Wo Tennis lernen in der Schweiz? Clubs, Swiss Tennis und Ausbildungswege

Ob Kind, Wiedereinsteiger oder Erwachsener, der zum ersten Mal ein Racket in die Hand nimmt: Der Weg ins Schweizer Tennis führt fast immer über denselben Ort – den lokalen Tennisclub. Wer weiss, wie das System aus Vereinen, Swiss Tennis und privaten Tennisschulen zusammenspielt, findet den passenden Einstieg deutlich schneller.

Anders als in vielen anderen Ländern ist Tennis in der Schweiz fest im Vereinswesen verankert. Über 50 Clubs und Center sind bei Swiss Tennis registriert und bieten strukturierte Kurse an, dazu kommen unzählige private Tennisschulen und Academies, die unabhängig von einem einzelnen Club unterrichten. Wer diesen Aufbau kennt, versteht auch, warum ein traditionsreicher Club wie der TC Dählhölzli in Bern bis heute so viele unterschiedliche Spielertypen unter einem Dach vereint.

Der Verein bleibt das Rückgrat des Schweizer Tennissports

Wer in der Schweiz mit Tennis beginnen möchte, landet praktisch immer zuerst bei einem Club. Swiss Tennis, der nationale Dachverband, organisiert selbst keine Trainings, sondern stellt Ausbildungskonzepte, Lizenzsystem und Rangliste zur Verfügung, während die eigentliche Basisarbeit in den einzelnen Vereinen passiert. Auf der Clubsuche von Swiss Tennis lassen sich Vereine gezielt nach Kanton oder Ort filtern, viele davon inzwischen auch direkt online buchbar. Das Modell hat einen grossen Vorteil: Wer einem Club beitritt, erhält nicht nur Zugang zu Trainerinnen und Trainern, sondern auch zu Plätzen, Mannschaftswettbewerben und einer sozialen Struktur, die über die reine Tennisstunde hinausgeht.

Kids Tennis High School – wie Kinder in der Schweiz mit Tennis beginnen

Für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren hat Swiss Tennis mit der Kids Tennis High School ein eigenes Ausbildungsprogramm entwickelt, das bewusst auf Noten und Prüfungen verzichtet. Stattdessen sammeln die Kinder in einem von drei Teams – den „starken und mutigen» Löwen, den „frechen und trickreichen» Papageien oder den „schlauen und fleissigen» Delfinen – Punkte für insgesamt 30 Lernbausteine, die auf drei Spielstufen mit kleineren Plätzen, langsameren Bällen und altersgerechten Schlägern aufgeteilt sind.


Kleinere Netze, weichere Bälle, viel Nähe zur Trainerin – genau dieses Setup steckt hinter dem altersgerechten Einstiegskonzept der Kids Tennis High School.

Das Programm basiert auf dem Jugend+Sport-Kindersportkonzept und dem weltweiten ITF-System „Tennis 10s», bei dem Kinder bis zehn Jahre bewusst auf verkleinerten Feldern spielen, um von Anfang an echte Ballwechsel erleben zu können. 2025 nahmen laut Jugend+Sport rund 80’000 Kinder und Jugendliche schweizweit an Tenniskursen teil – ein Hinweis darauf, wie breit das Fundament des Schweizer Tennissports tatsächlich ist.

„Ready? Play!» – der einfache erste Schritt für Familien

Um den Einstieg noch niederschwelliger zu machen, lancierte Swiss Tennis gemeinsam mit der Vaudoise Versicherung die Aktion „Ready? Play!». Kinder zwischen 5 und 12 Jahren können sich darüber bei einem teilnehmenden Club in der Nähe für einen vergünstigten Tenniskurs anmelden und erhalten zusätzlich einen Gutschein für Ausrüstung. Der Gedanke dahinter ist bewusst simpel gehalten: anmelden, aufschlagen, loslegen – ohne dass Eltern zuerst eine Vereinsmitgliedschaft oder teure Ausrüstung organisieren müssen, bevor das eigene Kind Tennis überhaupt ausprobieren konnte.

