Augenkrankheiten bei Katzen: Symptome, Behandlung und Tipps für Familien

Gerötete Lider, Ausfluss oder häufiges Blinzeln wirken anfangs oft harmlos. Hinter solchen Veränderungen können bei Katzen jedoch schmerzhafte Hornhautverletzungen, Infektionen, eine Entzündung im Augeninnern oder ein erhöhter Augeninnendruck stecken. Einige Erkrankungen schreiten rasch voran und können das Sehvermögen dauerhaft schädigen.

Die Behandlung richtet sich nach der betroffenen Augenstruktur und der Ursache. Eine sorgfältige Untersuchung ist deshalb wichtiger als die Farbe des Ausflusses oder die Vermutung, es handle sich bloss um eine Bindehautentzündung. Verordnete Augentropfen wirken nur zuverlässig, wenn Präparat, Dosierung, Hygiene und Anwendung stimmen.

Warum Augenprobleme bei Katzen rasch abgeklärt werden sollten

Das Katzenauge besteht aus mehreren empfindlichen Strukturen. Die durchsichtige Hornhaut bildet die äussere Vorderfläche. Hinter ihr liegen die mit Kammerwasser gefüllte vordere Augenkammer, Iris, Pupille und Linse. Netzhaut und Sehnerv wandeln einfallendes Licht in Signale für das Gehirn um.

Zusätzlich besitzen Katzen eine Nickhaut. Dieses dritte Augenlid liegt normalerweise weitgehend verborgen im inneren Augenwinkel. Es schützt die Oberfläche und verteilt Tränenflüssigkeit. Eine dauerhaft sichtbare Nickhaut ist keine eigenständige Diagnose. Sie kann bei Augenschmerzen, Entzündungen, Allgemeinerkrankungen oder einem eingesunkenen Augapfel hervortreten.

Viele verschiedene Krankheiten verursachen ähnliche Beschwerden. Tränenfluss kann auf eine leichte Reizung, einen verstopften Tränenweg, eine Hornhautverletzung oder eine schmerzhafte Entzündung im Augeninnern hinweisen. Auch eine scheinbar typische Bindehautentzündung lässt sich daher nicht allein anhand eines Fotos zuverlässig beurteilen.

Katzen verbergen Schmerzen häufig. Ein halb geschlossenes Auge, häufiges Blinzeln oder der Rückzug in einen dunklen Raum können bereits deutliche Schmerzzeichen sein. Eine frühzeitige Untersuchung verbessert die Aussicht, behandelbare Schäden zu begrenzen.



Das Video „Augentropfen bei Katzen – ganz ohne Drama? Geht das? Ja!“ des Zentrums für Tiergesundheit zeigt in kompakter Form, wie Augentropfen bei einer Katze verabreicht werden.


Warnzeichen: Wann ein Augennotfall vorliegen kann

Ein Auge, das plötzlich verändert aussieht oder nicht mehr geöffnet wird, sollte noch am selben Tag tierärztlich beurteilt werden. Ausserhalb der Praxiszeiten kann je nach Schweregrad eine Notfallklinik erforderlich sein.

Besonders dringlich sind:

  • plötzliche Blindheit, Orientierungslosigkeit oder Zusammenstösse mit Gegenständen
  • ein dauerhaft geschlossenes oder stark zusammengekniffenes Auge
  • eine blau, weiss oder milchig wirkende Hornhaut
  • eine deutlich erweiterte, starre oder plötzlich ungleich grosse Pupille
  • ein sichtbar vergrösserter oder hervortretender Augapfel
  • Blut im Auge oder eine offene Verletzung
  • ein festsitzender Fremdkörper
  • starke Schwellung nach Unfall, Kampf oder Sturz
  • Kontakt mit Reinigungsmitteln oder anderen reizenden Substanzen
  • rasch zunehmende Rötung, Schmerzen oder eitriger Ausfluss

Feststeckende Fremdkörper dürfen nicht herausgezogen werden. Ebenso sollte kein Druck auf einen verletzten Augapfel ausgeübt werden. Reibt die Katze mit der Pfote am Auge, kann eine korrekt angepasste Halskrause weitere Schäden verhindern. Der Transport erfolgt möglichst ruhig in einer geschlossenen Box. Weitere Grundlagen zur Einschätzung akuter Situationen vermittelt der belmedia-Beitrag über Erste Hilfe und Notfälle bei Katzen.



