bleibt er auf kühle und feuchte Lebensräume angewiesen. Wer ihm nach einem sommerlichen Regen auf einem Wanderweg begegnet, sollte deshalb Abstand halten und dem kleinen Bergbewohner freie Bahn lassen.

Ein schwarzer Lurch mit unverwechselbarem Aussehen

Der Alpensalamander trägt den wissenschaftlichen Namen Salamandra atra. Ausgewachsene Tiere erreichen meist eine Länge von 9 bis 13 Zentimetern. Grosse Weibchen können bis zu 15 Zentimeter lang werden.

Sein Körper ist auf Ober- und Unterseite glänzend schwarz. Gelbe Flecken, wie sie der Feuersalamander besitzt, fehlen vollständig. Der schlanke Rumpf wirkt durch die gut sichtbaren Rippenfurchen deutlich gegliedert. Hinter den hervortretenden Augen liegen zwei grosse Ohrdrüsen. Weitere Drüsen verlaufen in Reihen über Rücken und Körperseiten.

Der Schwanz ist im Querschnitt annähernd rund und nicht seitlich abgeflacht. Damit unterscheidet sich der Alpensalamander von den Molchen, die einen grossen Teil ihres Lebens im Wasser verbringen.


Der glänzend schwarze Körper, die deutlich sichtbaren Rippenfurchen und die grossen Drüsen hinter den Augen gehören zu den typischen Merkmalen des Alpensalamanders.

Wo lebt der Alpensalamander in der Schweiz?

Sein Schweizer Verbreitungsgebiet beginnt in den Waadtländer Alpen östlich des Rhonetals. Von dort zieht es sich durch die nördlichen Alpen über die Zentralschweiz, die Kantone Schwyz und Glarus sowie das Säntisgebiet nach Osten weiter.

Die meisten Nachweise stammen aus Höhen zwischen 800 und 2’000 Metern. Einzelne Tiere wurden auf bis zu 2’430 Metern über Meer gefunden. Rund um den Walensee steigt die Art dagegen bis auf ungefähr 420 Meter hinab. Weitere tiefe Vorkommen bestehen unter anderem entlang von Saane, Sense, Emme und Sihl.

In trockenen inneralpinen Tälern ist der Alpensalamander deutlich seltener. Das betrifft beispielsweise grosse Teile des Wallis und des Engadins. Aus dem nördlichsten Tessin liegen lediglich ältere, seit längerer Zeit nicht bestätigte Meldungen vor.

Feuchte Verstecke sind wichtiger als ein Teich

Der Alpensalamander ist das einzige Schweizer Amphib, das sich vollständig vom offenen Wasser gelöst hat. Er ist sogar ein schlechter Schwimmer. Für seine Fortpflanzung benötigt er weder Teich noch Bach. Feuchtigkeit bleibt für ihn dennoch lebenswichtig.

Geeignete Lebensräume besitzen einen kühlen, feuchten Boden und zahlreiche Verstecke. Dazu gehören:

  • strukturreiche Alpweiden und Bergwiesen;
  • feuchte Laub- und Mischwälder;
  • Waldränder, Lichtungen und Windwurfflächen;
  • Schutt- und Geröllhalden;
  • Schluchten und Bachränder;
  • Wurzelteller, Totholz und tiefe Felsspalten.

Auf Kalkgestein kommt die Art häufiger vor als auf Granit oder Gneis. Reine Nadelwälder werden weniger stark genutzt als abwechslungsreiche Mischwälder. Entscheidend ist ein Netzwerk aus Hohlräumen, in das sich die Tiere bei Trockenheit, Hitze und Kälte zurückziehen können.


Zwei Alpensalamander begegnen sich auf einem feuchten Bergweg in den Berner Alpen. Beobachtungen gelingen besonders häufig nach Regenfällen und während der Fortpflanzungszeit.

Warum man ihn meistens nach einem Gewitter sieht

Den grössten Teil seines Lebens verbringt der Alpensalamander im Untergrund. Bei trockenem oder windigem Wetter bleibt er verborgen. Besonders gute Beobachtungschancen bestehen während eines kurzen Gewitterregens oder unmittelbar davor. Auch am frühen Morgen, wenn der Boden noch feucht vom Tau ist, kommen die Tiere gelegentlich aus ihren Verstecken.

Länger anhaltender Regen führt nicht automatisch zu mehr Sichtungen. Bei durchnässtem Boden ziehen sich die Salamander teilweise wieder zurück.

In tieferen Lagen beginnt ihre jährliche Aktivität ungefähr im Mai. Im Gebirge erscheinen sie oft erst mehrere Wochen nach der Schneeschmelze. Paarungen häufen sich im Juni. Bei ausreichender Feuchtigkeit bleiben die Tiere auch im Juli und August aktiv. Ab September ziehen sich viele Alpensalamander wieder in ihre unterirdischen Quartiere zurück.