Vom Hobby zum Wettkampf: Interclub und Players Development

Wer über die Kids Tennis High School hinausgewachsen ist oder als Jugendlicher beziehungsweise Erwachsener bereits Erfahrung mitbringt, findet in den meisten Clubs zwei parallele Wege. Der erste führt über den Junioren- oder Erwachsenen-Interclub, eine Mannschaftsmeisterschaft zwischen benachbarten Vereinen, die vor allem den Team- und Wettkampfgedanken fördert, ohne dass dafür ein professionelles Trainingspensum nötig wäre. Der zweite, anspruchsvollere Weg orientiert sich am Players-Development-Konzept von Swiss Tennis, das für ambitionierte Spielerinnen und Spieler ab etwa 12 Jahren ein deutlich intensiveres Training von drei bis vier Einheiten pro Woche sowie eine regelmässige Turnierteilnahme vorsieht. Welcher Weg passt, hängt weniger vom Talent als von den eigenen Zielen ab: Der Interclub eignet sich für alle, die Tennis vor allem als sozialen, aber ernsthaften Freizeitsport betreiben wollen, während das Players-Development-Konzept auf eine echte Wettkampfkarriere ausgerichtet ist.


Die richtige Griffhaltung gehört zu den ersten Dingen, die in einer Schnupperlektion für erwachsene Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger korrigiert werden.

Wie Erwachsene den Einstieg finden

Auch für Erwachsene, die nie zuvor Tennis gespielt haben, ist der Club meist die einfachste Anlaufstelle. Die meisten Vereine bieten eigene Einzel- und Gruppenlektionen für „Neuanfänger» an, oft in Zusammenarbeit mit einer angeschlossenen Tennisschule oder Academy, die sich um die eigentliche Unterrichtstätigkeit kümmert. Viele Clubs kennen zudem eine spezielle Mitgliedschaftskategorie für Gelegenheitsspielerinnen und -spieler, etwa ein Tagesmitglied-Modell für alle, die primär tagsüber unter der Woche spielen möchten, oder eine reduzierte Interclub-Mitgliedschaft für alle, die vor allem am Mannschaftswettbewerb teilnehmen wollen. Wer sich unsicher ist, ob ein Verein das Richtige ist, kann bei den meisten Clubs unkompliziert eine Schnupperlektion oder ein Probetraining vereinbaren, bevor eine langfristige Mitgliedschaft überhaupt zur Debatte steht.

Video-Tipp: Die Kids Tennis High School im Überblick

Wer sich das Ausbildungskonzept für Kinder noch einmal anschaulich zeigen lassen möchte, findet hier eine kurze Einführung von Swiss Tennis.



Tennisschulen und private Academies als Alternative zum Verein

Neben den klassischen Vereinen hat sich in den letzten Jahren, besonders in grösseren Städten, eine wachsende Zahl privater Tennisschulen und Academies etabliert. Diese unterrichten teils auf eigenen Anlagen, teils in Kooperation mit einem bestehenden Club, dessen Plätze sie für den Unterricht nutzen. Der Vorteil liegt oft in einem sehr strukturierten, auf ein bestimmtes Alter oder Niveau zugeschnittenen Programm sowie in flexibleren Trainingszeiten ausserhalb der klassischen Vereinssaison. Der Nachteil: Wer nur eine Tennisschule bucht, aber keinem Club angehört, hat in der Regel keinen eigenständigen Zugang zu Interclub-Wettbewerben oder zur Vereinsinfrastruktur wie Restaurant, Bar oder Klubhaus. In der Praxis kombinieren deshalb viele traditionelle Vereine beide Modelle: Der Club stellt Infrastruktur, Mitgliedschaft und Wettkampfstruktur, während eine spezialisierte Tennisschule oder Academy das eigentliche Training übernimmt.

Was einen guten Einstiegsclub ausmacht

Ein guter Einstiegsclub zeichnet sich in der Regel durch drei Dinge aus: eine klare Anbindung an ein anerkanntes Ausbildungskonzept wie die Kids Tennis High School oder das Players-Development-Programm, unterschiedliche Mitgliedschaftsmodelle für verschiedene Lebenssituationen – vom Junior bis zum reinen Tagesmitglied – sowie ein soziales Umfeld, das über den reinen Tennisplatz hinausreicht, etwa durch ein Klubrestaurant oder gemeinsame Vereinsanlässe. Wer selbst auf der Suche nach dem passenden Einstieg ist, sollte deshalb nicht nur auf die Platzanzahl oder den Mitgliedsbeitrag schauen, sondern gezielt fragen, wie ein Club Training, Wettkampf und Vereinsleben miteinander verbindet – denn genau darin liegt seit über hundert Jahren die Stärke des Schweizer Vereinstennis.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © Andrei Dedovich/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © Dennis MacDonald/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © Yuliya Yesina/Shutterstock.com

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