Häufige Augenkrankheiten bei Katzen

Bindehautentzündung

Die Bindehaut kleidet die Innenseite der Lider aus und bedeckt Teile des Augapfels. Bei einer Konjunktivitis ist sie gerötet, geschwollen oder wulstig. Hinzu kommen Tränenfluss, Schleim, häufiges Blinzeln und mitunter eine hervortretende Nickhaut.

Bei Katzen spielen infektiöse Ursachen eine grosse Rolle. Das feline Herpesvirus Typ 1 kann akute und wiederkehrende Bindehaut- sowie Hornhautentzündungen auslösen. Nach der Erstinfektion verbleibt das Virus meist dauerhaft im Körper. Stress, Krankheit oder bestimmte Medikamente können eine erneute Aktivierung begünstigen.

Auch das Bakterium Chlamydia felis verursacht Bindehautentzündungen, besonders bei jungen Katzen und in Haushalten mit mehreren Tieren. Häufig beginnt die Erkrankung einseitig und erfasst später beide Augen. Mykoplasmen können ebenfalls beteiligt sein. Die Erreger unterscheiden sich in ihrer Behandlung, weshalb ein Antibiotikum nicht automatisch die richtige Antwort auf jedes gerötete Auge ist.

Nichtinfektiöse Auslöser umfassen Fremdkörper, Staub, Rauch, Lidfehlstellungen und Reizungen durch chemische Substanzen. Allergien sind bei Katzen als alleinige Ursache einer ausgeprägten Bindehautentzündung weniger typisch als bei Menschen.


Bei dieser Katze sind ein gerötetes, geschwollenes Auge und Hautveränderungen im Gesicht sichtbar. Ähnliche Befunde können mehrere Ursachen haben und erlauben ohne Untersuchung keine sichere Diagnose.

Hornhautverletzung und Hornhautgeschwür

Die Hornhaut ist dicht mit Nerven versorgt. Bereits kleine Kratzer können starke Schmerzen, Tränenfluss, Lichtscheu und krampfhaftes Blinzeln verursachen. Verletzungen entstehen beispielsweise bei Kämpfen, durch Pflanzenteile, Fremdkörper oder fehlerhaft stehende Wimpern und Lider.

Ein Hornhautgeschwür ist ein Defekt der Hornhautoberfläche. Oberflächliche Defekte können bei passender Behandlung gut heilen. Tiefe oder infizierte Geschwüre können sich dagegen ausweiten und im Extremfall zum Durchbruch der Hornhaut führen.

Felines Herpesvirus ist eine wichtige Ursache wiederkehrender Hornhautschäden. Bestimmte verzweigte Defekte der Hornhautoberfläche sind für eine aktive Herpesinfektion besonders verdächtig. Sekundäre bakterielle Infektionen können die Schädigung verschärfen.

Zum Nachweis wird Fluoreszein verwendet: Ein Farbstoff haftet an verletzten Bereichen, während eine intakte Hornhaut ihn nicht aufnimmt. Entzündungshemmende Augentropfen mit Kortikosteroiden dürfen bei einem Hornhautgeschwür grundsätzlich nicht ohne klare tierärztliche Indikation eingesetzt werden. Sie können die Heilung verzögern und eine gefährliche Auflösung des Hornhautgewebes fördern.

Hornhautsequester

Der Hornhautsequester kommt nur bei Katzen vor. Dabei stirbt ein begrenzter Bereich der Hornhaut ab und erscheint braun bis schwarz. Der Fleck liegt meist zentral oder nahe der Mitte des Auges. Begleitend können Blutgefässe einwachsen, die Hornhaut kann sich trüben und das Auge schmerzen.