Begegnungen lassen sich nicht zuverlässig planen. Wanderer sollten zudem keinesfalls während eines Gewitters im offenen oder ausgesetzten Gelände nach Salamandern suchen.

Eine Tragzeit von mehreren Jahren

Die Fortpflanzung macht den Alpensalamander zu einer biologischen Ausnahmeerscheinung. Die Paarung findet vollständig an Land statt. Das Männchen setzt ein Samenpaket auf dem Boden ab, das vom Weibchen aufgenommen und in einem speziellen Samenbehälter gespeichert wird.

Ein Weibchen produziert rund 50 Eier. Normalerweise entwickeln sich davon jedoch lediglich zwei. Die gesamte Entwicklung der Jungen findet im Körper der Mutter statt.

Zunächst ernähren sich die Embryonen von den übrigen Eiern, die zu einer nährstoffreichen Masse zerfallen. Später bildet die Gebärmutterwand besondere Nährzellen. Die Larven besitzen im Mutterleib vorübergehend kräftige Kiemen. Diese bilden sich bis zur Geburt weitgehend zurück.

Wie lange die Entwicklung dauert, hängt stark von der Höhenlage und den Temperaturen ab:

  • unterhalb von 1’000 Metern ungefähr zwei Jahre;
  • zwischen 1’000 und 2’000 Metern meist drei Jahre;
  • in besonders hohen Lagen vermutlich vier Jahre oder länger.

Am Ende bringt das Weibchen gewöhnlich zwei vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt. Sie sind bereits etwa 4,5 bis 5 Zentimeter lang und sehen wie kleine Ausgaben ihrer Eltern aus. Diese aussergewöhnlich lange Tragzeit gilt als die längste bekannte Tragzeit eines Landwirbeltiers.

Nur wenige Junge während eines ganzen Lebens

Alpensalamander werden je nach Lebensraum ungefähr im Alter von zwei bis fünf Jahren geschlechtsreif. Weibchen bringen meist nur alle drei oder vier Jahre Junge zur Welt. Selbst ein langlebiges Tier produziert daher vergleichsweise wenig Nachwuchs.

Diese langsame Fortpflanzung funktioniert, solange viele erwachsene Tiere überleben. Verluste durch Verkehr, bauliche Eingriffe oder die Zerstörung von Verstecken lassen sich dagegen nur sehr langsam ausgleichen.

Beobachtungen von zwei Alpensalamandern müssen übrigens nicht zwingend eine Paarung zeigen. Männchen können sich gegenseitig verfolgen, umklammern oder bedrängen. Ob es sich dabei um Rivalenkämpfe, territoriales Verhalten oder eine andere Form der gegenseitigen Prüfung handelt, ist noch nicht vollständig geklärt.

Was der Alpensalamander frisst

Der kleine Bergjäger ist wenig wählerisch. Er erbeutet Tiere, die er überwältigen und verschlucken kann. Auf seinem Speiseplan stehen unter anderem Käfer, Fliegen und Insektenlarven, Würmer, Tausendfüsser, Spinnen, Asseln und kleine Schnecken.

Die Beute wird mit den Augen, über Gerüche und durch Berührungsreize erkannt. Anschliessend schnellt die klebrige Zunge hervor. Grössere Beutetiere packt der Salamander direkt mit dem Maul.

Strukturreiche Bergwiesen und Wälder bieten mehr Nahrung als stark vereinheitlichte Flächen. Totholz, Laub, feuchte Bodenstellen und unterschiedliche Pflanzen fördern zahlreiche Kleintiere. Weshalb gerade unscheinbare Arten für das ökologische Gleichgewicht wichtig sind, zeigt der Beitrag über die Bedeutung kleiner einheimischer Tiere.

Die glänzende Haut dient der Abwehr

Die Drüsen des Alpensalamanders können ein milchiges Hautsekret abgeben. Es schützt die Haut unter anderem vor Bakterien und Pilzen. Gleichzeitig dient es der Abwehr von Fressfeinden und kann Schleimhäute stark reizen.

Für Menschen stellt ein ungestörter Alpensalamander keine Gefahr dar. Das Tier darf jedoch nicht angefasst werden. Nach einem versehentlichen Kontakt sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Augen und Mund dürfen vorher nicht berührt werden. Hunde müssen daran gehindert werden, Salamander aufzunehmen oder abzulecken.

Auch der Salamander selbst kann durch Berührungen geschädigt werden. Amphibien besitzen eine empfindliche Haut, über die sie Wasser und weitere Stoffe aufnehmen.


