Sicher im Wasser: Die wichtigsten Tipps für den Schweizer Badesommer

Die Schweiz ist ein Land der Seen und Flüsse. Im Sommer zieht es Hunderttausende ans Wasser – zum Baden, Abkühlen, Schwimmen. Was viele dabei vergessen: Natürliche Gewässer sind kein Schwimmbecken. Sie haben keine Beckenränder, keine Markierungen, keine Bademeister. Und sie verzeihen keine Fehler. Laut der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG und der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU sind im Jahr 2025 in der Schweiz 43 Menschen ertrunken – fast 90 Prozent davon in offenen Gewässern.

Die Zahl liegt erstmals seit 2021 unter dem langjährigen Durchschnitt von rund 50 Todesfällen pro Jahr. Das ist eine erfreuliche Entwicklung – aber kein Grund zur Entwarnung. Denn hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch, eine Familie, eine Tragödie, die sich in den meisten Fällen hätte verhindern lassen.

Wer ist besonders gefährdet?

Die Statistik der SLRG zeigt ein klares Muster: Laut ihren Zahlen sind rund 80 Prozent der Ertrinkungsopfer männlich. Das hängt laut SLRG nicht mit einer grösseren Exposition zusammen, sondern mit einem höheren Risikoverhalten. Junge Männer zwischen 17 und 32 Jahren gehören zu den am stärksten betroffenen Gruppen. Dazu kommen ältere Menschen über 65 Jahren – eine Gruppe, bei der die SLRG in den letzten Jahren einen überdurchschnittlichen Anstieg beobachtet. Als mögliche Ursachen nennt sie gesundheitliche Probleme, eine höhere Aktivität im Wasser sowie eine Fehleinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit.

Auch Kinder unter 16 Jahren sind gefährdet – wobei die SLRG betont, dass beinahe alle Ertrinkungsfälle bei Kleinkindern vermeidbar wären, wenn Erwachsene aufmerksamer aufpassen würden. Bereits bei geringer Wassertiefe kann ein Kleinkind in weniger als 20 Sekunden ertrinken – und das in den meisten Fällen lautlos.

Warum Schwimmen lernen so wichtig ist

Wer schwimmen kann, ist sicherer im Wasser. Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht. Denn Schwimmen im Hallenbad und Schwimmen im See oder Fluss sind zwei verschiedene Dinge. Wissenschaftliche Studien, auf die sich die SLRG beruft, bestätigen: Die im Pool erworbenen Fähigkeiten übertragen sich nicht automatisch auf offene Gewässer. Seen und Flüsse haben Strömungen, Temperaturschwankungen, unbekannte Tiefen und keine sichtbaren Begrenzungen. Wer nur im Becken schwimmt, ist im See unter Umständen überfordert.


Schwimmen lernen im Hallenbad ist der erste Schritt – laut SLRG übertragen sich die erlernten Fähigkeiten aber nicht automatisch auf Seen und Flüsse, wo ganz andere Bedingungen herrschen.

Die SLRG empfiehlt deshalb, Schwimm- und Wassersicherheitsunterricht auch in offenen Gewässern zu absolvieren. Wer Kinder hat, sollte sicherstellen, dass sie nicht nur das Schwimmen lernen, sondern auch den sogenannten Wasser-Sicherheits-Check (WSC) bestehen – eine Übung, die zeigt, ob ein Kind sich nach einem unerwarteten Sturz ins Wasser selbst ans Ufer retten kann.

Die sechs Baderegeln der SLRG

Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft hat sechs Baderegeln formuliert, die einen Grossteil der Unfälle verhindern könnten, wenn sie konsequent eingehalten würden:

  • Kinder nur begleitet ans Wasser: Kleine Kinder immer in Griffweite beaufsichtigen, keine Ablenkung durch Smartphone oder Gespräche.
  • Nie alkoholisiert oder unter Drogen ins Wasser: Alkohol erweitert die Blutgefässe, erhöht die Unterkühlung und trübt die Risikoeinschätzung erheblich.
  • Nie mit vollem oder leerem Magen schwimmen: Nach dem Essen braucht der Körper Energie für die Verdauung – das kann im Wasser zu Schwäche oder Ohnmacht führen.
  • Nie überhitzt ins Wasser springen: Der Körper braucht Zeit, sich an die Wassertemperatur anzupassen. Ein abrupter Temperaturschock kann den Kreislauf gefährden.
  • Nicht in trübe oder unbekannte Gewässer springen: Versteckte Steine, Schwemmholz oder seichtes Wasser können zu schweren Kopf- und Rückenverletzungen führen.
  • Lange Strecken nie alleine schwimmen: Auch trainierte Schwimmer können einen Krampf oder eine Schwäche erleiden. Wer alleine schwimmt, nimmt ein unnötiges Risiko auf sich.