Grundsätzlich kann jede Katze betroffen sein. Bei Perser-, Himalaya- und weiteren kurzköpfigen Katzen wird die Erkrankung häufiger beobachtet. Chronische Hornhautreizung, anatomische Besonderheiten und feline Herpesviren können eine Rolle spielen.

Kleine, oberflächliche Veränderungen werden je nach Befund überwacht oder medikamentös begleitet. Schmerzhafte, tiefe oder fortschreitende Sequester müssen häufig mikrochirurgisch entfernt werden. Bei grösseren Defekten kann zusätzlich eine Gewebedeckung nötig sein.

Eosinophile Keratitis

Die eosinophile Keratitis ist eine entzündliche Hornhauterkrankung der Katze. Typisch sind unregelmässige weissliche bis rosafarbene Auflagerungen, oberflächliche Blutgefässe und eine zunehmend getrübte Hornhaut. Manche Veränderungen erinnern an körniges oder käsiges Material.

Die Diagnose wird häufig mit einer Zellprobe von der Hornhaut oder Bindehaut abgesichert. Darin lassen sich charakteristische Entzündungszellen nachweisen. Ein Zusammenhang mit felinen Herpesviren wird diskutiert, ist aber nicht in jedem Fall eindeutig.

Die Behandlung muss individuell geplant und oft über längere Zeit fortgesetzt werden. Da immunhemmende Medikamente bei einer aktiven Herpesinfektion problematisch sein können, gehören Diagnose und Verlaufskontrolle in tierärztliche Hände.

Uveitis: Entzündung im Augeninnern

Die Uvea umfasst Iris, Ziliarkörper und Aderhaut. Entzündet sich dieses Gewebe, kann das Auge schmerzen und lichtempfindlich werden. Die Pupille ist häufig eng. Weitere mögliche Zeichen sind eine trübe vordere Augenkammer, Farbveränderungen der Iris, Rötung, Einblutungen und eine verminderte Sehleistung.

Uveitis ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Reaktionsmuster. Mögliche Ursachen sind Verletzungen, Tumoren, Immunreaktionen und Infektionen. Unter anderem kommen FIP, FeLV, FIV, Toxoplasmose und regional vorkommende Pilzerkrankungen infrage. In einem Teil der Fälle bleibt die genaue Ursache trotz Untersuchung offen.

Bei einer okulären FIP können Entzündungen, Einblutungen und Pupillenveränderungen auftreten. Eine verständliche Einordnung der verschiedenen Krankheitsformen bietet der belmedia-Artikel über Symptome, Diagnose und Behandlung der felinen infektiösen Peritonitis.

Unbehandelte Uveitis kann Verklebungen im Auge, Linsentrübungen, Netzhautschäden oder ein sekundäres Glaukom verursachen. Neben der Kontrolle der Entzündung muss deshalb nach einer möglichen Grunderkrankung gesucht werden.

Glaukom

Beim Glaukom schädigt ein zu hoher Augeninnendruck Netzhaut und Sehnerv. Das primäre, erblich bedingte Glaukom ist bei Katzen selten. Häufiger entsteht der Druckanstieg als Folge einer anderen Erkrankung, etwa einer Uveitis, einer Linsenverlagerung, eines Tumors oder einer Blutung.

Anzeichen können zunächst unauffällig sein. Möglich sind eine erweiterte Pupille, Hornhauttrübung, Rötung, Schmerzen und nachlassende Aktivität. Bei längerem Verlauf kann sich der Augapfel vergrössern. Bereits verlorenes Sehvermögen lässt sich oft nicht wiederherstellen.