Auf einem feuchten, steinigen Wanderweg ist der dunkle Alpensalamander leicht zu übersehen. Nach Regen sollten Wanderer und Velofahrer deshalb besonders aufmerksam sein.

Warum die Art trotz ihres Status Schutz braucht

Der Alpensalamander wird in der aktuellen Schweizer Roten Liste als «nicht gefährdet» eingestuft. Sein genauer Bestand lässt sich allerdings nur schwer erfassen. Die Tiere leben versteckt, erscheinen unregelmässig an der Oberfläche und können an einem trockenen Tag selbst in gut besiedelten Gebieten vollständig unsichtbar bleiben.

Regional können verschiedene Belastungen auftreten:

  • Verkehr auf Bergstrassen und Forstwegen;
  • Verlust von feuchten Verstecken und Totholz;
  • intensive Beweidung, die den Boden stark verdichtet;
  • Zerschneidung zusammenhängender Lebensräume;
  • Ausbau von Wegen, Anlagen und touristischer Infrastruktur;
  • lange Trockenphasen und Veränderungen des lokalen Mikroklimas;
  • eingeschleppte Krankheitserreger wie der Salamander-Chytridpilz Bsal.

Der Pilz Bsal wurde beim Alpensalamander im Freiland bislang nicht nachgewiesen. Laboruntersuchungen zeigen jedoch, dass die Art grundsätzlich empfänglich sein kann. Tiere sollten deshalb niemals zwischen verschiedenen Fundorten umgesetzt werden.

Intakte Bergwälder, feuchte Wiesen und störungsarme Rückzugsräume helfen vielen Arten gleichzeitig. Wie Rücksichtnahme in empfindlichen Gebieten organisiert werden kann, erklärt der aktuelle Beitrag über Wildruhezonen und den Schutz natürlicher Lebensräume.

So verhalten Sie sich bei einer Begegnung

  • Bleiben Sie stehen und lassen Sie dem Tier genügend Platz.
  • Fassen Sie den Salamander nicht an.
  • Versperren Sie ihm nicht den Weg zum nächsten Versteck.
  • Halten Sie Hunde an kurzer Leine und Kinder auf Abstand.
  • Bewegen Sie keine Steine, um weitere Tiere zu suchen.
  • Achten Sie auf Bergwegen und wenig befahrenen Strassen auf zusätzliche Salamander.
  • Fotografieren Sie ohne Blitz und aus ausreichender Entfernung.
  • Melden Sie eine Beobachtung mit Ort, Datum und Foto über die Meldeplattform von info fauna.

Ein Tier sollte auch dann nicht eigenmächtig umgesetzt werden, wenn es an einer ungünstigen Stelle sitzt. Besteht eine unmittelbare Gefahr, empfiehlt sich die Rücksprache mit einer regionalen Amphibienfachstelle.

Lurch des Jahres 2026

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde hat den Alpensalamander zum «Lurch des Jahres 2026» gewählt. Unterstützt wird die Aktion unter anderem von der Schweizer Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz.

Im Mittelpunkt stehen seine einzigartige Fortpflanzung und die Verletzlichkeit alpiner Lebensräume. Der Alpensalamander zeigt besonders eindrücklich, wie eng eine Tierart an Feuchtigkeit, Bodentemperatur und kleinräumige Verstecke gebunden sein kann.

Video-Tipp: Unterwegs für den Alpensalamander

Ein Beitrag des Bayerischen Rundfunks begleitet Fachleute bei der Suche nach Alpensalamandern und zeigt, wie Beobachtungen für den Schutz der Art erfasst werden.



Fazit

Der Alpensalamander hat sich auf erstaunliche Weise an das Leben im Gebirge angepasst. Er benötigt kein Gewässer für seine Fortpflanzung, übersteht lange Winter unter der Erde und bringt nach mehreren Jahren vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt.

Seine Unabhängigkeit vom Wasser darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, wie empfindlich er auf Veränderungen seines Lebensraums reagiert. Feuchte Böden, Spalten, Wurzeln, Totholz und zusammenhängende Berglandschaften bilden seine Lebensgrundlage.

Wer nach einem Regen einem glänzend schwarzen Salamander begegnet, erlebt deshalb einen selten sichtbaren Teil der Schweizer Bergwelt. Ein kurzer Blick aus respektvoller Entfernung genügt. Danach sollte das kleine Regenmandl seinen Weg ungestört fortsetzen können.

 

Bildquellen: Bild 1: © Mathias Möller/iStock.com; Bild 2: © HWall/Shutterstock.com; Bild 3: © Sschame/Shutterstock.com; Bild 4: © Sschame/Shutterstock.com

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