Besondere Gefahren in Seen und Flüssen

Natürliche Gewässer haben ihre eigenen Tücken, die man kennen sollte:

  • Strömungen: Flüsse wie die Aare, der Rhein oder die Limmat können auch bei ruhiger Oberfläche eine starke Strömung haben. Nach Regenfällen steigen Pegel und Fliessgeschwindigkeit schnell an.
  • Kaltes Wasser: Seen können tief unten deutlich kälter sein als an der Oberfläche. Ein plötzlicher Kälteschock kann zu Muskelkrämpfen oder einem Kreislaufkollaps führen.
  • Unbekannte Tiefen: Was von der Oberfläche flach aussieht, kann unter Wasser steil abfallen. Niemals kopfüber in unbekannte Gewässer springen.
  • Blaualgen: In warmen Sommermonaten können sich in stehenden Gewässern Blaualgen (Cyanobakterien) bilden. Sie sind für Menschen und Tiere gefährlich und können zu Hautrötungen, Übelkeit und in schweren Fällen zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen. Befallene Gewässer sind in der Regel durch Warntafeln gekennzeichnet.
  • Luftmatratzen und Schwimmhilfen: Sie geben ein falsches Sicherheitsgefühl. Sie sind schlecht steuerbar und können dazu führen, dass sich schlechte Schwimmer weit vom Ufer treiben lassen.

Luftmatratzen und Schlauchboote auf der Aare sind beliebt – laut SLRG bieten sie aber keine Sicherheit. Wer schlecht schwimmt, kann damit schnell weit vom Ufer abgetrieben werden.

Praktische Tipps für sicheres Baden im See

Wer die Gefahren kennt, kann sie vermeiden. Ein paar konkrete Massnahmen helfen, den Badesommer sicher zu gestalten:

  • Eine Schwimmboje oder einen Gurtretter mitnehmen – die BFU bietet an vielen Schweizer Badeplätzen einen kostenlosen Bojenverleih an.
  • Wettervorhersage prüfen – bei aufziehendem Gewitter sofort das Wasser verlassen.
  • Die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einschätzen – besonders nach einer Erkrankung oder längerem Trainingsunterbruch.
  • Hilfreich für Aare-Schwimmer: Die App „Aare Guru» informiert über Wasserstand, Temperatur und Abflussmenge in Echtzeit.
  • Immer an ausgewiesenen Badestellen ins Wasser gehen, wo Ausstiegsstellen bekannt und gesichert sind.

Schwimmverbote an Flüssen und Seen sind keine Schikane – sie markieren Stellen, an denen Strömungen, Strudel oder andere Gefahren das Schwimmen lebensgefährlich machen können.

Video-Tipp: Besinn dich was du schaffen kannst

Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG hat mit Slam Poet Valerio Moser einen ungewöhnlichen Spot zu den Baderegeln realisiert – direkt an junge Männer gerichtet, die statistisch am häufigsten verunfallen.



Fazit

Seen und Flüsse gehören zum Schweizer Sommer wie kaum etwas anderes. Sie sind wunderschön, erfrischend – und sie verlangen Respekt. Wer schwimmen kann, die Baderegeln kennt und die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einschätzt, kann den Badesommer in vollen Zügen geniessen. Wer das nicht tut, riskiert mehr als nass zu werden. Laut SLRG liessen sich mit den bekannten Verhaltensregeln ein Grossteil der jährlichen Ertrinkungsunfälle in der Schweiz verhindern.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © Keitma/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © New Africa/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © Olya Solod/Shutterstock.com; Bild 4: Symbolbild © Dave Primov/Shutterstock.com

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