Der Druck wird mit einem Tonometer gemessen. Drucksenkende Medikamente sollen Schmerzen reduzieren und verbliebene Sehfunktion schützen. Reicht die medikamentöse Behandlung bei einem dauerhaft blinden und schmerzhaften Auge nicht aus, kann eine Operation bis hin zur Entfernung des Auges erforderlich werden. Katzen kommen mit einem schmerzfreien Auge oder vollständiger Blindheit meist besser zurecht als mit chronischen Augenschmerzen.

Linsentrübung und Netzhauterkrankungen

Eine Katarakt ist eine Trübung der Linse. Sie kommt bei Katzen seltener vor als bei Hunden und kann infolge von Entzündungen, Verletzungen, Stoffwechselstörungen oder erblichen Veränderungen entstehen. Nicht jede graue Trübung im Auge ist eine Katarakt: Auch die Hornhaut oder die vordere Augenkammer kann getrübt sein.

Besonders wichtig ist die Netzhaut bei älteren Katzen. Systemischer Bluthochdruck kann Blutungen und Netzhautablösungen verursachen. Betroffene Katzen wirken plötzlich orientierungslos, stossen an Möbel oder zeigen stark erweiterte Pupillen. Chronische Nierenerkrankungen und Schilddrüsenüberfunktion gehören zu den häufigen Begleiterkrankungen eines erhöhten Blutdrucks.

Eine rasche Blutdrucksenkung kann weitere Schäden begrenzen. Ob sich abgelöste Netzhaut wieder anlegt und Sehvermögen zurückkehrt, hängt von Ausmass und Dauer der Schädigung ab. Bei älteren Katzen sowie bei Nieren-, Herz- oder Schilddrüsenerkrankungen gehört die Blutdruckmessung daher zur sinnvollen Abklärung.

Lidfehlstellungen, Nickhautveränderungen und Tumoren

Beim Entropium rollt sich ein Lidrand nach innen. Haare reiben dadurch über die Hornhaut und können dauerhafte Defekte verursachen. Die Fehlstellung kann angeboren sein oder infolge chronischer Schmerzen und eines eingesunkenen Auges entstehen. Ausgeprägte Fälle werden operativ korrigiert.

Eine vorgefallene Nickhaut kann einseitig auf lokale Schmerzen oder eine Nervenstörung hinweisen. Beidseitige Veränderungen treten auch bei Allgemeinerkrankungen auf. Beim sogenannten Haw-Syndrom stehen beide Nickhäute vor, häufig ohne eigentliche Augenerkrankung. Die Diagnose darf dennoch erst nach Ausschluss ernster Ursachen gestellt werden.

Pigmentflecken auf der Iris können gutartige Altersveränderungen sein. Wachsen sie, werden sie erhaben oder verändern sie die Pupillenform, muss ein Irismelanom ausgeschlossen werden. Regelmässige Vergleichsfotos können den Verlauf dokumentieren, ersetzen aber keine Untersuchung.

So wird ein krankes Katzenauge untersucht

Zu Beginn stehen Vorgeschichte und Beobachtung. Wichtig sind Dauer, ein- oder beidseitiges Auftreten, Schmerzen, Verletzungen, frühere Herpesepisoden, Medikamente sowie begleitendes Niesen, Fieber, Gewichtsverlust oder verändertes Trinkverhalten.

Anschliessend werden Lider, Nickhaut, Bindehaut, Hornhaut, Pupillen und Sehreaktionen beurteilt. Eine fokussierte Augenuntersuchung kann folgende Verfahren umfassen:

  • Fluoreszeinfärbung zum Nachweis von Hornhautdefekten
  • Messung der Tränenproduktion
  • Tonometriemessung des Augeninnendrucks
  • Spaltlampenuntersuchung der vorderen Augenabschnitte
  • Untersuchung von Linse, Netzhaut und Sehnerv mit dem Ophthalmoskop
  • Zellproben oder mikrobiologische Untersuchungen bei ausgewählten Entzündungen
  • Ultraschall bei undurchsichtigen Augenmedien oder Verdacht auf einen Tumor
  • Blutdruckmessung sowie Blut- und Urinanalysen bei möglicher Allgemeinerkrankung

PCR-Tests können bei Verdacht auf bestimmte Infektionserreger hilfreich sein. Das Ergebnis muss jedoch zum klinischen Befund passen. Bei felinem Herpesvirus kann ein positiver Nachweis auch bei einer latent infizierten Katze vorkommen, während ein negatives Resultat eine Beteiligung nicht in jedem Fall ausschliesst.


Eine Sphynx-Katze wird in einer Tierklinik am Auge untersucht. Die gezielte Betrachtung von Lidern, Bindehaut und Hornhaut bildet den Ausgangspunkt für weitere Tests.

Behandlung richtet sich nach Ursache und Augenstruktur

Augentropfen sind eine Darreichungsform, keine einheitliche Therapie. Antibiotische Präparate wirken gegen empfindliche Bakterien, aber nicht gegen Viren. Antivirale Medikamente können bei bestimmten Herpeserkrankungen eingesetzt werden. Drucksenkende Tropfen dienen der Glaukombehandlung, während entzündungshemmende Mittel unter anderem bei Uveitis benötigt werden können.

Manche Erkrankungen verlangen zusätzlich Tabletten, Flüssigmedikamente oder Injektionen. Bei Chlamydia felis kann eine systemische antibiotische Behandlung aller betroffenen Katzen eines Haushalts erforderlich sein. Uveitis oder Netzhautveränderungen machen häufig eine Behandlung der zugrunde liegenden Allgemeinerkrankung notwendig.

Operationen kommen bei tiefen Hornhautgeschwüren, Hornhautsequestern, Lidfehlstellungen, Linsenproblemen, Tumoren und schmerzhaften blinden Augen infrage. Komplizierte Befunde werden häufig an einen Fachtierarzt für Veterinärophthalmologie überwiesen.

Kontrolltermine sind ein Bestandteil der Therapie. Ein Auge kann äusserlich ruhiger wirken, obwohl ein Hornhautdefekt noch nicht verheilt oder der Augeninnendruck weiterhin erhöht ist. Medikamente dürfen deshalb nicht allein aufgrund einer sichtbaren Besserung abgesetzt oder verändert werden.

Augentropfen geben: Vorbereitung ohne Hektik

Vor der ersten Anwendung sollten Name, betroffenes Auge, Tropfenzahl, Häufigkeit und Behandlungsdauer auf dem Etikett kontrolliert werden. Bei mehreren Präparaten hilft ein schriftlicher Zeitplan. Unklare Abkürzungen oder widersprüchliche Angaben müssen vor der Gabe mit der Praxis geklärt werden.

Ein ruhiger, gut beleuchteter Raum erleichtert die Anwendung. Benötigt werden das Medikament, gegebenenfalls ein sauberes Tuch, eine rutschfeste Unterlage und eine Belohnung. Die Hände werden vor und nach der Anwendung gewaschen.

Verkrusteter Ausfluss kann nach tierärztlicher Anweisung mit einer weichen, sauberen Kompresse und geeigneter Spüllösung aufgeweicht und vorsichtig vom geschlossenen Lid weggewischt werden. Für jedes Auge wird eine frische Kompresse verwendet. Wattestäbchen gehören wegen der Verletzungsgefahr nicht direkt an das Auge.

Manche Suspensionen müssen geschüttelt, andere Präparate gekühlt gelagert werden. Massgebend sind Etikett und tierärztliche Anweisung. Kalte Tropfen können unangenehm sein. Ob das verschlossene Fläschchen vor der Gabe kurz in der Hand angewärmt werden darf, hängt vom Präparat ab.

Schritt für Schritt: Tropfen sicher ins Auge bringen

  1. Die Katze sitzt auf einer rutschfesten Fläche oder auf dem Schoss und blickt vom Körper der haltenden Person weg. So kann sie weniger leicht rückwärts entkommen.
  2. Bei unruhigen Katzen wird der Körper locker in ein Handtuch gewickelt. Hals und Brust dürfen nicht eingeengt werden. Bei starker Gegenwehr ist Hilfe durch eine zweite Person sinnvoll.
  3. Die Medikamentenflasche wird wie ein Stift gehalten. Die Handkante oder ein Finger liegt sanft am Kopf an. Diese Abstützung folgt einer unerwarteten Kopfbewegung und verringert das Risiko, mit der Spitze ins Auge zu stossen.
  4. Der Kopf wird leicht angehoben. Mit der freien Hand wird das untere Lid vorsichtig nach unten gezogen, sodass eine kleine Tasche entsteht.
  5. Die verordnete Anzahl Tropfen fällt aus kurzer Distanz auf die Augenoberfläche oder in den Bindehautsack. Die Flaschenspitze berührt weder Auge noch Lider, Fell oder Finger.
  6. Danach darf die Katze blinzeln. Dadurch verteilt sich das Medikament. Starkes Reiben am Auge muss verhindert werden.
  7. Eine ruhige Belohnung beendet den Ablauf. Kurze, vorhersehbare Anwendungen werden häufig besser toleriert als langes Festhalten.

Meist genügt ein korrekt platzierter Tropfen, weil der Bindehautsack nur wenig Flüssigkeit aufnehmen kann. Entscheidend bleibt die individuell verordnete Menge. Ist unklar, ob der Tropfen das Auge erreicht hat, sollte nicht mehrfach hintereinander nachgetropft werden. Die Praxis kann festlegen, wie in solchen Situationen mit dem jeweiligen Medikament umzugehen ist.


Das Auge einer jungen Perserkatze wird mit einem weichen Pad abgewischt. Angetrockneter Ausfluss sollte nur sanft gelöst werden, ohne über die Hornhaut zu reiben.

Mehrere Tropfen und Augensalben richtig kombinieren

Werden mehrere flüssige Präparate verwendet, sollte zwischen den Anwendungen in der Regel mindestens fünf Minuten Abstand liegen. So wird das erste Medikament nicht sofort ausgespült. Gibt die behandelnde Praxis ein anderes Intervall vor, gilt der individuelle Therapieplan.

Flüssige Tropfen werden vor einer Augensalbe verabreicht. Die fetthaltige Salbe bildet einen Film, der später gegebene Tropfen am Eindringen hindern kann. Salbe kommt deshalb zuletzt. Auch zwischen Tropfen und Salbe ist der verordnete Abstand einzuhalten.

Flaschen lassen sich mit farbigen Markierungen unterscheiden. Auf dem Plan sollten Farbe, Medikamentenname, Auge und Uhrzeit zusammenpassen. Die Tropffläschchen selbst dürfen nicht vertauscht oder gemeinsam mit Medikamenten anderer Tiere verwendet werden.

Eine ausgelassene Gabe wird nicht automatisch durch die doppelte Menge ersetzt. Das weitere Vorgehen hängt vom Wirkstoff und vom zeitlichen Abstand zur nächsten Dosis ab. Bei häufig anzuwendenden Präparaten, Glaukommedikamenten oder Behandlungen nach einer Operation empfiehlt sich eine direkte Rückfrage in der Praxis.

Was bei Augentropfen vermieden werden muss

Alte Medikamente aus einer früheren Erkrankung sind für ein neues Augenproblem ungeeignet. Selbst ähnlich aussehende Symptome können gegensätzliche Behandlungen erfordern. Besonders riskant sind kortisonhaltige Tropfen bei unentdeckten Hornhautgeschwüren oder einer aktiven Herpeserkrankung.

Auch Augentropfen für Menschen dürfen Katzen nur erhalten, wenn sie ausdrücklich tierärztlich verordnet wurden. Präparate gegen gerötete Augen, Kombinationsmittel und frei verkäufliche Produkte können ungeeignete oder giftige Wirkstoffe enthalten. Eine sterile Kochsalzlösung ersetzt zudem keine Behandlung.

Weitere Fehlerquellen sind:

  • Berührung des Auges mit der Flaschen- oder Tubenspitze
  • Abwischen der Spitze mit einem benutzten Tuch
  • Behandlung des falschen Auges
  • eigenmächtiges Absetzen nach sichtbarer Besserung
  • Verwendung über das angegebene Haltbarkeitsdatum nach Anbruch hinaus
  • falsche Lagerung oder Einfrieren des Präparats
  • gewaltsames Festhalten mit Verletzungs- oder Bissrisiko

Leichtes Blinzeln unmittelbar nach der Gabe kann vorkommen. Anhaltendes Zusammenkneifen, starke Rötung, Schwellung, Speicheln, Erbrechen, Atemprobleme oder eine deutliche Verschlechterung verlangen eine rasche Rücksprache. Bei möglicher allergischer Reaktion oder Atemnot handelt es sich um einen Notfall.

Wenn die Anwendung trotz ruhiger Versuche nicht gelingt, ist eine erneute Demonstration in der Praxis sinnvoll. Je nach Erkrankung kommen andere Darreichungsformen, eine angepasste Fixiertechnik oder eine vorübergehende stationäre Behandlung infrage. Sicherheit hat Vorrang vor einer erzwungenen Gabe.



Das Video „How to administer an eye drop“ des Royal Veterinary College demonstriert die Positionierung des Tieres, das Abstützen der Hand und die berührungsfreie Gabe eines Augentropfens.


Vorbeugung und tägliche Beobachtung

Gesunde Katzenaugen sind klar und weit geöffnet. Beide Pupillen reagieren unter gleichen Lichtverhältnissen ähnlich. Geringe dunkle Ablagerungen im inneren Augenwinkel können vorkommen. Wiederkehrender, farbiger oder einseitiger Ausfluss sollte dagegen abgeklärt werden.

Impfungen gegen felines Herpesvirus gehören zur grundlegenden Vorsorge. Sie verhindern eine Infektion nicht zuverlässig, können jedoch die Schwere der Erkrankung und die Erregerausscheidung verringern. In Mehrkatzenhaushalten senken saubere Näpfe, Toiletten und Textilien sowie das Trennen akut erkrankter Tiere das Übertragungsrisiko.

Flache Gesichtsformen können Tränenabfluss, Lidstellung und Hornhautschutz beeinträchtigen. Bei Perser- und verwandten Katzen sind regelmässige Kontrollen deshalb besonders wichtig. Dauerhafter Tränenfluss sollte nicht als rein kosmetische Eigenheit abgetan werden.

Bei älteren Katzen gewinnen Allgemeinerkrankungen an Bedeutung. Regelmässige Untersuchungen von Blutdruck, Nieren- und Schilddrüsenfunktion können Erkrankungen erkennen, bevor eine Netzhautablösung oder plötzliche Blindheit entsteht.

Kleine Veränderungen können grosse Bedeutung haben

Augenkrankheiten bei Katzen reichen von behandelbaren Bindehautentzündungen bis zu Hornhautgeschwüren, Uveitis, Glaukom und Netzhautablösungen. Rötung, Tränenfluss und Ausfluss sind keine Diagnosen, sondern Hinweise. Schmerzen, Hornhauttrübungen, Pupillenveränderungen, Verletzungen und plötzliches schlechtes Sehen dulden keinen Aufschub.

Eine strukturierte Untersuchung klärt, welcher Teil des Auges betroffen ist und ob eine Allgemeinerkrankung dahintersteht. Verordnete Augentropfen lassen sich mit ruhiger Vorbereitung, sicherer Positionierung und sauberer Technik meist zuverlässig geben. Selbstmedikation, alte Präparate und eigenmächtige Therapieänderungen gefährden dagegen Heilung und Sehvermögen.

 

Bildquellen: Titelbild: iStock/nico_blue; Bild 1: iStock/sruilk; Bild 2: iStock/Arvydas Lakacauskas; Bild 3: iStock/Jirawat Amornpornhaemahiran

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